Dosierung von Arzneimitteln für Kinder: endlich DrugDoses in einer Palm-Version

Oliver Karam, Genf

Das Verschreiben von Arzneimitteln in der Kinderheilkunde ist eine besonders schwierige Frage, denn sowohl die Pharmakodynamik als auch die Pharmakokinetik ändern sich mit dem Alter des Kindes. Das bedeutet, dass die Dosis, die einem Neugeborenen verschrieben wird, natürlich nicht die gleiche wie diejenige eines Jungendlichen ist, den man wiederum selbst bei einem Gewicht von 75 kg nicht unbedingt als Erwachsenen einstufen kann. Es ist deshalb unerlässlich, die Dosen der Arzneien dem Alter, dem Gewicht, ja sogar der Körperfläche oder dem Ernst der Krankheit anzupassen.

Um den richtigen Entscheid zu fällen, verfügt der Arzt über mehrere Informationsquellen von unterschiedlicher Relevanz. Die von den Herstellern festgesetzten Angaben führen manchmal zu einer Unterdosierung, in der Absicht, unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden, doch hat dies dann eine geringere Wirksamkeit der Arzneimittel zur Folge. Als objektive Quelle bieten die Bücher über Kinderpharmakologie eine wertvolle Alternativlösung, aber diese werden nicht oft genug aktualisiert, wenn man bedenkt, in welchem Rhythmus heutzutage neue Erkenntnisse gewonnen und neue Moleküle verfügbar gemacht werden. Als beste Auskunftsquellen bleiben deshalb regelmässig auf den neuesten Stand gebrachte und leicht zugängliche Datenbanken. Seit einigen Jahren kann der Arzt auf zahlreiche qualitativ gute Internet-Auftritte zurückgreifen, doch die auf diesem Wege gewonnenen Auskünfte sind unüberprüfbar und nicht über jeden Zweifel erhaben. Es ist also schwierig, sich der Richtigkeit der angegebenen Dosierungen sicher zu sein.

Angesichts dieser Fülle von Informationen hat Frank Shann, Chefarzt der Intensivpflegeabteilung im Royal Children’s Hospital in Melbourne, Daten aus der ärztlichen Literatur zusammengestellt und ein Handbuch veröffentlicht, das pädiatrische Dosierungen für mehr als 1700 Arzneimittel enthält. Dieses unter dem Namen DrugDoses bekannte Werk wird jedes zweite Jahr neu veröffentlicht und ist so immer aktuell. Seit mehr als 25 Jahren wird es weltweit von mehreren Tausenden von Kinderärzten verwendet.

Vor kurzem wurde eine Version für Palm von einem Genfer Kinderartzt mit der Unterstützung des Genfer Kinderspitals entwickelt, um den immer zahlreicheren Ärzten entgegenzukommen, die keine Bücher mehr in den Taschen herumtragen wollen. Die Software – eine treue Wiedergabe des Handbuchs  -  ist in Zusammenarbeit mit Frank Shann entstanden und kann über  www.drugdoses.net abgefragt werden. Mit Palm-DrugDoses kann die pädiatrische Dosierung aller in der Schweiz üblichen Medikamente innerhalb kürzester Zeit gefunden werden. Die 1750 Arzneimittel sind nach dem Namen des Moleküls alphabetisch geordnet, und die Dosierungen sind klar und genau aufgeführt. Zudem gestattet die Palm-Version die Suche nach der gewünschten Auskunft mittels eines Schlüsselwortes, was in vielen Fällen sehr praktisch ist.

Ausserdem umfasst diese Software auch eine Datenbank von mehr als hundert Normalwerten biologischer Untersuchungen, je nach dem Alter des Kindes. Dies ist vor allem dann willkommen, wenn es gilt, Laborergebnisse zu interpretieren und die Normalwerte für Kinder nicht angegeben sind. Sowohl die Proteinoarchie als auch die alkalinen Phosphatasen haben zum Beispiel eine fünffache Zuwachsrate zwischen der Geburtszeit und dem Jungendalter. Auch in diesem Falle ist eine Suche über die gesamte Datenbank möglich.

Eine weitere Datenbank von DrugDoses enthält die wichtigsten Namen der bei Kindern durchgeführten Herzoperationen, wie die Fontan- oder die Senning-Operation. DrugDoses ermöglicht dem Benützer auch, sein eigenes berufliches Telefonbuch zu erstellen, in das er die Bip-Nummern seiner Kollegen im Krankenhaus eintragen kann, um so seine persönliche Telefonliste nicht unnötig zu überladen.

Schliesslich enthält DrugDoses eine Funktion, welche automatisch die Dosen der Reanimationsmedikamente nach dem Gewicht des Kindes bestimmt. So kann man bei Notfällen, wenn  es leicht zu Rechnungsfehlern kommen kann, im DrugDoses die Menge Adrenalin, die Anzahl mg Atropin und Lidokain oder auch die notwendige Anzahl von Joule ablesen, um eine Vorhof- oder Ventrikeldysrhythmie zu defibrillieren. Diese Funktion der DrugDoses ist eine Neuerung, die alleine schon den Kauf der Software rechtfertigt.

DrugDoses findet man auf www.drugdoses.net, wo man auch die Papierversion bestellen kann. Der Internet-Auftritt bietet zwei Softwareversionen an. Die Versuchsversion ist gratis, beinhaltet jedoch die Dosierung von lediglich 250 Arzneien. Sie soll es erlauben, das Programm zu testen. Die volle Version gibt Zugriff zu 1750 Arzneimitteln und zu allen weiteren Funktionen des Programms.

Die Einrichtung des Programms ist denkbar einfach: es genügt, auf die 9 Dateien zu klicken, um diese anlässlich der nächsten HotSync auf den Palm zu übertragen. Wenn das Programm auf dem Palm anläuft, erscheint eine Nummer aus neun Ziffern. Dies ist die einzige Nummer, die man beim Kauf des Digitalschlüssels zur Entriegelung der Software auf demselben Internet-Auftritt eingeben muss. Dieser Schlüssel kostet nur 10$ und eröffnet auf immer den Zugang zur kompletten Software und zu den zukünftigen Updates. Die Bezahlung erfolgt on-line mittels aller gängigen Kreditkarten.

Für Krankenhäuser kann eine besondere DrugDoses-Version entwickelt werden, welche gestattet, sämtliche Rufnummern der Anstalt einzugeben und das Programm, zum Beispiel, durch Aufnahme des Kennzeichens der Institution  zu personalisieren. So können die Krankenhäuser DrugDoses mit ihrer Telefon- oder Bipnummernliste an die ganze Ärzteschaft abgeben.

Kurzum, DrugDoses ist ein neues Palmprogramm, dank dessen man den ganzen Inhalt des Buchs von Frank Shann ständig auf sich hat, mit dem Vorteil, dass DrugDoses dem Buch eine neue Dimension verleiht, durch die es verstärkt interaktiv und viel dynamischer wird.


Date de création : 9.1.2005


Dernière mise à jour du site: 25.06.2008