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Betreuung von Frühgeborenen 340/7 bis 366/7 Schwangerschaftswochen
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Abb.1: Häufigkeit von Anpassungsstörungen in Abhängigkeit vom Gestationsalter |
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| Szabo P., Arlettaz R., Bucher H.U.: Jahresversammlung Schweiz. Gesellschaft für Pädiatrie, 2002 Fribourg |
Ab 340/7 ist eine Geburt in der Gebärabteilung einer Klinik ohne Neonatologie-Abteilung möglich, sofern das entsprechend geschulte Personal und die besonderen Einrichtungen dafür vorhanden sind (siehe Punkte 2 und 3). Bestehen jedoch zusätzliche Risiken für eine gestörte postnatale Adaptation, ist eine Verlegung vor der Geburt in die Gebärabteilung einer Klinik mit angeschlossener Neonatologie-Abteilung zu erwägen. 30% bis 50% der Frühgeborenen mit 340/7 bis 346/7 SSW und 10% bis 20% der Kinder mit 350/7 bis 356/7 SSW müssen nach der Geburt wegen einer oder mehrerer Anpassungsstörungen in eine Neonatologie-Abteilung verlegt werden. Ein Frühgeborenes verbringt deutlich länger im Spital als ein Termingeborenes bis es nach Hause entlassen werden kann (siehe Tabelle 1).
| Gestationsalter bei Geburt | Hospitalisationsdauer (Tage) | ||
| 25. Perzentile | 50. Perzentile | 75. Perzentile | |
| 340/7 bis 346/7 SSW | 13 | 16 | 19 |
| 350/7 bis 356/7 SSW | 7 | 12 | 13 |
| 360/7 bis 366/7 SSW | 7 | 9 | 10 |
- Speziell geschulte Hebammen und Pflegende.
- Ein Kinderarzt * (mit Neonatologie-Erfahrung) wird vor jeder drohenden Frühgeburt informiert und ist bei der Geburt anwesend oder kurzfristig abrufbar.
- Tägliche Arztvisite auf der Wochenbettstation mit Beurteilung des Kindes. Wird ein Kind kontinuierlich mit einem Monitor überwacht, muss eine Pflegefachfrau innert 30 Sekunden beim Kind sein können (der Mutter allein kann die Verantwortung nicht überlassen werden).
* Selbstverständlich sind Ärztinnen eingeschlossen.
- Tisch mit Wärmelampe und/oder geheizter Unterlage zur Überwachung der Adaptation und zur Erstversorgung
- Luft-Sauerstoff-Mischgerät (Blender), empfehlenswert
- Inkubator mit Oxymeter (Gerät zur Messung der Sauerstoffkonzentration) zur Überwachung bei Anpassungsstörungen
- Für Neugeborene geeignetes Pulsoxymeter
- Möglichkeit der Messung von Blutgasen, Blutzucker und Hämatokrit aus Kapillarblut in unmittelbarer Nähe
- Wärmebett zur Prophylaxe einer Hypothermie
- Frühgeborenes < 34–35 SSW
- Geburtsgewicht < 1800–2000 g
- Mutter Trägerin von Streptokokken der Gruppe B ohne adäquate antibiotische Prophylaxe (www.neonet.ch)
- Infektrisiko (Fieber der Mutter sub partu, Blasensprung mehr als 18 Stunden vor Geburt, usw.) und klinische Auffälligkeit nach Geburt
- Progredientes Atemnotsyndrom
- Atemnotsyndrom ohne deutliche Besserung 4 Stunden nach Geburt
- Hypothermie <35,5°
- Persistierende Hypoglykämie (Blutzucker <2,5 mmol/l nach Maltodextringabe)
- Bilirubinanstieg >10 mmol/l pro Stunde
- Anämie (Hkt <40%) oder Polyglobulie (venöser Hämatokrit >65%) (Messung nur auf klinische Indikation, nicht bei allen Frühgeborenen)
- Einmalige Apnoe (Zyanoseanfall unabhängig von der Nahrungsaufnahme)
- Gewichtsabnahme von mehr als 10% des Geburtsgewichtes
Die schweizerischen Empfehlungen zur Betreuung von Neugeborenen bei Geburt gelten auch bei Frühgeborenen ab 340/7 SSW (www.neonet.ch).
Da bei Frühgeborenen vermehrt mit Atemproblemen, Temperaturproblemen, Infektgefährdung und Hypoglykämien zu rechnen ist, muss vor jeder drohenden
Frühgeburt der zuständige Pädiater informiert werden. Dieser oder ein anderer in der Erstversorgung von Neugeborenen erfahrener Arzt ist bei der Geburt anwesend.
Atemstörungen sind häufig. Deshalb müssen diese Kinder regelmässig überwacht und mögliche behandelbare Ursachen abgeklärt werden.
Bei einer Verschlechterung muss rechtzeitig eine Verlegung in eine Neonatologie-Abteilung in die Wege geleitet werden.
Die zentrale Temperatur (Rektaltemperatur) sollte zwischen 36,5° und 37,5° liegen. Nach der Geburt und nach jedem Waschen muss das Kind sorgfältig abgetrocknet werden,
um einer Abkühlung durch Verdunstung vorzubeugen. Das Kind kann der Mutter auf die Haut gegeben (Stillversuch) und beide mit einer warmen Decke zugedeckt werden
(Achtung auf Gesichtsfarbe!). Als Kleider haben sich Vliesanzüge bewährt. Ein Käppchen aus Fliesmaterial verhindert wirksam eine Abkühlung des Kopfes.
Ein regulierbares Wärmebett für die ersten zwei bis drei Lebenstage ist optimal. Bettflaschen dürfen wegen des Verbrennungsrisikos nicht eingesetzt werden.
Ist ein Kind unter 35,5° abgekühlt oder lässt es sich nicht innert zwei Stunden über 36,5° aufwärmen, so ist eine Verlegung in eine Neonatologie-Abteilung indiziert.
Frühgeborene sollen so früh wie möglich, spätestens bis zwei Stunden nach Geburt eine 10%- Maltodextrin-Lösung (Frühernährung) trinken. Anschliessend sollten sie mindestens alle 3-4 Stunden neben der Muttermilch je nach Situation (5)-10 ml Maltodextrin oder ein Muttermilch-Ersatzpräparat erhalten* (http://www.swiss-paediatrics.org/paediatrica/vol14/n4/alimnn-ge.html). Für Frühgeborene unter 350/7 SSW ist eine adaptierte Milch neben der Muttermilch ab Geburt empfehlenswert. Eine professionelle Stillberatung ist wichtig.
* Der Schritt 6 der UNICEF-Empfehlungen zur Stillförderung (Gesunde Neugeborene benötigen grundsätzlich zur Muttermilch keine andere Nahrung oder Flüssigkeit) gilt nur für Termingeborene und nicht für Frühgeborene.
Wegen des erhöhten Hypoglykämie-Risikos ist eine Bestimmung des Blutzuckers dreimal vor je einer Mahlzeit indiziert. Ziel ist ein Blutzucker über 2,5 mmol/l.
Bei einem Blutzucker <2,5 mmol/l und asymptomatischem Kind wird Maltodextrin oder ein Muttermilch-Ersatzpräparat verabreicht und eine Stunde später der Blutzucker
kontrolliert. Normalisiert er sich nicht, ist der Pädiater zu informieren und eine Verlegung auf eine Neonatologie-Abteilung (Infusionsbehandlung) in die Wege
zu leiten (www.neonet.ch).
Frühgeborene haben ein erhöhtes Risiko für einen Kernikterus. Deshalb ist die
Fototherapiegrenze tiefer als bei Termingeborenen angesetzt
(gemäss Empfehlungen 190 bis 240 μmol/l www.neonet.ch). In den ersten 48 Lebensstunden ist eine Kontrolle der Hautfarbe bezüglich Ikterus mindestens
alle 8 h und bei beginnendem Ikterus eine Kontrolle des Serumbilirubins indiziert. Besondere Vorsicht ist bei dunkelhäutigen Frühgeborenen geboten.
Die transcutane Bilirubinmessung ist bei Frühgeborenen nicht etabliert.
Ein Infekt kann die Ursache einer Frühgeburt sein, weshalb eine anfänglich 4-stündliche, dann 6-12 stündliche Überwachung während mindestens
48 Stunden von Hautfarbe,
Verhalten, Atmung, Herzfrequenz und Temperatur angezeigt ist. Ist die Mutter Trägerin von Streptokokken der Gruppe B, erhöht die Frühgeburtlichkeit das Infektrisiko.
Bei ungenügender Antibiotikaprophylaxe (weniger als 4 Stunden vor Geburt), zusätzlichen Riskikofaktoren oder klinischen Infektzeichen ist eine Verlegung des Kindes in
eine Neonatologie Abteilung indiziert (www.neonet.ch).
Die Haut von Frühgeborenen ist besonders empfindlich. Deshalb sollen die Kinder zurückhaltend gebadet und milde Seifen mit neutralem pH verwendet werden.
Die Nabelpflege erfolgt gleich wie bei Termingeborenen.
- Geburtsgewicht über 1800 – 2000 g
- Problemlose Adaptation
- Abgesehen von Frühgeburtszeichen unauffälliger Status
- Rektaltemperatur vor Verlegung >36,5°
- Blutzucker >2.5 mmol/l
- Die Mutter ist in der Lage, Ernährung und Versorgung des Kindes selber vorzunehmen.
- Das Kind kann seine Rektaltemperatur ohne äussere Wärmezufuhr über 36,5° halten.
- Die Trinkmenge beträgt mindestens 10% seines Körpergewichtes (100 ml / kg) pro Tag und das Kind nimmt an Gewicht zu.
- Die klinische Untersuchung ergibt keine Anhaltspunkte für dringende Abklärungen oder Behandlungen.
- Die Mütter-Väter-Beratung ist den Eltern bekannt und falls es sich um das erste Kind handelt informiert.
Diskutiert in Gruppen an der Frühjahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie am 4. 6.2004 in Bern. Vorbereitung und Schlussredaktion durch eine Arbeitgruppe bestehend aus: Dr. P. Baeckert, Zollikerberg; Frau Dr. C. Bigler, Bern; Prof. H.U. Bucher, Zürich; Frau Dr. V. Büttiker, Zürich; Frau Dr. P. Donati, Bellinzona; PD M. Nelle, Bern; Dr. H. Malzacher, St. Gallen; PD Dr. R. Pfister, Genf.
date de création 07.01.05
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