Weisser Kittel in der Praxis:
dafür oder dagegen?

 

Vor kurzem haben wir zur Frage: weisser Kittel in der pädiatrischen Praxis ? eine Umfrage durchgeführt. Die Frage stellte sich im Zusammenhang mit der Vorbereitung des "Leitfadens zur klinischen Untersuchung in der Pädiatrie" zuhanden der Studenten. Wir haben über das e-mail Forum der SGP (ssp-sgp@yahoogroups.com) nach der Meinung der Kinderärzte in der Praxis gefragt. Wir danken allen für das eifrige Antworten und veröffentlichen die Resultate auf Wunsch der Teilnehmer.

Die per e-mail gegebenen Antworten zur Frage "Tragen Sie in der Praxis einen weissen Kittel?" stammen von 27 Kinderärzten aus den Kantonen Genf, Waadt, Neuenburg, Freiburg, Wallis, Tessin, Zürich, Luzern und Nidwalden.


Fig. 1

Wie wir erwarteten, besteht zum Tragen des weissen Kittels keine Einstimmigkeit, aber erstaunlicherweise zeigt das untenstehende Diagramm (Fig. 1) eine beinahe-Gleichheit zwischen ablehnenden und beführwortenden Kollegen. Bei letzteren, welche die Notwendigkeit einer klar kennzeichnenden Arbeitskleidung geltend machen, hat der traditionelle weisse Kittel immer noch Vorrang, wenn ihn auch gewisse unter ihnen mit amüsanten Anhängseln dekorieren. Die Phantasie gehört scheinbar zum Arsenal des Pädiaters.

 

Obwohl sich unsere bedingunglosen Anhänger der Zivilkleidung am Arbeitsplatz wenig ausdrückten, sprechen ihre Argumente eher für den Wunsch, sich vom Spital-Umfeld abzugrenzen. Diese Kollegen weisen zudem mit Nachdruck auf die Sauberkeit der Kleidung hin, die leicht zu unterhalten und jener einer Uniform durchaus gleichzusetzen ist, und nicht in Frage gestellt werden darf. Gewisse Kollegen weisen auch darauf hin, dass es "für den Fall" genügt, einen (gelegentlich gebrauchten) Wechsel in der Praxis zu haben.

Im Gegensatz dazu haben sich die Verteidiger der Uniform freimütiger ausgedrückt. Gewisse Argumente betreffen die Waschbarkeit bei höheren Temperaturen und damit die Hygiene, den Schutz gegen alle möglichen unerwünschten "Auswürfe" und das vermeiden der Verbreitung von Epidemien, erwähnen dabei  die gleichzeitig notwendige Desinfektion des Materials. Andere schätzen den praktischen Aspekt, mit den tiefen Taschen in welchen Stethoskop, Bleistift und alle möglichen Dinge Platz finden. Andere wiederum erwähnen die symbolische Bedeutung: durch den weissen Kittel unterstreicht der Arzt seine Rolle, seinen Respekt vor dem Patienten und legitimiert die physische Untersuchung. Es wird dazu eine in den USA durchgeführte Studie zitiert 1).

Wir konnten feststellen, dass dieses Thema Leidenschaften weckt und dass sehr weit auseinandergehende Meinungen geäussert werden. Eine Meinung scheint jedoch durch die Vertreter beider Tendenzen geteilt zu werden: ob nun das Stethoskop aus der Tasche einer Uniform oder aus einer Schublade geholt wird, die Kinder weinen bei seinem Anblick so oder so, vor allem im Zusammenhang mit Krankheit oder elterlichen Angstgefühlen. Und sie beruhigen sich auch in gleicher Weise, wenn die Untersuchung vorbei ist. Liegt der Unterschied vielleicht nicht im Gewand, sondern vielmehr im Talent desjenigen, der die schwierige Kunst, Pädiatrie gennannt, praktiziert ?

Anne Romanowicz-Mankowsky
Andrea Superti-Furga
Lausanne

Uebersetzung: Rudolf Schlaepfer,
La Chaux-de-Fonds

Referenz :

(1) Meltzer JA and Ozuah PO : « What do kids think of white coats ? », abstract présenté au meeting annuel de l’Académie Américaine de Pédiatrie, Seattle, Washington, 3-6 mai 2003 et paru dans Pediatric Notes, vol 27, no 25, 19 juin 2003 ;

 

 

 

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Parution le 7 mars 2004


Dernière mise à jour du site: 08.12.2008