Probiotika zur Vorbeugung der atopische Dermatitis ?

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In einem kürzlich erschienen Artikel 1), beschreiben M. Kalliomäki et al. die vorbeugende Wirkung von perinatal verabreichtem Lactobacillus rhamnosus auf das atopische Ekzem. Diese vorbeugende Wirkung, in einem vorgängigen Artikel im Alter von 2 Jahren festgestellt, hält auch bis ins Alter von 4 Jahren an: 14/53 Kinder , welche Lactobacillus bekamen, entwickelten ein Ekzem, gegenüber 25/54 in der Kontrollgruppe. Soll man die Verabreichung von Probiotika an Risikokinder empfehlen? Welche? Und wann der Verzicht auf hydrolysierte Milchen?

Rudolf Schlaepfer, La Chaux-de-Fonds

 

Antwort :

Die Hypothese einer Allergie-vorbeugenden Wirkung der Probiotika geht auf die Hygienetheorie zurück. Die Modifizierung der Darmflora könnte in der Tat das Erscheinen von allergischen Krankheiten beeinflussen. Die Probiotika sind Mikroorganismen, welche eher eine Typ Th1, also Allergie-schützende Funktion fördern. Hingegen zeigten an sich ermutigende Tiermodelle, dass nicht alle Probiotika gleichartige Wirkungen haben. Die sich aus der Hygienetheorie und den experimentellen Daten ergebenden Hypothesen führten zu klinischen Versuchen. In einer ursprünglich im Lancet publizierten Studie, haben Kalliomäki et al. beschrieben, dass die perinatale Verabreichung von Lactobacillus GG dem Auftreten von atopischem Ekzem vorbeugt. Im oben erwähnten Artikel bestätigen sie diese vorbeugende Wirkung bis ins Alter von 4 Jahren. Kann man diese Resultate verallgemeinern ?  Sie müssen mit Vorsicht interpretiert werden und der von Niers in derselben Zeitschrift im August abgegebene Kommentar verdient einige Aufmerksamkeit. Dieser Kommentar hebt hervor, dass, wenn auch eine Verminderung der Ekzemhäufigkeit nach Probiotika-Verabreichung beobachtet werden kann, die Häufigkeit der Atopie ( Vorhandensein von spezifischen IgE für gängige Allergene) nicht verändert wird. Man kann sich also durchaus die Frage stellen, ob es sich wirklich um atopische Dermatitis handelt.

Das Allheilmittel in der Atopieprävention existiert leider nicht. Die teil- oder extensiv hydrolysierten Milchen sind bestimmt von Interesse, aber auch nur teilweise wirksam. Es existieren bereits solche Milchen mit Probiotikazusatz im Handel. Bevor wir aber diese neue Strategie der Allergieprävention allgemein empfehlen können, brauchen wir mehr klinische Evidenz. Die finnischen Autoren der erwähnten Studien räumen dies ebenfalls ein.

 

Philippe Eigenmann, Genève
Uebersetzung:  Rudolf Schlaepfer, La Chaux-de-Fonds

Literatur:

  1. Kalliomäki M, Salminen S, Poussa T, Arvilommi H, Isolauri E. Probiotics and prevention of atopic diseases: 4-year follow-up of a randomized placebo-controlled trial. Lancet 2003;361:1869-71
  2. Kalliomäki M, Salminen S, Arvilommi H, Kero P, Koskinen P, Isolauri E. Probiotics in primary prevention of atopic disease: a randomised placebo-controlled trial. Lancet 2001;357:1076-79
  3. Niers LEM, Rijkers G, Knol EF, Meijer Y, Hoekstra MO. Probiotics for the prevention of atopic disease ? Lancet 2003;362:496
  4. Kalliomaki M, Isolauri E. Role of the intestinal flora on the development of allergy. Curr Opin Allergy Clin Immunol 2003;1:15-20

 

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Parution le 21 décembre 2003


Dernière mise à jour du site: 25.06.2008