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Autismus bei Kindern und der Gastrointestinal-Trakt
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Eingeschränkte oder fehlende soziale Interaktion, Kommunikation und Vorstellungsvermögen
charakterisieren autistische Syndrome bei Kindern (1).
In der letzten Dekade ist die Prävalenz und Inzidenz autistischer Erkrankungen
bei Kindern stark angestiegen, wobei ein Zusammenhang mit der oft diskutierten
Masern-Mumps-Röteln-Impfung wissenschaftlich nicht belegt wurde(2,3)
Die Ätiologie und Pathogenese dieser Erkrankung bleibt vorerst ungeklärt und
es gibt vorderhand keine Heilung.
Eigene Erfahrungen in einer speziellen
gastroenterologischen Sprechstunde für autistische
Kinder am Royal Free Hospital, London, UK zeigen, dass eine grosse
Zahl der Kinder mit Autismus unter gastrointestinalen Beschwerden leiden. Viele Eltern betroffener
Kinder werden dies bestätigen können. Auch in der Literatur wird dieser Zusammenhang
beschrieben:
- Melmed et al. hat bei 46% autistischer Kindern symptomatische gastrointestinale
Probleme nachgewiesen (10).
Ob die gastrointestinale Pathologie Teilursache oder eine mögliche Folge eines
autistischen Leidens bei Kindern ist, bleibt offen.
- Wakefield et al. haben als erste1998 die These aufgestellt, dass eine Assoziation
zwischen chronisch entzündlicher Darmerkrankung und Autismus bestehe(4).
Weitere Studien haben bei autistischen Kindern eine diskrete lymphozytäre
Kolitis beschrieben, wobei im Speziellen das Schleimhautepithel betroffen
erscheint(5). Eine Dysfunktion
des Darmepithels bei autistischen Kindern wird vermutet.
- Kürzlich konnten Murch et al. eine neuartige Form einer Enteropathie bei
autistischen Kindern nachweisen. Diese geht mit einer Vermehrung der mucosalen
Lymphozyten und einer Kryptzell Proliferationen mit epithelialer IgG-Ablagerung
einher. Diese Befunde lassen eine autoimmune Genese dieser Läsion vermuten(6,
7, 8).
- Eine epidemiologische Fall-Kontroll-Studie von Jick et al. hatte zum Ziel,
den Zeitpunkt des Auftretens gastrointestinaler Erkrankung zu eruieren. Im
Vergleich zu gesunden Kindern ergaben sich keine Hinweise, dass definierte
gastrointestinale Erkrankungen bei autistischen Kindern auftreten, bevor die
Diagnose „Autismus“ gestellt wurde(9).
Die Aussage dieser retrospektiven Studie wird relativiert, da die Studienmethode
(Datenbank) zu wenig sensitiv war, um die gastrointestinalen Probleme dieser
Kinder sicher zu erfassen. Zudem wurden nur Kinder untersucht, bei denen erst
zu einem späteren Zeitpunkt ein autistisches Leiden diagnostiziert wurde.
Kinder mit autistischem Leiden werden häufig zum pädiatrischen Gastroenterologen
und /oder Ernährungsberatung zur Durchführung einer Gluten-, bzw. Casein-freien
Diät zugewiesen. Die Basis zur Durchführung einer solchen Behandlung beruht
auf folgender Theorie: Abnorme Metaboliten dieser Nahrungsbestandteile, welche
im Urin autistischer Patienten gemessen werden können, weisen auf einen unvollständigen
oder ungenügenden Abbau im Darm hin. In einigen Studien, aber v.a. in anekdotischen
Beschreibungen wurde eine Verbesserung des autistischen Verhaltens unter o.g.
Diät beschrieben. Nach Wiedereinführen von Gluten und Casein Rückfall ins autistische
Verhaltensmuster (11, 12, 13).
In der gastroenterologischen
Sprechstunde am Universitätskinderspital Beider Basel (UKBB) wird eine solche
Diät nicht vorgeschlagen, da die vorliegenden Studien den Erfolg dieser
Behandlung nicht genügend dokumentieren. Besteht jedoch die Forderung nach
einer solchen Diät von Seiten der Eltern, erscheint es vernünftig, während
einer definierte Zeitperiode (z.B. 2 Monate) unter ärztlicher Aufsicht und
nach Durchführung einer Ernährungsberatung eine Gluten/ Casein-freie
Diät durchzuführen.
Unter Diät soll ein möglichst objektives
Protokoll geführt werden (GI-Symptome, Verhalten, Kommunikation etc.) und
stets an die Möglichkeit einer Mangelernährung gedacht werden (u.a.
Calcium).
Nach initialer
objektivierbarer Besserung gewisser Symptome (Konzentrationsfähigkeit, Verhalten)
wird aufgrund unserer Erfahrungen nach einigen Monaten der Ausgangszustand
wieder erreicht.
Weitere Forschungsarbeiten zu diesem
hochinteressanten und brisanten Thema werden hoffentlich dazu beitragen, weitere
Erkenntnisse über Ätiologie und Pathogenese dieser
Erkrankung zu gewinnen, welche in die Behandlung dieser Patienten einfliessen
können.
R. Furlano, Basel
Referenzen
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- Kaye JA, Melero-Montes M, Jick H. Mumps, measles and rubella vaccines and
the incidence of autism recorded by general practitioners. BMJ 2001;322:460-63
- Dales L, Hammer SJ, Smith NJ. Time trends in autism and MMR immunisation
coverage in California. JAMA 2001;285:1183-86
- Wakefield AJ, Murch SH, Anthony A, et al. Ileal-lymphoid-nodular hyperplasia,
non-specific colitis, and pervasive developmental disorder in children. Lancet
1998; 351:637-41
- Furlano RI, Anthony A, Day R, Brown A, McGarvey L, Thomson MA, Davies SE,
Berelowitz M, Forbes A, Wakefield AJ, Walker-Smith AJ, Murch SH. Colonic CD8
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J Pediatr. 2001;138(3):366-72
- Torrente F, Ashwood P, Day R, Machado N, Furlano RI, Anthony
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regressive autism. Mol Psychiatry, 2002;7(4):375-82, 334
- Ashwood P, Anthony A, Torrente F, Wakefield AJ, Murch SH. intestinal lymphocyte
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- Ashwood P, Walker-Smith JA, Murch SH, Wakefield AJ. Pro-inflammatory cytokine
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disorder (ASD) and a novel entero-colitis. Gastroenterol 2002;122:S617
- Black C, Kaye JA, Jick H. Relation of childhood gastrointestinal disorders
to autism: nested case-control study using data from the UK General Practice
Research Database. BMJ 2002;325:419-21
- Melmed RD, Schneider CK, Fabes RA, Philipps J, Reichelt K. Metabolic markers
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- Knivsberg AM, Reichelt KL, Hoien T, Nodland M. A randomised, controlled
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- Lucarelli S, Frediani T, Zingoni AM, Ferruzzi F, Giardini O, Quintieri
F, Barbato M, D’Eufemia P, Cardi E. Food allergy and infantile autism. Panminerva
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- Knivsberg AM, Reichelt KL, Nodland M. Reports on dietary intervention in
autistic disorders. Nutr Neurosci 2001; 4(1):25-37
Adresse des Autors :
Dr. med. Raoul I. Furlano
Leiter Pädiatrische Gastroenterologie
Universitätskinderspital Beider Basel (UKBB)
Römergasse 8
4005 Basel
raoul.furlano@unibas.ch
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Parution le 12 décembre 2002
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