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Heimbeatmung beim Kind
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Übermässige Atemarbeit
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Kongenitale Herzerkrankungen |
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Schwäche der Atemmuskulatur
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Störungen der Atemregulation
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Zur Heimbeatmung sollte prinzipiell die einfachste Methode gewählt werden, welche in der Lage ist dem Kind und seinen individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Wahl der Beatmungstechnik hängt ab von:
a) Grundkrankheit
b) Alter des Kindes
c) tägliche Dauer der Beatmung
d) Akzeptanz durch den Patienten
e) Lokale Erfahrung
f) Verfügbarkeit der Geräte
g) Kosten
Verschiedene Methoden gelangen heute bei der Heimbeatmung von Kindern zum Einsatz:
a) Invasive positive Druckbeatmung via Tracheostomie
b) Nicht-invasive positive Druckbeatmung via Maske
c) Negative Druckbeatmung ("eiserne Lunge")
d) Zwerchfellschrittmacher
a) Die positive Druckbeatmung
via Tracheostomie ist die traditionelle Methode der Langzeitbeatmung
bei Kindern. Die Tracheostomie garantiert den sichersten und zuverlässigsten
Zugang zu den Atemwegen. Leider ist die Tracheostomie aber mit einigen Nachteilen
(rezidivierende Infekte, verzögerte Sprachentwicklung, Schluckstörungen) verbunden
und verlangt insbesondere beim Säugling eine enge Überwachung sowie Schulung
der Eltern/Pflegepersonals in der Tracheotomiepflege und im Management von Tubuskomplikationen
(Obstruktion, Dislokation). Dank moderner, druckgesteuerter Beatmungsgeräte
kann eine konstante Ventilation auch beim Kind mit variablem Tubusleck erreicht
werden. Traditionelle BiPAP Geräte zur Behandlung des Schlafapnoe-Syndroms des
Erwachsenen sind ungeeignet und (noch) nicht konstruiert für eine invasive Beatmung
tracheotomierter Kinder.
b) Die nasale Maskenbeatmung ist eine elegante Technik für Kinder, welche weniger als 12-14 Stunden pro Tag beatmet werden müssen. Die besten Kandidaten für eine nasale Maskenbeatmung sind ältere Kinder mit stabilen oder langsam progredienten neuromuskulären Erkrankungen, chronischen Lungenerkrankungen, Skelettdeformitäten oder Hypoventilationssyndromen. Bei Säuglingen ist die Erfahrung mit nasaler Maskenbeatmung noch eher gering und nicht ganz ohne Gefahren (inadäquate Ventilation wegen Leckage oder während Infekten der oberen Luftwege) und Komplikationen (Deformation des Gesichtsschädels durch den Maskendruck).
c) Die negative Druckbeatmung hat bei der Heimbeatmung von Kindern in der Schweiz momentan keine Bedeutung.1
d) Der Zwerchfellschrittmacher ist eine elegante Methode für die intermittierende oder sogar dauernde Beatmung von Kindern, welche rund um die Uhr von einer Atemhilfe abhängig sind. Je nach Grundkrankheit und Alter ist wegen der Gefahr von Obstruktionen der oberen Luftwege oft zusätzlich eine Tracheostomie notwendig. Die Vorteile des Zwerchfellschrittmachers liegen primär in der erhöhten Mobilität der Kinder. Nachteile sind fehlende Alarmsysteme sowie die chirurgische Implantation.
Klinische Kriterien, welche vor Beginn einer Heimbeatmung erfüllt sein sollten, umfassen:
a) einen stabilen Gesundheitszustand
b) maximale Behandlung der Grunderkrankung
c) stabile Beatmungsparameter
d) psychologische und psychosoziale Stabilität von Kind und Familie
e) adäquate Unterstützung in der Heimbetreuung.
Aufgrund der geringen Zahl heimbeatmeter Kinder in der Schweiz sollte diese nur von wenigen erfahrenen Zentren initiiert und überwacht werden. Eine erfolgreiche Heimbeatmung hängt von vielen praktischen Aspekten ab und erfordert eine intensive, multidisziplinäre Zusammenarbeit weit über den rein medizinischen Bereich hinaus. Grundvoraussetzung ist die medizinische, psychologische und psychosoziale Stabilität des Patienten und seiner Familie. [2] Eltern und das Heimbetreuungsteam müssen in der individuellen Pflege des Patienten, im Umgang mit den technischen Apparaten und in der Beherrschung von Notfallsituationen noch während des Spitalaufenthaltes geschult werden. Das Ausmass der notwendigen pflegerischen, sozialen und medizinischen Unterstützung zu Hause sollte vor der endgültigen Entlassung zusammen mit den Eltern, dem Sozialdienst, dem Pflegedienst und den zuständigen Hausärzten evaluiert und organisiert werden. Damit kann das Risiko eines Kollaps des Heimbetreuungssystems durch Überlastung sicherlich reduziert werden.
Eine kürzliche Umfrage in der Schweiz ergab, dass 66% aller Familien mit einem heimbeatmeten Kind Pflegeunterstützung in Anspruch nehmen.1 Von den tracheotomierten, beatmeten Kinder beanspruchten fast 100% der Familien spitalexterne, pflegerische Hilfeleistung.
Kurze Hospitalisationen sind in gewissen Abständen notwendig, um die Beatmung an die Veränderung des respiratorischen Systems durch Wachstum und Krankheit anzupassen. Es empfiehlt sich Kinder mit Langzeittracheotomien in 1-2 jährigen Abständen bronchoskopisch zu evaluieren, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen oder zu vermeiden. Solche Hospitalisationen erleichtern ebenfalls die multidisziplinäre Zusammenarbeit sämtlicher in die Pflege involvierter Spezialisten. Dazu gehört auch eine regelmässige Evaluation des Ernährungszustandes und der psychomotorischen Entwicklung. Gelegentlich müssen Familien auch für gewisse Zeit von der Last der Heimbetreuung eines chronisch-kranken Kindes befreit werden, um Ferien oder andere Aktivitäten zu ermöglichen. Zentren, welche sich um heimbeatmete Kinder kümmern, sollten die Möglichkeit haben solche "Ferienhospitalisationen" zu gewährleisten und eventuell zusammen mit Nachsorge-Untersuchungen zu koordinieren.
Mit den heutigen technischen und sozialen Möglichkeiten können Kinder mit chronischer respiratorischer Insuffizienz in der Regel zu Hause betreut werden. Eine enge Zusammenarbeit des Zentrumsspitals mit den Hausärzten und Heimpflegeteams ist notwendig, da diese die lokalen und häuslichen Probleme in der Regel viel besser einschätzen können. Dadurch lassen sich, nach Erfahrung dieses Autors, solche Kinder selbst in abgelegenen Gebieten der Schweiz adäquat betreuen. Ein grosses Problem ist die psychosoziale Belastung der Familie durch die Einschränkung des sozialen Lebens und den Verlust der häuslichen Privatsphäre bei intensiver Heimbetreuung. Die Unterstützung dieser Familien könnte durch Gründung einer engagierten Patientenorganisation vermutlich noch etwas verbessert werden. Die Heimbetreuung von Kindern mit chronischer Ateminsuffizienz ist sicherlich die beste Option für die Lebensqualität, die Rehabilitation und die Integration in unserer Gesellschaft.
J. Hammer
Basel
PD Dr. med. Jürg Hammer
Abteilung für Intensivmedizin und Pneumologie, Universitäts-Kinderspital beider
Basel
Römergasse 8, 4005 Basel
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