In der Schweiz übliche Milchfertignahrungen für Säuglinge


Im Anhang III der Empfehlungen für die Säuglingsernährung 1998 wurden die in der Schweiz üblichen Milchfertignahrungen letztmals publiziert (Schweiz Ärzte-Zeitung 1998;79, 1143-1153- http://www.swiss-paediatrics.org/main/guidelines/alim-de.pdf ). Eine Neufassung dieser Empfehlungen sollte in Betracht gezogen werden. Durch die Bestimmung der WHA (World Health Assembly), das Stillen von bisher 4-6 Monaten neu bis 6 Monate zu empfehlen und die Einführung von Beikost (für gestillte Kinder) ab 7. Monat, bestehen zurzeit noch viele Unsicherheiten, und die verschiedenen Gremien versuchen nun diese neuen Regelungen umzusetzen und in ihre Bestimmungen einzubauen. Deswegen ist eine Neufassung unserer Empfehlungen für die Säuglingsernährung im Moment verfrüht. Wir möchten aber im Folgenden den Anhang III, d.h. die in der Schweiz üblichen Milchprodukte dem heutigen Stand anpassen und bekanntgeben. Dazu vorgängig ein kurzer Kommentar.


A. Kommentar


1. Rechtliche Regelungen:

In der Schweiz gelten Säuglingsanfangs- und Folgenahrung sowie auch sonstige Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder nach Art. 165 (Kap.17 der Lebensmittelverordnung (LmV)) als Lebensmittel, die für eine besondere Ernährung bestimmt sind ("Speziallebensmittel").

Art. 182 regelt Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen, wobei spezielle Kriterien der EU-Richtlinie über Säuglingsanfangsnahrung und Folgenahrung hinsichtlich Zusammensetzung und zulässiger Werbebehauptungen erfüllt sein müssen. Eine Ausnahme machen die Sojanahrungen, weil in der Schweiz auch Sojaproteine neben Sojaproteinisolaten zugelassen sind.


2. Namengebung:

In der Schweiz ist die Namengebung der Säuglingsmilchnahrungen leider nicht so einheitlich wie in den Nachbarländern. Die Bezeichnung "Pre" für Anfangsnahrungen, die ausschliesslich Laktose enthalten, wird einzig von Milupa verwendet, andere Hersteller bezeichnen solche Nahrungen als "1- oder Start-Milch, weil sie die Bezeichnung "Pre" für Frühgeborenenmilch vorsehen. Die Bezeichnung "2", die üblicherweise für Folgemilchen verwendet wird, ist von Wander und Galactina schon bei Anfangsmilchen eingesetzt. Bei den Folgemilchen hat sich eine Schweizer Tradition erhalten, nämlich Nahrungen mit Zusätzen von Früchten und Gemüsen, die im Ausland nicht üblich sind. Diese dürfen andere Folgemilchen erst nach 4 Monaten eingesetzt werden, zu einem Zeitpunkt also, zu dem nach heutigen Empfehlungen Gemüse und Früchte als Beikost eingesetzt werden können.


3. Codex und Codexpanel:

1982 haben die Hersteller von Säuglingsmilchprodukten zusammen mit dem BAG, der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und der Verbindung der Schweizer Aerztinnen und Aerzte (FMH) entsprechend dem Internationalen Codex für die Vermarktung von Muttermilch-Ersatzpräparaten der WHO (1981) einen Schweizerischen Verhaltenscodex erstellt. 1994 erschien der Codex in einer revidierten Fassung. Nach diesem Codex müssen z.B. Verpackungen und Etiketten auf die vorrangige Bedeutung des Stillens hinweisen oder die Firmen dürfen nicht unaufgefordert Muster von Säuglingsanfangsnahrung an schwangere oder stillende Mütter abgeben.

Seit 1995 besteht ein Codexpanel, der die Einhaltung des Codex laufend kontrolliert. Er ist zusammengesetzt aus Vertretern der Hersteller von Säuglingsmilchen und Organisationen der Stillförderung, insbesondere der neuen Schweiz. Stiftung zur Förderung des Stillens. Dem Codex haben sich alle Hersteller von Säuglingsmilchen mit einer Ausnahme angeschlossen. Es sind dies heute: Milupa SA, Nestlé Suisse SA, Novartis Consumer Health für die Marken Wander und Galactina, Hochdorf Nutritec AG, Swiss Dairy Food, Holle Baby Food GmbH und Vivosan AG (Hipp).

Die Ernährungskommission der SGP hat beschlossen in der unten präsentierten Zusammenstellung (wie schon früher im Anhang III der Empfehlungen von 1998) nur diejenigen Firmen zu berücksichtigen, die den Codex unterschrieben haben und deren Produkte der LmV und den Ernährungsempfehlungen der SGP entsprechen

Ernährungskommission der SGP

K. Baerlocher, St. Gallen

 

 

B. In der Schweiz übliche Säuglingsnahrungen (Stand Januar 2002)


1. Säuglingsanfangsnahrungen


1.1. Säuglingsmilchnahrungen

1.1.1.    Produkte mit Laktose als einzigem Kohlehydrat (früher "adaptierte" MilchTyp A)

- Adapta 1 (Wander)
- Aptamil Pre (Milupa)
- BEBA Start (Nestlé)
- Humana 1 Bio (Galactina)
- Holle 1 Bio (holle baby food)

1.1.2. Produkte mit Stärke und ggf. weiteren Kohlehydraten zusätzlich zu Laktose (früher "teiladaptierte" Nahrungen, Typ B-Nahrungen)

- Adapta 2 (Wander)
- Aptamil 1 (Milupa)
- BEBA 1 (Nestlé)
- Hipp 1 Bio (Hipp)
- Humana 2 Bio (Galactina)
- Milumil 1 Bio (Milupa)

1.2. Sojanahrungen

- Mamina Bio  (Galactina)
- SOM (Milupa)

1.3. Proteinhydrolysate (partiell hydrolysierte HA-Nahrungen)

- Adapta HA 1 (Wander)
- Aptamil HA Pre (Milupa)
- Aptamil HA 1 (Milupa)
- BEBA Start HA (Nestlé)
- BEBA 1 HA  (Nestlé)
- Hipp HA 1  (Hipp)
- Humana HA 1 (Galactina)
- Milumil HA 1 (Milupa)

2. Folgenahrungen


2.1. Folgemilch gemäss EU-Empfehlungen

- Adapta 3 (Wander)
- Aptamil 2 (Milupa)
- Aptamil 3 (Milupa)
- BEBA 2 (Nestlé)
- BEBA 2 Plus (Nestlé)
- BEBA 2 Bifidus (Nestlé)
- Hipp 2 Bio (Hipp)
- Holle 2 Bio (Holle baby food)
- Humana 3 Bio (Galactina)
- Milumil 2 Bio (Milupa)
- Milumil 3 Bio (Milupa)

2.2. Folgemilch mit Früchte- und Gemüsezusatz

- Adapta Frutiva (Wander)
- Adapta Veguva  (Wander)
- Vegumine  (Wander)
- Leguma (Milupa)

2.3. Sojanahrungen

- Mamina Junior Bio (Galactina)

2.4. Proteinhydrolysate (partiell hydrolysierte HA 2 Nahrungen)

- Adapta HA 2 (Wander)
- Aptamil HA 2 (Milupa)
- BEBA 2 HA  (Nestlé)
- Hipp HA 2 (Hipp)
- Humana HA 2 (Galactina)
- Milumil HA 2 (Milupa)

2.5. "Junior- Milchen" (für Kinder ab 10. Monaten und für 2. Lebensjahr)

- Junior Milk Croissance (Nestlé)
- Junior Milk Bifidus (Nestlé)
- Milu-Milk (Milupa)

3. Therapeutische Nahrungen


3.1. Semielementardiäten (extensiv hydrolysierte Milchen)

- Alfaré (Nestlé)
- Damira  (Wander)
- Pregomin  (Milupa)

3.2. Elementardiäten (nicht frei im Handel)

- Neocate (Scientific Hospital Supplies (SHS))
- Pregomin AS (Milupa)

3.3. andere ( gegen Durchfall, Erbrechen, Verdauungsstörungen)

- Adapta Digest (Wander)
- al 110 (Nestlé)
- BEBA Special (mit Bifidus) (Nestlé)
- Conformil 1 und 2 (Milupa)
- Milupa AR1 und AR2 (Milupa)
- HN 25  (Milupa)

3.4. Spezialnahrungen für Frühgeborene

- BEBA alprem (Nestlé)
- Pre Adapta HA (Wander)
- Prematil mit LCP Milupan (Milupa)
- Prematil HA mit LCP Milupan  (Milupa)

4. Zusatzpräparate


4.1. Dextrin-Maltose Schoppenzusätze

- MD-K (Milupa)
- Maltodextrin (SHS)
- Nidex (Nestlé)

4.2. Schoppenzusätze

        nach 4 Monaten :

- 5 Korn-Schoppen
(nature, mit Früchten, mit Gemüse)
(Galactina)
- 7-Cerealien Vollkorn Bio (Milupa)

        nach 5 Monaten :

- Adapta Ovomaltine (Wander)

        nach 6 Monaten :

- Céralino Vollkorngetränk 

 
          mit Ovomaltine (Wander)
          mit Bananen und Kakao (Wander)
- Lactoplus Malt (Nestlé)
- Lactoplus (Honig)  (Nestlé)

        nach 7 Monaten :

- Milu Drink Früchte (Milupa)
- Milu Drink Kakao (Milupa)

        nach 8 Monaten :

- Lactoplus Chocomalt (Nestlé)

4.3. Glutenfreie Stärkepräparate als Schoppenzusatz (nach 4 Monaten)

- Baby Menu Reis (Nestlé)
- Céralino Reisflocken (Wander)
- Holle Reisschleim (Holle)
- Holle Hirsebrei  (Holle baby food)
- 3 Korn (Milupa)

5. Mineralwasser zur Herstellung von Säuglingsnahrung


Die Qualität der für Säuglingsnahrungen zu verwendenden Mineralwasser richtet sich nach dem Gehalt an Salzen (Natrium, Calcium, Sulfate, Nitrate) und Fluor.

Eine Zusammenstellung der in Frage kommenden Mineralwasser erschien in Paediatrica Vol. 12, Nr. 5, 2001, Seite 44 und 45 (http://www.swiss-paediatrics.org/paediatrica/vol12/n5/eaumin-ge.htm).


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Dernière mise à jour du site: 25.06.2008