Editorial Vol.1 Nr. 13 (Februar 2002)

TARMED pdf

Nun ist es also soweit: TarMed (Version 1.1) wurde an der letzten Ärztekammersitzung im Dezember 2001 mit grosser Mehrheit als neue Tarifstruktur angenommen. Gleichzeitig wurde beschlossen, dazu die Urabstimmung ohne weiteren Zeitverzug einzuleiten. Wenn Sie die vorliegende Nummer der Paediatrica lesen, werden Sie bereits viele andere Informationen (offizielle von Seiten der FMH, sicher aber auch inoffizielle aus der „Gerüchteküche“!) erhalten haben.

Wenn sich ein Projekt über mehr als 10 Jahre hinzieht, so entsteht im Rahmen dieser Entwicklung eine Vielzahl verschiedener Vorstellungen. Wir PädiaterInnen stiegen in die Diskussion um eine neue Tarifstruktur mit hohen Erwartungen ein, war doch einer der Grundgedanken des damaligen GRAT-Projekts das Herunterfahren der Einkommensdisparitäten. Im Rahmen einer transparenten Tarifstruktur brauchten wir die angestrebte bessere Abbildung vergleichbarer Leistungen bei gleichwertiger Weiterbildung nicht zu scheuen. Wir konnten mit Fug und Recht eine Verbesserung unserer Position erwarten.

Was nun in der Version 1.1 vorliegt, entspricht sicher nicht in allen Teilen den ursprünglichen Erwartungen. In der klassisch schweizerischen Landschaft mit den typischen regionalen Unterschieden wird das Resultat entsprechend nuanciert wahrgenommen. Wir haben uns deshalb entschieden, im Rahmen der transparenten Information die Erläuterungen zu TarMed auf deutsch und französisch in leicht verschiedenen Versionen zu publizieren. Nehmen Sie sich also die Zeit um beide Texte zu lesen.

Einer der Vorteile der neuen Tarifstruktur und deren Umsetzung liegt darin, dass wir als Ärztinnen Partner in einem fortlaufenden Verhandlungsprozess bleiben. Dies ist gerade für die SGP wichtig, sehen wir doch, dass wesentlich Punkte, die wir im Rahmen des Reengineerings eingegeben haben, noch nicht schwarz auf weiss umgesetzt sind. Wenn wir Ihnen die Annahme von TarMed dennoch empfehlen, so nicht um Sie die Katze im Sack kaufen zu lassen, sondern weil wir davon ausgehen können, dass Korrekturen auch in Zukunft möglich sein werden.

Es darf nicht vergessen werden, dass in einem Verhandlungsprozess, an dem vier ganz unterschiedliche Parteien mit weit auseinander liegenden Meinungen nach Einigungen suchen mussten, nicht all unsere Ideen 1:1 umgesetzt werden konnten. Immerhin haben wir erfahren können, dass unsere Anliegen ernst genommen und zu einem wesentlichen Teil nach unseren Vorstellungen aufgenommen wurden. Als jüngstes Beispiel dafür möge die Berücksichtigung unserer gut dokumentierten Forderung nach einem Infrastrukturkostenzuschlag für kleine Kinder, die wir im Rahmen des RE I eingebracht haben, dienen.

Wir wissen, dass die Version 1.1. noch immer Positionen enthält, welche unbefriedigend formuliert sind und für die praktische Anwendung nicht so belassen werden können. Die bessere Ausformulierung ist auch Gegenstand unserer Anträge zum Reengineering (RE II). Ob und wie weit sie berücksichtigt werden, kann nicht versprochen werden, da sie den Verhandlungen unterliegen. Solange noch ein Verhandlungsspielraum besteht, werden wir uns mit allen Kräften für eine bessere Lösung einsetzen.

Es kann durchaus sein, dass nach dem Schreiben dieses Editorials neue, evtl. sogar konkretere Angaben über noch offene Fragen erscheinen. Wir gehen deshalb davon aus, dass wir Sie in einem zusätzlichen Aussand in der zweiten Hälfte Februar nochmals aufdatieren werden. Wir hoffen, dass Sie Ihren Entscheid in der Urabstimmung dann wirklich fundiert abgeben können.

Eines wissen wir schon heute. Mit der Annahme von TarMed gravieren wir nicht einen Tarif für Jahrzehnte in härtesten Granit ein, sondern wir sagen ja zu einem Instrument, dass uns in Zukunft Anpassungen an neue Entwicklungen ermöglicht.  Auch deshalb sehen wir als PädiaterInnen in der vorliegenden Tarifstruktur wesentliche Vorteile. Wir empfehlen Ihnen deshalb, sich in der Urabstimmung für die neue Tarifstruktur auszusprechen.

U. Bühlmann, Zürich
Präsident


Dernière mise à jour du site: 08.05.2008