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Frage :

Anlässlich der Vorbereitung der schriftlichen Facharztprüfung Pädiatrie und auch anlässlich einiger Gespräche mit praktizierenden Kinderärzten habe ich festgestellt, dass das Thema Diagnose und perorale Behandlung der Eisenmangelanämie heutzutage kontrovers ist.

1.   Die Anamnese spielt selbstverständlich in der Diagnose der Eisenmangelanämie eine wesentliche Rolle. Welches ist der beste biochemische Marker der Eisenreserven ?. Hämatologen behaupten, Ferritin sei das Beste. Andere empfehlen jedoch die Bestimmung von Eisen und Eisenbindungskapazität (=Transferrin).

2.   Wahl der Präparate : Fe++ oder Fe+++ ? Lange haben wir die Eisenmangelanämie ausschliesslich mit Fe++  -Präparaten (Beiospiel: Aktiferrin Ò oder Resoferon Ò ) behandelt. Dies in der Annahme, dass Fe+++  -Präparate vom Darm nicht aufgenommen werden. Neuerdings empfehlen viele Ärzte die Behnadlung mit Fe+++ -Präparaten (Beispiel : Maltofer Ò ). Die Konfusion ist so gross, dass ich letztes Jahr gezwungen war, einige Fragen der schriftlichen Prüfung zu eliminieren.

M.G. Bianchetti, Bern


Antwort :


1.
Die Eisenmangelanämie ist eine hypochrome, mikrozytäre Anämie als Folge einer längerdauernden negativen Eisenbilanz. Mit der Entwicklung des Eisenmangels treten in verschiedenen Phasen charakteristische Veränderungen von Laborparametern auf:

a) Ferritin: Das zirkulierende (messbare) Ferritin steht im Gleichgewicht mit dem Ferritingehalt im Gewebe und spiegelt somit den Eisengehalt des Organismus wider. Als erstes messbares Zeichen eines Eisenmangels findet sich eine Verminderung des Ferritins, die anderen Marker sind zu diesem Zeitpunkt noch normal. Zu beachten ist jedoch, dass Ferritin als Akutphasenprotein im Rahmen von entzündlichen, infektiösen und neoplastischen Erkrankungen erhöht sein kann.

b) Eisen und Transferrin: Bei Fortbestehen einer negativen Eisenbilanz findet sich in der Folge ein erniedrigtes Serum-Eisen, einhergehend mit einer Erhöhung der totalen Eisenbindungskapazität (Transferrin).

c) Anämie: Letztlich tritt eine mikrozytäre Anämie auf, im Verlauf mit Hypochromie.


2.
In Nahrungsmitteln liegt Eisen in seiner 3wertigen (Fe+++) und 2wertigen Form (Fe++) sowie gebunden (Hämoglobin, Myoglobin) vor. Die Löslichkeit und Resorption von Fe++ ist besser im Vergleich zur 3wertigen Form; am besten resorbiert wird jedoch das gebundene Eisen. Eine Reduktase im Bereich der Duodenalschleimhaut (Bürstensaum) reduziert Fe+++ zu Fe++. Die Bioverfügbarkeit von Eisen ist bei saurem pH besser, ebenso führt das Vorhandensein von Vitamin C (Reduktion von Fe+++ zu Fe++) und von Aminosäuren sowie organischen Säuren wie Laktat und Pyruvat (Chelatbildung) zu einer gesteigerten Resorption. Die Löslichkeit und Resorption werden dagegen durch alkalische pH-Werte sowie Oxalat und Phytate vermindert.

Mit Ausnahme von Maltofer® (Fe+++) enthalten die in der Schweiz verfügbaren oralen Eisenpräparate die 2wertige Form. Dabei liegt das Eisen zumeist als Salz (Sulfat, Fumarat, Gluconat, Chlorid) vor; teilweise zusammen mit Substanzen zur Verbesserung der Resorption (vor allem Ascorbinsäure).

Klassischerweise werden die besser resorbierbaren Eisen-Sulfate (Fe++) zur Therapie der Eisenmangelanämie bevorzugt. Für Säuglinge  steht derzeit ein einziges derartiges Präparat in Tropfenform (Aktiferrin®) zur Verfügung. Aufgrund der Anzahl zu verabreichender Tropfen ist Aktiferrin® jedoch für grössere Kinder wenig geeignet, weshalb bei diesen oft anderweitige Produkte eingesetzt werden: Ferrascorbin®-Tropfen (Fe++-Chlorid, Ascorbinsäure) oder Maltofer®-Tropfen beziehungsweise -Sirup (Fe+++-Hydroxid, Polymaltose). Im Vergleich zu Fe++-Salzen, wird der Komplex Fe+++-Polymaltose gemäss einiger Autoren gleich gut resorbiert, dagegen im Gastrointestinaltrakt besser toleriert. Der Anstieg der Hämoglobin-Konzentration ist jedoch langsamer, so dass diese Autoren folgern: „Fe++-Salze bleiben die Therapie der Wohl, trotz häufigerem Auftreten gastrointestinaler Nebenwirkungen. Bei Patienten, die nicht einer raschen Substitution bedürfen oder die zum Auftreten gastrointestinaler Nebenwirkungen neigen, kann die Verabreichung von Fe+++-Polymaltose zur Verbesserung der Compliance angebracht sein. Die Diskussion bleibt jedoch offen! Für kleine Kinder kann auch die Verabreichung von Loesfer®-Brausetabletten (Fe++-Gluconat, Ascorbinsäure) in Betracht gezogen werden. Beim Verschreiben dieser Medikamente ist zu beachten, dass flüssige Eisen-Präparate zu einer Verfärbung der Zähne führen können. Durch Verabreichung möglichst weit hinten im Mund, kann dies Vermieden werden. Für grosse Kinder stehen schliesslich eine Vielzahl von Präparaten mit Fe++-Sulfat in Form von Tabletten oder Dragées zur Verfügung: Ferro-Gradumet®, Ferro sanol® duodenal, Kendural®, Resoferon®, Tardyferon®.

Nicht nur die galenische Form, sondern auch der Verabreichungsmodus ist für die Resorption von Eisen von Bedeutung! Im nüchternen Zustand ist die Resorption besser, die Toleranz (vor allem der flüssigen Präparate) ist dagegen eingeschränkt. Primär ist jedoch die Verabreichung vor den Mahlzeiten anzustreben. Bei Beschwerden soll versucht werden die Dosen aufzuteilen; allenfalls muss sogar eine Reduktion erfolgen. In solchen Fällen ist auch die Einnahme zu den Mahlzeiten –jedoch unter Vermeiden der gleichzeitigen Einnahme von Milch- zu empfehlen. Die Wirkung der Therapie (3-5 mg Eisen / kg / Tag) soll anhand der „Retikulozytenkrise„ (nach 7-10 Behandlungstagen) oder des Hb-Anstieges (>10 g / l nach einem Monat) überprüft werden. Zur Wiederherstellung der Eisenreserven muss die Therapie während insgesamt 2-3 Monaten fortgesetzt werden. Bei fehlendem Ansprechen auf die Therapie muss die regelmässige Einnahme (Compliance) überprüft, das Vorliegen einer Malabsorption oder andauernder Verluste in Betracht gezogen und allenfalls die Diagnose reevaluiert werden.

Beim Versagen der peroralen Therapie kann letztlich die parenterale (bevorzugt intravenöse) Verabreichung angezeigt sein. Venofer® (Fe+++-Hydroxid-Saccharose ohne Dextran) zeigt dabei eine sehr gute Verträglichkeit.


H. Kuchler
, Sion

(Übersetzung : R. v. Vigier, Bern)


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Dernière mise à jour du site: 14.05.2009