Sonographische Ausbildungsmöglichkeiten für Assistenzärzte


Die Sonografie ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil der bildgebenden Diagnostik in der Pädiatrie. Gewisse Teilgebiete, wie die Hüftsonografie nach Graf oder die transfontanelläre Schädelsonografie beim Neugeborenen werden ausschliesslich an "pädiatrischen Patienten" angewandt. Wo aber kann der angehende Kinderarzt diese Techniken erlernen und Erfahrungen sammeln. Mit einer am Jahreswechsel 2000 / 2001 durchgeführten Umfrage wollten wir uns einen Überblick über die aktuellen Ausbildungsmöglichkeiten an den pädiatrischen Ausbildungkliniken in der Schweiz verschaffen.


Methode und Fragestellung

Angeschrieben wurden die Chefärzte aller für die Facharztausbildung anerkannten Ausbildungskliniken der Schweiz. In einem beigelegten Fragebogen wurde gefragt nach der Anzahl der an der Klinik beschäftigten Assistenz- und Oberärzte und nach den heute vorhandenen Ausbildungsangeboten in den Teilbereichen Hüftsonographie, Abdomensonographie und Schädelsonographie. Weiter interessierte uns die ungefähre Anzahl der durch diese Assistenten und Oberärzte jährlich  durchführbaren sonografischen Untersuchungen und wir fragten nach dem Vorhandensein eines erfahrenen Tutors sowie der Möglichkeit als Volontär bei Untersuchungen zu hospitieren.


Resultate

Es wurden 39 Spitäler ( mit insgesamt 193 Assistenten- und 100 Oberarzt – Stellen ) angeschrieben. 32 Antworten gingen ein, darunter 28 mit ausgefülltem Fragebogen.

Das ganze Spektrum der pädiatrischen Sonografie kann erlernt werden an der Universitäts – Kinderklinik (UKBB) Basel, am Räthischen Kantonsspital Chur und an der Universitätskinderklinik Zürich. Die beiden Universitätskliniken haben dazu eine Rotationsstelle auf ihren kinderradiologischen Abteilungen eingerichtet. Erfahrung in Teilgebieten ( zumeist Hüftsonografie ) kann erworben werden am Thurgauischen Kantonsspital in Münsterlingen, am Spital Siders-Leuk, am Regionalspital Sta. Maria in Visp, am Stadtspital Triemli in Zürich und ( nur für Oberärzte) an der Klinik für Neonatologie in Zürich ( siehe Zusammenstellung in Tab. 1 ).  Als "im Aufbau" angekündigt wurden weitere Ausbildungsstellen in Biel und Baden. Nach ihren eigenen Angaben bieten 23 Kliniken ihren Assistenten noch keine praktische Sonographie – Ausbildung an.


Diskussion

Die Sonografie hat in der täglichen pädiatrischen Arbeit einen ebenso grossen Stellenwert wie die Röntgendiagnostik und die übrigen bildgebenden Verfahren.

Die Ultraschalldiagnostik am Kind und besonders beim Kleinkind unterscheidet sich deutlich von derjenigen am Erwachsenen. Wir suchen bei Kindern andere Pathologien, sie zeigen andere anatomische Grössenverhältnisse und stellen andere Anforderungen an den Untersucher und an das verwendete Gerät. Die pädiatrische Sonografie kann daher nicht an Erwachsenen gelernt werden. Speziell pädiatrische Ausbildungskurse und, ganz besonders, ausreichende, an Kindern gewonnene praktische Erfahrung sind aus Gründen der Qualitätssicherung unabdingbar.

Unser Weiterbildungsprogramm sieht eine Sonografieausbildung für alle angehenden Kinderärzte ( im Gegensatz zu Deutschland ) nicht vor. Daher müssen zukünftig sonografierende Kinderärzte ihre Ausbildung mit dem Erwerb von Fertigkeitsausweisen zusätzlich nachweisen. Für den FA - Abdomensonografie

werden heute 400 selbstständig durchgeführte und vollständig dokumentierte sonografische Untersuchungen des ganzen Abdomens verlangt. Davon müssen wenigstens 200 unter direkter Ueberwachung eines anerkannten Tutors gemacht werden. Diese Anforderungen wurden in Analogie zu denjenigen für die Erwachsenensonografie aufgestellt und orientieren sich an den Vorgaben aus Deutschland und Österreich. Den Erwachsenen – Medizinern stehen innerhalb und ausserhalb von Kliniken zahlreiche sonografische Ausbildungs- und Hospitationsmöglichkeiten zur Verfügung. Angaben dazu sind unter www.sgum.ch zu finden.

Ernüchternd ist dagegen das Angebot für die angehenden Kinderärzte. Für alle in unserer Umfrage erfassten 193 Assistenten zusammen ergeben sich an unseren Kliniken pro Jahr im besten Fall nur gerade  600 - 700  Gelegenheiten, um eine Abdomensonografie am Kind selber durchführen zu können. Die für den Fertigkeitsausweis verlangte Anzahl Untersuchungen kann so sicher nicht erbracht werden. Für den zukünftigen Praxispädiater, der später im Gegensatz zum Kliniker nicht jederzeit auf einen kinderradiologischen Service zurückgreifen kann, ist eine gute Ausbildung in Ultraschalldiagnostik durchaus sinnvoll. Diese kann er sich heute während seiner Weiterbildung kaum und später in der Praxis, wenn überhaupt, nur noch mit sehr grossem Aufwand aneignen.

Die grosse Mehrheit der befragten Kliniken zeigt heute an dieser Ausbildung noch wenig bis kein Interesse.  Dass sie organisatorisch machbar ist, beweist das zum Teil seit vielen Jahren bestehende Angebot der obgenannten grossen und kleineren Spitäler. Bleibt zu hoffen, dass die für unsere Ausbildung verantwortlichen Chefärzte erkennen, wie wichtig eine Sonografie - Ausbildung besonders auch für die zukünftigen Praxispädiater ist. Diese Assistenten müssen unbedingt vermehrt an den zahlreichen, täglich durchgeführten, sonografischen Untersuchungen ihrer kleinen Patienten teilhaben können!


Andrea Imahorn, Wil

Chr. Baumgartner, Gossau

J. Honegger, Thun


Tabelle 1

Ungefähre Anzahl Untersuchungen / Jahr, die von Assistenten unter Ueberwachung eines Tutors durchgeführt werden können

(back)

 

Klinik

Abdomensonografie

Hüftsonografie

Schädelsonografie

Kinderklinik UKBB Basel

100 - 200

400 - 600

100

Universitäts - KKL Zürich

340

948

94

Triemlispital Zürich

keine

800

keine

Klinik Neonatologie Zürich

ja*

ja*

ja*   ( * nur für OA )

Kantonsspital Chur

150 - 200

800

120 - 150

Kantonsspital Münsterlingen

wenig

100 - 200

wenig

Spital Sta.Maria Visp

keine

160

keine

Spital Siders-Leuk

keine

65

keine


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