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SPSU - Jahresbericht 2000
Die Swiss Paediatric Surveillance Unit (SPSU) ist ein seit 1995 bestehendes nationales Erhebungssys-tem, das gemeinsam von der
Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und dem Bundesamt für Ge-sundheit betrieben wird. Es dient der Erfassung von
seltenen pädiatrischen Krankheitsbildern und selte-nen Komplikationen häufigerer Krankheiten bei hospitalisierten Kindern in der
Schweiz. Die SPSU ist ein einfaches und flexibles, aktives Meldesystem, das einen minimalen Aufwand erfordert und die
Möglich-keit bietet, bei epidemiologischen Notfällen schnell reagieren zu können [1]. Das Ziel der SPSU ist
es, die Forschung im Bereich seltener pädiatrischer Krankheiten zu erleichtern sowie epidemiologische Ab-klärungen im Bereiche
dieser Fragestellungen zu ermöglichen. Monatlich wird an alle pädiatrischen Ausbildungskliniken in der Schweiz eine Meldekarte gesandt. Auf dieser ist die Zahl der im letzten Monat diagnostizierten Fälle anzugeben. Die Karte ist auch dann zu-rückzusenden, wenn keine Erkrankungsfälle beobachtet wurden. Im Falle einer positiven Rückmeldung erfolgt durch die SPSU eine Mitteilung an den jeweiligen Studienleiter, welcher für die weiteren Abklä-rungen selbst verantwortlich ist. An dieser Stelle möchten wir allen Beteiligten für ihre wertvolle Mitarbeit bestens danken. Anträge für neue Studien sind an den Präsidenten des SPSU-Komitees, Prof. Dr. G. Schubiger, (Pädiat-rische Klinik, Kinderspital, 6000 Luzern 16) zu richten. Ein Beschrieb des Erfassungssystems und die Richtlinien für die Aufnahme von Studien können beim BAG, SPSU-Sekretariat (Bundesamt für Gesund-heit, Abteilung Epidemiologie und Infektionskrankheiten, 3003 Bern, Tel. 031 / 323 02 97 oder 031 / 323 87 06, Fax 031 / 323 87 95) bezogen werden.
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VKMB1 |
ASL2 |
Kong.R.3 |
HUS4 |
ARF5 |
FSME6 |
VZV7 |
Rücklauf Meldekarten % |
|
|
Januar |
1 |
3 |
100 |
|||||
|
Februar |
1 |
100 |
||||||
|
März |
100 |
|||||||
|
April |
2 |
14 |
100 |
|||||
|
Mai |
2 |
2 |
1 |
11 |
100 |
|||
|
Juni |
4 |
2 |
11 |
100 |
||||
|
Juli |
1 |
3 |
4 |
100 |
||||
|
August |
2 |
1 |
2 |
100 |
||||
|
September |
1 |
2 |
1 |
2 |
100 |
|||
|
Oktober |
1 |
1 |
2 |
6 |
100 |
|||
|
November |
1 |
4 |
100 |
|||||
|
Dezember |
1 |
2 |
4 |
100 |
||||
|
Total |
3 |
12 |
0 |
15 |
2 |
5 |
58 |
100 |
|
Deutsche CH |
2 |
12 |
0 |
13 |
1 |
5 |
44 |
100 |
|
Französ. CH |
1 |
0 |
0 |
1 |
1 |
0 |
13 |
100 |
|
Tessin |
0 |
0 |
0 |
1 |
0 |
0 |
1 |
100 |
Anzahl teilnehmende pädiatrische Ausbildungskliniken: 38 (40 Meldekarten verschickt)
1 Vitamin-K-Mangelblutung, 2 akute schlaffe Lähmung, 3 Kongenitale Röteln, 4 hämolytisch-urämisches Syndrom, 5 akutes rheumatisches Fieber, 6 Frühsommer-Meningoenzephalitis, 7 Varizellen-Zoster-Infektionen
SPSU 1995-2000, gemeldete Erkrankungsfälle und Klassierung
|
1995 |
1996 |
1997 |
1998 |
1999 |
2000 |
Total |
sichere Fälle |
mögliche Fälle |
keine Fälle |
fehlende Information |
|
|
Vit.-K-Mangel-blutungen |
4 |
4 |
4 |
4 |
5 |
3 |
24 |
20 |
3 |
1 |
— |
|
Kong. Toxo-plasmose |
10 |
8 |
12 |
5 |
35 |
17 |
4 |
10 |
4 |
||
|
Kong. Röteln |
2 |
1 |
0 |
0 |
1 |
0 |
4 |
2 |
1 |
— |
1 |
|
Akute schlaffe Lähmungen |
10 |
10 |
15 |
8 |
8 |
12 |
63 |
55 |
— |
2 |
6 |
|
Cyst. periventr. Leukomalazie |
15 |
33 |
48 |
||||||||
|
Hämolyt.-uräm. Syndrom |
211 |
18 |
24 |
15 |
78 |
78 |
— |
— |
— |
||
|
Akut. rheumat. Fieber |
22 |
2 |
1 |
1 |
|||||||
|
Frühsommer-Meningoenzeph. |
52 |
5 |
3 |
1 |
1 |
||||||
|
Varizellen-Zoster- Infektionen |
582 |
58 |
58 |
1 April – Dezember 1997
2 April-Dezember 2000
(G. Schubiger, Luzern, B. Laubscher, Neuchâtel)
Im Berichtsjahr wurden drei Kinder gemeldet, wobei ein Fall einer Frühblutung ohne durchgeführte Pro-phylaxe labormässig nicht gesichert ist. Dieses SPSU-Projekt wird nach 5 Jahren Laufzeit gestoppt und eine detaillierte Analyse aller gemeldeten Fälle vorgenommen.
Die Richtlinien aus dem Jahr 1994 [2] behalten vorläufig ihre Gültigkeit, müssen aber sicher im Jahr 2001 neu überdacht und umformuliert werden.
SPSU 2000: Meldungen von Vitamin-K- Mangelblutungen
|
Meldemonat |
Alter |
Vitamin-K-Prophylaxe |
gestillt |
Grundkrankheit |
Folgen |
|
Mai |
2/7 Tage |
Keine |
voll |
Keine Laborresultate |
|
|
Mai |
13 Wo |
2 Dosen, zweite i.v. |
voll |
Fam. Alagille-Syndrom u. Cholestase |
Hautblutungen |
|
Juli |
3 Wo |
1 Dosis |
voll |
keine |
Nabelblutung |
SPSU 1995-2000: Meldungen von Vitamin-K-Mangelblutungen
|
Meldejahr : |
1995 |
1996 |
1997 |
1998 |
1999 |
2000 |
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1 Assoziierte Hirngefässmissbildung,
2 Ein Kind erhielt noch die fettlöslichen KonakionÒ-Tropfen. Ab Mitte 1995 wurde bei > 95% der Kinder eine orale Prophylaxe am 1. und 4. Tag mit je 2 mg des neuen Mischmizellen-Präparates (Konakion-MMÒ) durchgeführt.
3 Im Zusammenhang mit Kawasaki-Syndrom und erhöhten Leberwerten (Synthesestörung?) aufgetreten.
4 Keine Prophylaxe durchgeführt, Vitamin-K-Mangel nicht labormässig nachgewiesen.
5 Ein Kind nur eine Dosis Vitamin K, ein Kind mit Cholestase und zweiter Dosis i.v.!
(HP. Zimmermann, Bern)
Im Jahr 2000 wurde kein Fall von kongenitalen Röteln gemeldet. Auch im Rahmen des obligatorischen Meldesystems erfolgten keine Meldungen von kongenitalen Röteln oder von Rötelnerkrankungen in der Schwangerschaft. Von 1995-2000 sind in der Schweiz insgesamt vier Fälle von kongenitalen Röteln aufgetreten, respektive gemeldet worden (zwei sichere 1995 und 1996), ein möglicher (1995) und ein fraglicher Fall (1999)). Zwei Frauen waren ausländischer Nationalität (Ex-Yugoslawien, Georgien), zwei Frauen waren geimpft (einmal anamnestische Angabe). Im Rahmen des obligatorischen Meldewesens wurde 1999 zudem eine laborbestätigte Rötelnerkrankung bei einer 40jährigen Frau in der vierten Schwangerschaftswoche gemeldet, welche eine Interruptio zur Folge hatte.
(C. Bourquin, Bern)
Die Überwachung der akuten schlaffen Lähmungen (ASL) hat zum Ziel, alle allenfalls auftretenden Poli-omyelitisfälle zu erfassen und Risikogebiete zu identifizieren. Die Qualität der Überwachung wird durch zwei Parameter bestimmt:
1) Die Rate der erfassten Fälle von ASL, welche nicht durch eine Poliomyelitis bedingt sind, ist ein Mass für die Sensitivität der Erfassung: sie sollte mindestens 1 / 100'000 Kinder unter 15 Jahren betragen.
2) Der Anteil der ASL-Fälle, welche durch adäquate Stuhluntersuchungen auf Polioviren abgeklärt werden sollte mindestens 80% betragen.
Die im Jahr 2000 gemeldeten Fälle und die ASL-Überwachung seit 1995 sind in den Tabellen 5 und 6 zusammengestellt.
SPSU 2000: Gemeldete Fälle von akuten schlaffen Lähmungen (ASL)
|
Alter (Jahre) |
Geschlecht |
Diagnose |
Untersuchung auf Polioviren |
Polioimpfung: Anzahl Dosen Jahr letzte Dosis |
|
|
1 |
4 |
w |
Plexusneuritis |
Stuhl (1 x neg) |
4/1996 |
|
2 |
11 |
w |
Guillain-Barré-Syndrom |
Stuhl (2 x neg) |
ja |
|
3 |
11 Mt |
w |
Guillain-Barré-Syndrom |
Nein |
3/1999 |
|
4 |
2 |
m |
Guillain-Barré-Syndrom |
Stuhl (1x neg) |
ja |
|
5 |
13 |
m |
Guillain-Barré-Syndrom |
Stuhl (2 x neg) |
ja |
|
6 |
7 |
m |
Guillain-Barré-Syndrom |
Stuhl (1x neg) |
ja |
|
7 |
7 |
w |
Guillain-Barré-Syndrom |
Stuhl (2 x neg) |
ja |
| 8 |
4
|
m
|
Guillain-Barré-Syndrom | Nein | ja |
| 9* |
4
|
m
|
Akute schlaffe Lähmung | Stuhl ( 2 x neg) | ja |
| 10 |
9
|
w
|
Hemisyndrom li mit Facialisparese | Nein | ja |
| 11 |
15
|
m
|
Neuroborreliose | Stuhl (2 x neg) | 5/1995 |
| 12 |
11
|
w
|
Guillain-Barré-Syndrom | Stuhl (2 x neg) | 5/1996 |
*Fall vom schweizerischen Referenzlabor für Poliomyelitis gemeldet (Resultate der Isolierung von Polioviren (Stuhluntersuchungen)
SPSU 1995-2000: Gemeldete Fälle von akuten schlaffen Lähmungen (ASL) bei Kindern <15 Jahren
|
Jahr |
Total ASL |
Total ASL "Non Polio"* |
Rate ASL total (pro 100‘000) |
Total ASL mit 2 Stuhlproben |
% der ASL-Fälle mit adäquater Stuhluntersuchung |
|
2000 |
12 |
12 |
1,0 |
6 |
50% |
|
1999 |
8 |
7 |
0,6 |
1 |
14% |
|
1998 |
8 |
7 |
0,6 |
0 |
0 % |
|
1997 |
14 |
13 |
1,1 |
1 |
7 % |
|
1996 |
10 |
8 |
0,9 |
0 |
0 % |
|
1995 |
10 |
8 |
0,9 |
0 |
0 % |
* Fehlende Information (ergänzender Fragebogen) für je einen Fall 1997/98/99 und je zwei Fällen 1995/96
Die Erfassung der Fälle von akuten schlaffen Lähmungen (ASL) sowie die virologischen Stuhluntersu-chungen sind im Vergleich zu
den Vorjahren besser geworden. Erst mit der Erfassung und adäquaten virologischen Abklärung einer ausreichend hohen Zahl von ASL
können wir belegen, dass unser Melde-wesen im Falle einer Polioerkrankung diese auch mit hoher Wahrscheinlichkeit erfassen
würde. Die Erfassung der ASL hat somit keinen diagnostischen Wert, sie ist lediglich der Qualitätsmassstab für un-ser
Polio-Meldewesen. Die Stuhluntersuchungen sind kostenlos und werden durch das BAG finanziert. Sie sind im Nationalen Referenzlabor
für Poliomyelitis in Basel (Prof. K. Bienz) durchzuführen.
Trotz der beobachteten Verbesserung der ASL-Überwachung ist das Komitee für den Nachweis der Po-lioeradikation aber immer noch nicht in der Lage, die Schweiz als poliofrei zu erklären. Die dazu notwen-digen Kriterien werden immer noch erst teilweise erfüllt. Wir sind daher auf die Mitarbeit aller Kliniken angewiesen, um die ASL-Überwachung weiter verbessern und eine ausreichende Qualität erreichen zu können.
(H. Schmid, Bern, C. Rudin, Basel, A.P. Burnens, Bern, M.G. Bianchetti, Bern)
Das Hämolytisch-urämisches Syndrom wurde im April 1997 in das Meldeprogramm der SPSU aufge-nommen, um die Inzidenz der Krankheit in der Schweiz zu ermitteln und bessere Kenntnis ihrer klini-schen und epidemiologischen Charakteristika zu gewinnen. Zu melden ist jedes Kind bis zum Alter von 16 Jahren, bei dem die klinisch-biochemische Diagnose eines hämolytisch-urämischen Syndroms vor-liegt.
Im vierten Meldejahr (1. April 2000 - 31. März 2001) sind acht Fälle gemeldet worden. Dies bedeutet gegenüber den drei vorgängigen Jahresperioden (24, 17 und 21 Fälle) einen deutlichen Rückgang.
Die bekannte Assoziation zwischen dem hämolytisch-urämischen Syndrom und Infektionen mit Veroto-xin-produzierenden E. coli
(VTEC) [3-6] konnte im bisherigen Verlauf dieser Studie bestätigt werden. Seit Einführung der neuen
Meldeverordnung am 1. März 1999 [7] besteht eine Meldepflicht der Laboratorien und Ärzte für Infektionen mit
diesen Erregern, die auch als Enterohämorrhagische E. coli (EHEC) be-zeichnet werden. Auch bei diesen Meldedaten zeigte sich eine
abnehmende Tendenz, mit 107 Fällen im Jahr 1999 und nur noch 48 im Jahr 2000.
Das Nationale Zentrum für enteropathogene Bakterien (NENT) erhielt im vierten Meldejahr von vier der acht Fälle Stuhlproben. Nur
in einer von ihnen konnte ein Stamm von Verotoxin-produzierenden E. coli (VTEC) isoliert werden.
Dem hämolytisch-urämischen Syndrom geht meistens eine Episode von Diarrhöe voran [3-5]. Im vierten Studienjahr traf dies für sieben der acht Fälle zu. Beim einzigen Fall ohne prodromale Diarrhöe waren respiratorische Symptome und Erbrechen als prodromale Symptome festgestellt worden. Die Charakte-ristika aller bisherigen 70 Fälle können der Tabelle 7 entnommen werden.
Die SPSU hat beschlossen, das hämolytisch-urämische Syndrom noch ein weiteres Jahr, d.h. bis zum 31. März 2002, im Meldeprogramm zu belassen.
SPSU 1997-2001: Charakteristika der von 1.4.1997 bis 31.3.2001 gemeldeten Fälle von hämolytisch-urämischem Syndrom
|
Meldeperiode |
Total |
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|
4/97 - 3/98 |
4/98 - 3/99 |
4/99 - 3/00 |
4/00 - 3/01 |
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|
Total |
24 |
17 |
21 |
8 |
70 |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Todesfälle |
0 |
2 |
1 |
0 |
3 |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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(D. Bolz, Basel)
Das akute rheumatische Fieber ist in den westlichen Ländern selten geworden. Die Verlaufsformen sind vermehrt nicht mehr typisch und die Diagnosestellung schwierig. Die Inzidenz in der Schweiz ist nicht bekannt. Ebenso gibt es keine epidemiologischen Daten über das Auftreten und die Verläufe von Fällen mit schwerer Endokarditis. Letztere ist entscheidend für die Langzeitprognose, sowohl bezüglich Morbi-dität als auch Mortalität. Zur Ermittlung der Inzidenz und der Manifestationstypen wurde die Erfassung des akuten rheumatischen Fiebers am 1. Juni 2000 ins Programm des SPSU aufgenommen. Zur Diag-nosestellung sollen die Kriterien nach Jones angewendet werden [8].
In den ersten 7 Monaten der Erfassung wurden 2 Fälle mit akutem rheumatischem Fieber gemeldet. Diese Häufigkeit entspricht in etwa den Erwartungen. Für eine epidemiologische Aussage ist die Erfas-sungszeit aber noch zu kurz.
Von den gemeldeten Patienten erfüllt der eine die diagnostischen Kriterien und auch der vorausgegan-gene Streptokokken-A-Infekt ist klinisch und labormässig gut dokumentiert. Als Residuum blieb eine leichte bis mittelschwere Mitralinsuffizienz. Eine Langzeitprophylaxe mit Erythromycin (Hautreaktion auf Penicillin) wurde begonnen. Beim zweiten Patienten ist die Diagnose unsicher: Es gibt keine eindeutigen Hinweise für einen vorausgegangenen Streptokokken-A-Infekt; die leichte Aorteninsuffizienz könnte ein residueller Befund bei St. n. ARF vor 5 Jahren im Ausland (Ex-Jugoslawien) sein und die Symptomatik könnte auch einer parainfektiösen Arthritis bei viralem Infekt entsprechen. Trotz fraglicher Diagnose ist in diesem Fall wegen der belasteten Anamnese eine antibiotische Langzeitprophylaxe indiziert.
(J. Stähelin, Hp. Gnehm, Aarau)
Die SPSU-Erfassung von Kindern mit FSME hat im Mai 2000 begonnen. Über die SPSU wurden bisher fünf FSME-Fälle gemeldet. Anhand des serologischen Verlaufs hat sich ein Fall davon nicht bestätigt. Der Fragebogen von einem weiteren Kind ist noch ausstehend. Das BAG hat zusätzlich noch sechs La-bormeldungen von hospitalisierten Kindern mit positiven FSME-Serologien erhalten, die nicht durch die SPSU erfasst wurden. Bei zwei dieser Meldungen wurden die Studien-Einschlusskriterien einer Menin-goenzephalitis erfüllt. Bei vier Patienten sind die Fragebögen noch ausstehend. Als Bilanz ergeben sich fünf gesicherte plus fünf noch nicht bestätigte FSME-Fälle. Bei noch zahlreich ausstehenden Fragebö-gen kann über den akuten Verlauf noch keine Auswertung gemacht werden. Aussagen über den mittel-fristigen klinischen Verlauf (6 Monate nach Erkrankung) sind erst im Verlauf des Jahres 2001 möglich. Da die FSME über das Labor meldepflichtig ist, kann die Vollständigkeit der SPSU-Erfassung überprüft werden. Zur Zeit sind nur zwei gesicherte FSME-Fälle durch die SPSU nicht erfasst worden. Einer dieser Patienten wurde nicht erfasst, weil er auf einer medizinischen Abteilung für Erwachsene hospitalisiert wurde. Der andere Fall ist nicht näher erklärt.
(U. Heininger, Basel, C. Aebi, Bern, D. Nadal, Zürich, U.B. Schaad, Basel, Studienkoordinatoren: G. Bär, J. Bonhoeffer, Basel)
Seit April des Jahres 2000 wurden Fälle von Hospitalisationen bei Varicella-Zoster-Virus (VZV)-Infektionen in das Meldesystem der SPSU neu aufgenommen, um die Art und Häufigkeit von Komplikati-onen der VZV-Infektion bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz zu erfassen. Der geplante Erfas-sungszeitraum beträgt zunächst zwei Jahre. Zu melden sind alle Kinder bis zum 16. Lebensjahr, bei denen die Diagnose "Varizellen" oder "Zoster" binnen 14 Tagen vor oder während des stationären Auf-enthaltes gestellt wurde.
Während der Meldeperiode von April 2000 bis Dezember 2000 wurden 58 hospitalisierte VZV-Infektionen gemeldet (Tabelle
8), davon 53 Fälle (91%) mit primärer VZV-Infektion und fünf Fälle (9%) mit endogenem Rezidiv (Zoster). Die Zahl der
monatlich gemeldeten Fälle zeigt eine erhebliche Variabilität (2-14 Fälle). In 74% der Fälle war die VZV-assoziierte
Symptomatik bzw. Komplikation der eigentliche Hospitalisationsgrund. Bei 26% trat die VZV-Erkrankung dagegen zufällig
koinzidierend mit einem anderen Hospitalisationsgrund auf, zum Teil überraschend während des stationären Aufenthaltes. Bei 17
Patienten (29%) lag eine chronische Grunderkrankung vor. Der Grossteil der Kinder war zum Zeitpunkt der Hospitalisation 0-5 Jahre
alt, 21% der gemeldeten Kinder waren Säuglinge. Bislang wurden keine Todesfälle im Zusammenhang mit VZV-Infektion bekannt, wohl
aber einige zum Teil schwerwiegende Komplikationen durch assoziierte bakterielle Infektionen. Die Rücklaufquote der sechs Monate
nach Hospitalisation verschickten Nachfragebögen liegt zurzeit bei etwa 90%.
SPSU 2000: Meldungen von hospitalisierten VZV-Infektionen
|
Meldemonat |
Anzahl |
VZV primär |
Zoster |
primär gesund |
chronische Grunderkr. |
Hospitalisationsgrund |
|
|
Varizellen-Zoster-Symptomatik |
anderer |
||||||
|
April |
14 |
14 |
0 |
9 |
5 |
9 |
5 |
|
Mai |
11 |
10 |
1 |
8 |
3 |
11 |
0 |
|
Juni |
11 |
10 |
1 |
9 |
2 |
6 |
5 |
|
Juli |
4 |
4 |
0 |
3 |
1 |
2 |
2 |
|
August |
2 |
2 |
0 |
1 |
1 |
2 |
0 |
|
September |
2 |
2 |
0 |
2 |
0 |
2 |
0 |
|
Oktober |
6 |
5 |
1 |
3 |
3 |
4 |
2 |
|
November |
4 |
3 |
1 |
3 |
1 |
4 |
0 |
|
Dezember |
4 |
3 |
1 |
3 |
1 |
3 |
1 |
|
Total |
58 |
53 |
5 |
41 |
17 |
43 |
15 |
Bundesamt für Gesundheit
Abteilung Epidemiologie und Infektionskrankheiten
SPSU-Komitee
|