Frage an den Spezialisten : Wie behandelt man Kopfläuse?


Trotz den Bemühungen der Schulkrankenschwester und der Unterstützung von Eltern und Lehrpersonen sind einige Schulen von Kopfläusen befallen und es ist trotz der Applikation verschiedener Behandlungen (Malathion, Permethrin) unmöglich, die Läuse loszuwerden. Soweit ich informiert bin, existiert dieses Problem auch anderswo in der Romandie. Wie steht es damit in der übrigen Schweiz?

Ist das Therapieversagen auf die Epidemiologie von Pediculus capitis zurückzuführen, auf eine schlechte Anwendung der auf dem Markt erhältlichen Produkte oder auf eine Resistenz der Läuse gegenüber den Medikamenten?

Wie kann man die Empfindlichkeit einer Laus auf das eine oder andere Medikament testen?

In den Apotheken schliesslich werden zahlreiche präventive Behandlungen empfohlen. Wie ist deren Wirksamkeit?

Vergebliche Therapien kosten die Familien viel Geld, da diese Medikamente durch die Krankenkassen nicht vergütet werden.


Y. Heller
, Nyon


Antwort:


Die Schwierigkeit, Epidemien mit Läusen (besonders Kopfläusen) in Schulen Herr zu werden, existiert in der deutschen wie in der welschen Schweiz und auch in anderen Ländern. Die hauptsächlichen zur Verfügung stehenden topischen Medikamente sind das Hexachlorhexan (Jacutin®), Malathion-Lotion 0,5-1% (Prioderm®), Permethrin 1 % (Loxazol®) und die Pyrethrine (A-Par®). In der Schweiz wird am häufigsten Hexachlorhexan und Malathion-Lotion gebraucht.

Die Gründe für Therapieversager sind vielfältig:

  • Die Anwendung der Pedikulizide ist schwierig: es wird eine zu kleine Menge des Produktes appliziert, die angegebene Frequenz der Applikationen nicht eingehalten und die Behandlung nach 7-10 Tagen nicht wiederholt (Nissen)
  • Die Behandlung wird nicht verstanden, z.B. wegen Sprachbarrieren
  • Behandlungskosten meist nicht rückvergütet
  • Die Mehrzahl der "Therapieversager" und der Reinfestationen ist wahrscheinlich dadurch bedingt, dass die zahlreichen und oft schwierig zu befolgenden ergänzenden Massnahmen nicht eingehalten werden, z.B. Waschen oder Desinfektion von Kappen, Halstüchern, Kopfkissen-Überzügen, Kämmen und Bürsten mit einem pedikuliziden Shampoo usw.
  • Untersuchung und Behandlung der nahen Umgebung ist unerlässlich, um eine Reinfestation durch die Umgebung zu verhindern
  • Resistenz der Läuse auf Pedikulizide? Die Empfindlichkeit einer Laus auf verschiedene Insektizide kann in vitro getestet werden. Neue Studien lassen vermuten, dass Resistenzen auf gewisse Pedikulizide vorkommen, über die Inzidenz solcher Resistenzen ist aber wenig bekannt und insbesondere nicht, ob sie wirklich zunehmen. Fälle von Resistenzen, vor allem auf Malathion, auf Permethrin (Frankreich und England) und auf Pyrethrine (USA und Zentraleuropa) wurden kürzlich publiziert. Wir verfügen aber nicht über Daten bezüglich Resistenzen in der Schweiz. Es scheint, dass sich die Empfindlichkeit der Läuse je nach Art des angewandten Produktes verändert und dass es regionale Unterschiede gibt, sogar im selben Land.

Was soll man von präventiven Behandlungen halten?


Die Prophylaxe basiert vor allem auf einer guten Information in der Schule, so wie sie in zahlreichen Kantonen der Schweiz praktiziert wird (Faltblätter mit detaillierten Informationen über die Lebensweise des Parasiten und die ergänzenden Massnahmen, Untersuchungen durch Schulärzte und Schulkrankenschwestern usw.).

Das regelmässige Waschen der Haare mit einem pedikuliziden Produkt ist unnötig und sollte sogar vermieden werden, da es möglicherweise zur Resistenzentwicklung der Läuse beiträgt. Die prophylaktische Wirkung von Läuse-abstossenden Produkten konnte nie klar gezeigt werden.


Zusammenfassend sind die wichtigsten Punkte zur wirksamen Ausrottung von Kopfläusen die lege artis durchgeführte Initialbehandlung und die ergänzenden Massnahmen zur Verhinderung einer Reinfestation. Wenn die Behandlung von Anfang an korrekt durchgeführt wird und die ergänzenden Massnahmen ergriffen werden, ist das Problem der Resistenzentwicklung zwar möglicherweise vorhanden, aber sicher zweitrangig.


D. Guggisberg, Lausanne
(Uebersetzung : U. Lips, Zürich)


Adresse des Autors:
Dr. D. Guggisberg, médcin associé, Service de Dermatologie et Vénéréologie, CHUV, 1011 Lausanne


Referenzen:

Siehe französischer Text

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Dernière mise à jour du site: 25.06.2008