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Allergische Rhinitis - Neue KonzepteSaisonale oder perenniale Erkrankungen?
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Reduktion der Qualität schulischer Arbeiten Konzentrationsschwierigkeiten Leistungseinschränkung Beziehungsschwierigkeiten (Schule, Beruf) Absenzen (Schule, Beruf) Reduktion des Einkommens |
78,3 74,7 69,9 44,5 37,3 19,3 |
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Notwendigkeit sich Nase und Augen zu reiben Notwendigkeit sich wiederholt zu Schneuzen Notwendigkeit dauernd Taschentücher zu benutzen Notwendigkeit einer Medikation Lichtscheu Notwendigkeit klimatisierter Räume Schwierigkeiten beim Schminken |
94 86,7 81,9 73,5 57,8 49,4 25,3 |
Die allergische Rhinitis ist charakterisiert durch die Assoziation von nasalem Juckreiz + Niesen + wässrigem Ausfluss (Hydrorrhoe) + behinderter Nasenatmung. Bei den meisten Patienten findet sich jedoch "ein Leitsymptom", selten sind alle genannten Beschwerden gleichzeitig maximal vorhanden. Eine Einschränkung des Geruchssinnes wird von Kindern selten genannt.
Bei kontinuierlicher und konstanter Allergenexposition zeigen viele Patienten eine Gewöhnung an die Symptomatik (zum Beispiel behinderte Nasenatmung oder Niesen am Morgen) und sistieren dabei die Behandlung. In einer Studie von Linna et al (7) blieben 90 % der Patienten symptomatisch, wobei nur 50 % die Behandlung weiterführten.
Eine starke Allergenexposition (Blütenstaub, Tierepithelien) führt meist zu einer heftigen Symptomatik mit Niesattacken, Rhinorrhoe (wässrig), Konjunktivitis und eventuell asthmatischen Beschwerden. Juniper et al zeigten in einer weiteren Studie (8), dass besonders männliche Jugendliche - wegen der nasalen und okulären Symptome - sich weniger attraktiv einschätzen, mit entsprechender Auswirkung auf die Lebensqualität.
Die Erhebung der Anamnese ist trotz maximaler Sorgfalt stets mit Subjektivität behaftet. Diese kann durch Entwicklung und Anwendung von reproduzierbaren Kriterien zur Beurteilung des Schweregrades der Symptomatik und der Lebensqualität reduziert werden. Derartige Kriterien sind zur Beurteilung der Wirksamkeit einer Therapie ebenfalls von essentieller Bedeutung.
Die Inspektion zeigt oft eine Rötung sowie nach längerer Zeit eine Querfalte im Bereich der Nasenspitze bedingt durch repetitives Hochreiben der Nase mit der Handfläche (= "allergischer Salut") bei Juckreiz und Rhinitis. Zudem finden sich oft weitere Symptome / Zeichen der Atopie: Denny-Morgan-Infraorbitalfalte, Blepharo-Konjunktivitis, Ekzem der Oberlider, trockene Haut, Hautfissur hinter den Ohrläppchen, Ekzem im Bereich der Beugefalten (Finger, Ellbogen, Poplitea). Diese Zeichen finden sich zumeist bei Patienten mit ganzjähriger Symptomatik, treten teilweise aber auch bei akuter Exposition und Symptomatik auf (Reaktivierung ekzematischer Veränderungen während der Pollensaison oder bei Tierkontakten). Mittels Spekulum und geeigneter Lichtquelle kann die Schleimhaut im Bereich der Nasenhöhlen inspiziert werden, welche bei allergischer Rhinitis oft lila oder blass erscheint. Diese Befunde sind jedoch nicht pathognomonisch, insbesondere bei Vorliegen einer Superinfektion. Zusätzlich soll das Ausmass der Behinderung der Nasenatmung (durch Entzündung der Schleimhäute und Hypertrophie der Nasenmuscheln) beurteilt werden. Die unteren Nasenmuscheln sind der Inspektion direkt zugänglich; zudem kann die Obstruktion durch forcierte Exspiration gegen einen Spiegel objektiviert werden. Die klinische Untersuchung gibt weiterhin Informationen über eine allfällige Septumdeviation sowie Polyposis. Bei Bedarf kann eine fachärztliche oto-rhino-laryngologische Untersuchung Zusatzinformationen über Begleitmanifestationen und morphologische Anomalien geben.
Zur vollständigen klinischen Untersuchung gehören auch die Auskultation der Lungen sowie die Suche nach Symptomen und Zeichen ausserhalb des ORL-Bereiches (Husten / Auswurf, Atemnot, Erbrechen, Trommelschlegelfinger, Entwicklung von Gewicht und Körperlänge).
Letztlich soll systematisch eine Röntgenuntersuchung des Thorax sowie eine Lungenfunktionsprüfung (zum Beispiel Fluss-Volumenkurve) vor und nach Inhalation eines b2-Mimetikums veranlasst werden.
Aufgrund von Anamnese und klinischer Untersuchung lässt sich die allergische Genese einer Rhinitis vermuten. Einige Praktiker begnügen sich der Anamnese einer Rhino-Konjunktivitis während der Monate April und Mai zur Diagnose eines "Heuschnupfens". Diese Diagnose muss jedoch mittels Hauttest und Nachweis spezifischer IgE bestätigt werden.
Prick-Teste sind einfach, schmerzlos und unabhängig vom Alter durchführbar (entgegen der verbreiteten Meinung bereits im Säuglingsalter (9)); einzig eine allfällige Medikation mit Antihistaminika muss etwa zwei Wochen zuvor sistiert werden. Ein verlässliches Resultat liegt jeweils innerhalb einiger Minuten vor. Schwere allergische Rhinopathien mit IgE-Werten > 100 KU/l (Grad VI) bedingt durch Hausstaubmilben werden mit zunehmender Häufigkeit bereits vor dem vierten Lebensjahr beobachtet. Bei Vorliegen positiver Hautteste ist es nützlich, die Resultate mittels Nachweis spezifischer IgE (RAST) zu bestätigen. Nasale Provokationstests können letztlich bei unsicherer Diagnose oder bei der Indikationsstellung zur Immuntherapie hilfreich sein (10). Im Alltag jedoch genügt meist die Kombination von perennialer Rhinitis und deutlich positiver Hautteste (eventuell zusätzlich spezifische IgE) zur Diagnosestellung.
Bei Vorliegen einer Pollinose soll nach einer Allergie gegenüber jenen Pollen gesucht werden, die eine sogenannte Prä-Sensibilisierung (zum Beispiel Birke, Zypressen, Platane, Oliven) oder Post-Sensibilisierung (Korbblütler wie zum Beispiel Spitzwegerich, Beifuss, Ambrosie, Glaskraut) bewirken können. Patienten mit Pollinose haben im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein dreifach höheres Risiko eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln. In diesem Zusammenhang ist auch die Möglichkeit von Kreuz-Reaktionen (Sensibilisierung oder Allergie) zwischen verschiedenen tierischen oder pflanzlichen Allergenen zu erwähnen. Von den pflanzlichen Kreuz-Reaktionen sind die Assoziation von Birke mit Kernobst sowie der Korbblütler mit Sellerie am besten bekannt (11).
Sowohl die klinische Erfahrung als auch epidemiologische Studien zeigen eine
häufige Assoziation von allergischer Rhinitis mit Asthma bronchiale. Während
die kumulative Prävalenz der allergischen Rhinitis in der Allgemeinbevölkerung
etwa 20 % beträgt (12), leiden 28-78 % der Asthmatiker
zusätzlich an einer Rhinitis (2, 13, 14). Patienten mit allergischer Rhinitis
zeigen in 19-38 % zusätzlich ein Asthma bronchiale (2, 14),
dagegen beträgt die kumulative Prävalenz von Asthma bronchiale bei
Kindern zirka 10 % ( höher als 10 % in angelsächsischen Ländern
wie England, Australien und Neuseeland); im Vergleich dazu die Allgemeinbevölkerung:
3-5 % bei Erwachsenen, zirka 10 % bei Kindern (5, 16). In
einer neueren Untersuchung bei 16'786 Familien fanden Pariente et al (17)
eine perenniale Rhinitis bei 4.1 % der Untersuchten, wovon 13.4 % gleichzeitig
ein Asthma bronchiale aufwiesen. Untersuchte ohne Rhinitis zeigten nur in 3.8
% der Fälle ein Asthma bronchiale, entsprechend einem 3.8-fach erhöhtem
Risiko für Asthma bronchiale bei Vorliegen einer allergischen Rhinitis.
Die prospektive Studie von Settipane et al (18) zeigte vergleichbare Resultate:
Ein Asthma bronchiale fand sich dreimal häufiger bei Patienten mit allergischer
Rhinitis (10.5 versus 3.6 %). Zeitlich tritt zumeist erst die allergische Rhinitis,
gefolgt vom Asthma bronchiale auf: Bei 64 % der Patienten trat die Rhinitis
vor dem Asthma bronchiale auf, nur bei 21 % der Betroffenen manifestierte sich
beides gleichzeitig (19). Weiterhin entwickeln Kinder mit
Hausstaubmilben-Allergie und / oder Allergien gegen tierische Epitope dreimal
häufiger ein Asthma bronchiale als Kinder mit Pollenallergie (7,
20).
Angesichts der deutlichen Assoziation von allergischer Rhinitis mit Asthma bronchiale
stellt sich die Frage nach ursächlichen Mechanismen: Nasobronchiale Reflexe
(Hypothese)? Pro-inflammatorische Mediatoren, die im Rahmen der allergischen
Rhinitis gebildet werden und letztlich zur bronchialen Symptomatik führen?
Chronische Infektionen im ORL-Bereich (bei Erwachsenen)? Zwei Manifestationsformen
einer entzündlichen Erkrankung? (26)
Derzeit sind einerseits symptomatische Behandlungsmassnahmen und andererseits eine Hyposensibilisierung verfügbar. Letztgenannte Therapie ändert die immunologische Reaktion des allergischen Patienten und wurde deshalb kürzlich von der WHO als Impfung bezeichnet (3).
Antihistaminika (H1-Antagonisten) und lokale Steroide stellen die grundlegende
Therapie der allergischen Rhinitis dar (2, 3). Die Wahl der
Therapie soll im Einzelfall den vorherrschenden Symptomen angepasst werden:
Steroide scheinen besonders wirksam bei Obstruktion, Antihistaminika dagegen
auch bei übriger Symptomatik (Juckreiz, Niesreiz, Rhinorrhoe) (27,
28). Rund die Hälfte der Doppelblindstudien (gegen Plazebo) zeigt eine
Überlegenheit lokaler Steroide im Vergleich zu oral verabreichten Antihistaminika,
die andere Hälfte der Studien vermag keinen Unterschied zu zeigen (29).
Einige Untersuchungen zeigten einen besseren Effekt auf die konjunktivalen Symptome
(30), sowie den Juck- und Niesreiz (31)
durch Kombination von Antihistaminika mit lokalen Steroiden im Vergleich zu
lokalen Steroiden alleinig. Andere Studien konnten diesen Benefiz jedoch nicht
nachweisen (32).
Die Therapie mit Antihistaminika in einer Einzeldosis täglich wird besser
befolgt als jene mit topischen Steroiden mehrfach täglich; ebenso ist eine
Dauertherapie wirksamer als die Medikation mit lokalen Steroiden "bei Bedarf"
(33). Die Verfügbarkeit wirksamerer lokaler Steroide
wird jedoch den Bedarf an multiplen Verabreichungen reduzieren.
Unter Azelastin lokal konnte eine mit oralen Antihistaminika vergleichbare Wirksamkeit nachgewiesen werden (34), wobei bei schweren Formen der allergischen Rhinitis eine bessere Wirkung der Kombination von Azelastin lokal + peroral gezeigt wurde (30).
Eine kürzlich veröffentlichte Meta-Analyse erfasste 16 kontrollierte
Studien der Jahre 1966 bis 1997 mit total 2267 Patienten (35):
Unter Steroidtherapie lokal wurden die Symptome der allergischen Rhinitis signifikant
besser kontrolliert als mit Antihistaminika peroral (relatives Risiko: Obstruktion
-0.73, Rhinorrhoe -0.5, Juckreiz -0.38, Gesamt-score nasaler Symptome -0.42).
Alle eingeschlossenen Studien zeigten die bessere Wirkung der lokalen Steroide
auf die nasale Obstruktion; nur eine Studie vermochte keine bessere Wirkung
auf die Rhinorrhoe zu zeigen und in zwei fand sich kein Vorteil betreffend Niesreiz.
Der unlängst veröffentlichte Konsens betreffend Therapie der allerischen
Rhinitis widerspiegelt ebenfalls die Überlegenheit der lokalen Behandlung
mit Steroiden (3).
Die Wahl der Therapie soll jedoch auch von den Erfahrungen und Wünschen des Patienten abhängig gemacht werden: Patienten mit stark störender Symptomatik während der vorausgegangenen Saison können beispielsweise bereits frühzeitig (kurz vor Beginn der Pollensaison) mit der Einnahme von Antihistaminika per os beginnen.
Die Immuntherapie oder Desensibilisierung vermag als einzige Methode die immunologische Reaktion des Allergie-Patienten zu verändern und wurde gemäss einer Deklaration - unter der Schirmherrschaft der WHO - als Impfung bezeichnet (36). Diese Form der Therapie ist jedoch einzig bei Insektengiftallergie (Hymenopteren) und bei Pollen- und Hausstaubmilbenallergie (Rhinokonjunktivitis und / oder Asthma) indiziert. Dabei werden bei 60 bis 70 % der Patienten gute bis sehr gute Resultate erreicht (37). Der Nutzen einer Desensibilisierung bei Patienten mit Pollen-Allergie persistiert während zwei oder mehr Jahren nach Beendigung der Therapie (38). Weiterhin kann diese Therapieform das Auftreten neuer Allergien reduzieren (39). Die klassische Desensibilisierung mit sukutaner Injektion ist vor allem bei Patienten mit Sensibilisierung gegen ein einzelnes Allergen erfolgreich; bei Polysensibilisierung ist deren Wirksamkeit geringer.
Die sublinguale Applikation könnte eine interessante Alternative darstellen,
die jedoch noch weiterer Untersuchungen bedarf.
Bei Durchführung einer Desensibilisierungsbehandlung müssen wichtige
Empfehlungen und Sicherheitsmassnahmen eingehalten werden (40,
41): Die Behandlung erfolgt unter der Verantwortung des durchführenden
Arztes; die Patienten müssen während mindestens 30 Minuten nach erfolgter
Injektion überwacht werden (90-95 % der schweren Nebenwirkungen treten
innerhalb dieser Zeitspanne auf); der verabreichende Arzt muss beim Auftreten
eines schweren Zwischenfalles über Mittel und Kenntnisse zur Reanimation
verfügen.
G. Dutau, Toulouse
(Übersetzung : R.v Vigier, Bern)
Siehe französische Version des Textes
Professor Guy Dutau, Allergologie et Pneumologie, Hôpital des
Enfants, Toulouse
Ursachen der allergischen Rhinitis: Eine Vielzahl von Allergenen
Mit einem Durchmesser von zirka 20 µm stellen die Faeces der Hausstaubmilben ein "Pollen-Aequivalent" in Wohnräumen dar (1). Diese sind nicht andauernd, sondern nur bei Transport durch andere Partikel ins Suspension. Im Gegensatz dazu sind Allergene von Katzen und Latex "luftgetragen", was mitunter das rasche Auftreten von Symptomen erklärt. Entgegen der verbreiteten Meinung, existiert kein Schwellenwert zur Sensibilisierung (Produktion spezifischer IgE) oder zur Entwicklung einer Allergie (Produktion spezifischer IgE + klinische Symptome). Die genetische Heterogenität der immunologischen Antwort gegen Allergene der Hausstaubmilben erklärt die Existenz von "hyper-sensiblen", "sensiblen" und "resistenten" Personen (2). Bereits eine mässige Reduktion der Allergen-Konzentration führt bei "hyper-sensiblen" Patienten zu einer signifikanten Reduktion der Beschwerden (3). Vom Wind transportierte Pollen haben einen Durchmesser von 5 mm (leichte Pollen) bis 200 mm (schwere Pollen). Bei einem durchschnittlichen Durchmesser von 20-60 mm erfolgt die Deposition im Bereich der oberen Luftwege. Insbesondere bei körperliche Anstrengung gelangt ein Anteil jedoch auch in die Nebenhöhlen und in die unteren Luftwege. Pollen gelangen jedoch auch in Wohnräume und können dort während 2-4 Monaten nach der "klassischen Pollensaison" bei betroffenen Patienten weiterhin zu Symptomen führen. Hausstaub stellt eine Mischung von Allergenen dar: Hausstaubmilben, tierische Epithelien und Haare (Katze, Hund, Kleintiere), Schimmelpilze, Küchenschaben, Pollen, Insekten (Flöhe, Wanzen), Larven (zum Beispiel Dermestidae), grüne Mikroalgen (zum Beispiel Chlorella) und sogar menschliche Proteine. Allergene von Katzen gehören zu den stärksten und werden zudem durch die Kleider von Tierhaltern in öffentliche Gebäude (zum Beispiel Schulen) getragen. Dies kann zum Auftreten von Symptomen bei sensibilisierten Patienten führen, wenngleich diese zu Hause keine Katzen mehr halten! Die Bedeutung der Schimmelpilze - im Besonderen von Alternaria alternata - wird oft unterschätzt. In Arizona und Australien sind Fälle von schweren asthmatischen Krisen in Zusammenhang mit Alternaria bekannt geworden (5).
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