Reengineering


Es gehört zu unserer Zeit, dass in einer gewissen Regelmässigkeit neue Ausdrücke, meist in Anlehnung an die englische Sprache, in unserem privaten oder beruflichen Alltag auftauchen. Als PädiaterInnnen, die konsequent die aktuelle Literatur studieren (die FBO lässt grüssen!), haben wir uns auch längst daran ge-wöhnt, dass unsere Umgangssprache weniger und weniger deutsch oder französisch, dafür umso mehr englisch klingt. So sollte uns eigentlich auch der Begriff "reengineering" keine Schwierigkeiten bereiten.


Wie, Sie haben dieses Wort wirklich noch nie gehört? Sie fragen sich, wo Sie diesen Begriff einzureihen haben? Nun, zunächst sei in diesem Fall eine kleine sprachliche Analyse erlaubt. Mit "engine" ist offensicht-lich eine Maschine gemeint, im übertragenen Sinn zumindest etwas, was sich bewegt und etwas hervor-bringen soll. Der "engineer" muss entsprechend die Person sein, die eine Maschine bedient, in Gang bringt, in Betrieb hält. So kann "engineering" nur die Bezeichnung für diesen gesamten Vorgang sein. Zu guter Letzt bleibt noch das kleine Praefix "re", das für eine Wiederholung steht.

Welcher Vorgang, welches "engineering" soll nun wiederholt, oder anders gesagt überarbeitet werden? Als aufmerksame LeserInnen der Ärztezeitung haben Sie es längst gewusst: es handelt sich wieder einmal um TarMed. Erstaunlich an dieser Formulierung ist eigentlich nur, dass eine Tarifstruktur überarbeitet werden soll, die ja bisher noch gar keine praktische Umsetzung erfahren hat.


Doch dieses erste Urteil täuscht. Tatsächlich haben sich in der aktuellen Version 1.0 (Sie können sich je-derzeit ein Bild machen über www.hin.ch/tarmed) auch ganz brisante Probleme für unsere Spezialität erge-ben, mit dem Risiko weitreichender finanzieller Konsequenzen! Anhand sorgfältiger Modellrechnungen konnten die entsprechenden Punkte heraus gearbeitet werden. Obwohl in erster Linie im Zusammenhang mit den invasiven Disziplinen ins Spiel gebracht, hat das Reengineering plötzlich auch für die Pädiatrie eine äusserst grosse Wichtigkeit bekommen. Bereits hat eine erste Sitzung von SGP-TarMed Experten mit dem FMH-Präsidenten und dem TarMed Delegierten stattgefunden, um einen rasch durchführbaren Lösungs-weg zu erarbeiten. In der vorliegenden Version ohne Reengineering ist TarMed für die Pädiatrie inakzepta-bel!

Der Präsident der FMH wiederholt bei allen möglichen Gelegenheiten, dass das Reengineering ein ständig weiter laufender Prozess in der neuen Tarifstruktur sein wird. Auch wenn damit gesagt wird, dass selbst die Entwicklung in naher Zukunft nicht in Stein gemeisselt ist, so gefällt mir dieser Gedanke. Darin verbirgt sich ja nicht nur das Risiko die Unsicherheit, sondern auch die Chance, dass Fehler korrigierbar sind, und dass wir in einem System leben, das Anpassungen und Wandlungen zulässt.

Im Juni werden wir in Luzern bekanntlich das 100-jährige Bestehen unserer Fachgesellschaft feiern. Vor knapp zwei Jahren haben wir die neuen Strukturen dieser Gesellschaft verabschiedet und sind seither dar-an, die damit verbundenen Ideen umzusetzen. Sollten wir eigentlich nicht auch für unsere Arbeit innerhalb der SGP den Gedanken des Reengineering als permanenten Auftrag aufnehmen?

Bereits in den ersten zwei Jahren ihres Bestehens haben sich in unseren Säulen Praxis und Klinik Fragen ergeben, die nach flexiblen Lösungen rufen. Nur in einem System, das konsequent die eigene Arbeit zu hinterfragen vermag und aus Fehlern die notwendigen Schlüsse ziehen kann, wird sich die SGP auch nach ihrem Geburtstag weiter vorwärts bewegen. Es ist deshalb mehr als opportun, den Gedanken des Reengi-neering auch für die standespolitische Arbeit aufzunehmen.

Ich freue mich darauf, möglichst viele SGP-Mitglieder in Luzern zu sehen. Obwohl uns auch die Standespo-litik beschäftigen wird, so werden es alle anderen Themen sein, die unsere Jubiläumsversammlung prägen werden.


U. Bühlmann, Zürich
Präsident SGP

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Dernière mise à jour du site: 25.06.2008