Karies : Das Verständnis der Ursache ist zugleich der Schlüssel zur Lösung!

Laut Weltgesundheitsorganisation ist die Zahn-Karies die häufigste Krankheit des Menschen überhaupt. Sie ist die Folge falscher Ernährung und fehlender, oder zu wenig effizienter Hygienemassnahmen.

Zucker, falsche Ernährungs- und Trinkgewohnheiten sowie Bakterien bedeuten im Mund Gefahr für die Zähne; der Speichel und die gute Mundhygiene, sowie das Fluorid liefern das schützende Gegengewicht.

Die heutigen Ernährungsgewohnheiten mit den vielen gezuckerten Zwischenmahlzeiten, Zwischengetränken und den Schleckereien bringen zuviel und vor allem zu oft Zucker in die Mundhöhle. Auch Kleinkinder haben sehr oft 'Hunger' und wünschen deshalb etwas - meistens Zuckerhaltiges - zu essen. 

Die Bakterien spielen bei der Entstehung einer Zahnkaries eine Schlüsselrolle, da der andauernd vorhandene Zucker durch diese Bakterien in Milchsäure abgebaut wird (Glykolyse). Wird nun regelmässig Zucker konsumiert, hat diese Glykolyse eine konstante Übersäuerung des Mundes zur Folge, welche einerseits die normalerweise gute Harmonie zwischen den rund 300 – 600 verschiedenen Bakterienarten in der Mundhöhle (Mundflora) stört und andererseits den Zahnschmelz zu entkalken beginnt.

In einer andauernd sauren Mundhöhle stellen viele Bakterienarten ihr Wachstum, ihre Vermehrung und ihren Stoffwechsel ein, und es überleben nur noch die säure-unempfindlichen Bakterien. Sie vermehren sich und können erst noch durch wiederholten Zuckerabbau erneut Säure produzieren, was eine zusätzliche Absenkung des pH-Wertes im Mund bedeutet. Diese säure-unempfindlichen Bakterien sind die Mutans Streptokokken und die Laktobazillen. Mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes erhalten diese Bakterien eine neue stabile Oberfläche im Mund, an der sie sich anhaften können. Mit jedem weiteren durchgebrochenen Zahn vergrössert sich diese Oberfläche, auf der sich auch neue, von Drittpersonen durch Abschlecken von Nuggi, Schoppenflaschen-Sauger oder Brei-Löffel übertragene, Bakterien festhalten können.

Fazit : Ein Loch im Zahn (Karies) entsteht also erst dann, wenn während 24 Stunden der Zahn durch Säureangriff länger entkalkt wird (Demineralisation) als er durch den Speichel wieder repariert werden kann (Remineralisation). Karies ist demnach nicht das eigentliche 'Loch im Zahn', sondern ein 'infektiöser Prozess', bei dem die chemische Balance zwischen Demineralisation und Remineralisation gestört ist.

Oder anders ausgedrückt : Ein völliger Verzicht auf Süssigkeiten ist nicht nötig! Denn entscheidend für die Kariesentstehung ist die Häufigkeit (also wie oft und nicht wieviel) des Zuckerkonsums pro Tag! Eine normale Ernährung inkl. zuckerhaltiger Nachspeise zu den Hauptmahlzeiten stört diese Harmonie unter den Bakterien nicht und ist somit für den Zahnschmelz praktisch ungefährlich, da der Speichel zusammen mit einer guten Mundhygiene absolut in der Lage ist, kleinste Reparaturen an der Zahnoberfläche zu übernehmen. Jedoch die gleiche Menge Zucker über den Tag hinweg 'genascht', kann sich katastrophal auswirken.

Deshalb sind Zwischenmahlzeiten, aber auch der Schoppen zwischendurch, zuckerfrei zu halten, damit der Speichel wieder einmal genügend Zeit bekommt, die durch die Nahrung und die Getränke auf der Zahnoberfläche entstandenen Säuren zu neutralisieren. Die gleiche Gefahr rührt natürlich auch von den nächtlichen Schoppen her, die meistens mit Zucker gesüsstem Tee, Orangensaft oder anderen Fruchtgetränken, mit Kakao oder Milch gefüllt sind. Denn einerseits schlafen die Bakterien nicht, und andererseits ist die Speichelproduktion während der Nacht stark gedrosselt. Aus diesen zwei Gründen sind die zuckerhaltigen Nachtschoppen doppelt bis dreifach gefährlich.


Die Eltern - ein Kariesrisiko für das Kind?

In der Mundhöhle eines neugeborenen Kindes gibt es noch keine säure-unempfindlichen Bakterien. Diese kommen erst mit dem Durchbruch der ersten Milchzähne in den Mund des Babys, da sie sich nur auf harten Oberflächen ansiedeln können. Der Eintritt der Mutans Streptokokken in den Kleinkinder-Mund erfolgt via Fremdspeichel, meistens via Speichel der Mutter, des Vaters oder einer anderen Drittperson durch Abschlecken des Schnullers, des Schoppenflaschen-Saugers oder des Brei-Löffels.

Die Bakterienbelastung im Mund von Mutter und Vater spielt bei der Mund-zu-Mund-Übertragung eine grosse Rolle und sollte deshalb frühzeitig bekannt sein. Die Bakterienübertragung erweist sich besonders während des Zahndurchbruchs als äusserst gefährlich, da sich die übertragenen Mutans Streptokokken am noch porösen Schmelz gut anhaften können. Da sich leider das Zahnputzen in dieser jungen Kleinkinder-Phase sehr schwierig gestaltet, muss das Übertragungsrisiko durch Mutter und Vater verringert werden. Dies kann durch einen generellen Übertragungsstopp via Nuggi, Schoppensauger, Löffel (kein Abschlecken!) oder durch die eigene Keimzahl-Verringerung durch eine gezielte Mund-Vorsorge erreicht werden.

Es stehen Tests zur Verfügung, die die Höhe der bakteriellen Besiedelung der Mundhöhle mit Mutans Streptokokken und Laktobazillen aufzeigen können. Für werdende und junge Eltern sind diese Tests eine Möglichkeit, ihr Übertragungsrisiko zu bestimmen.  


Das Reparaturystem in der Mundhöhle

Der Speichel ist für die Gesunderhaltung der Mundhöhle, besonders der Zähne, unentbehrlich. Durch kräftiges Kauen kommt es zur Bildung des Stimulationsspeichels aus der Parotis; dieser ermöglicht einerseits die Stimulation der Geschmacksknospen, die Einspeichelung der Nahrung und somit die Verbesserung des Schluckaktes, andererseits die Wiederverkalkung (Remineralisation) des Zahnschmelzes nach Säureangriffen.


Die Pädiaterin und der Pädiater als Zahnprophylaxe-Motor!

Da die meisten Kinder erst mit dem 4. Altersjahr (Kindergarten) zahnärztlich erfasst werden, kann es für einzelne Zähne schon sehr spät, für andere schon zu spät sein. Die Zahnärzteschaft braucht zur Früherfassung der Kinder die Mithilfe ihrer pädiatrischen Kolleginnen und Kollegen. Diese sehen die Kinder genau in der Phase, wo die Ess- und Trinkgewohnheiten sowie die Mundhygiene aufgegleist werden. Könnten in dieser Phase die Kariesrisiko-Kinder erkannt und der zahnmedizinischen Frühprävention zugeführt werden, wäre dies für die Zahngesundheit der Kleinkinder ein voller Gewinn.

Die Schweizerische Vereinigung für Kinderzahnmedizin sucht im Moment einen Weg, den Pädiater-Kolleginnen und -Kollegen die Früherfassung der Karies-Risikopatienten zu ermöglichen.


P. Minnig, Baser

 

Adresse : 
Dr.med.dent Peter Minnig
Schularztklinik
4052 Basel
Tel. : 061 /272 91 00 Fax.:061 / 272 91 94

minnpet@bluewin.ch


Dernière mise à jour du site: 08.05.2008