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Editorialdie lieben Medien ...
Ein langer Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln hat auch seine Vorteile. So liegen an meiner Haltestelle schon vor Ankunft des ersten morgendlichen Busses die neuen Pendlerzeitungen "metropole" und "20 minutes" bereit. Die 10 Minuten Fahrt bis zum Bahnhof reichen aus für einen ersten Blick über die Schlagzeilen des Tages, und dies wohlverstanden noch vor sechs Uhr! Normalerweise genügt mir diese Information für eine gezieltere Verarbeitung der ersten regulären Tageszeitung im Zug zwischen Bern und Zürich. Nicht so am 20. Februar dieses Jahres. Kaum wach erfahre ich an jenem Tag, gestützt auf eine Mitteilung der Schweizerischen Depeschenagentur, dass die Zahl der Mumpsfälle seit 1998 kontinuierlich zugenommen habe, auf 31'000 im Jahr 2000. Dazu habe ein Mitarbeiter des BAG kommentiert, es sei mit 80% aller Kinder in der Schweiz eben nur eine ungenügende Zahl geimpft. Soweit nichts Neues, doch dann folgt der Abschnitt, der mich im leeren Bus hellwach aufschiessen lässt: Schuld an dieser ungenügenden Durchimpfungsrate seien die Kinderärzte, die sich weigerten, alle Kinder systematisch zu impfen. Um sich zu rechtfertigen, argumentierten sie ohne wissenschaftliche Grundlage, die Kinder würden durch die Impfung autistisch. Das sitzt, von sanftem Dahindösen keine Rede mehr, denn auch die Lektüre der nächsten Zeitung im Zug bestätigt die Meldung. Meine Pendlerfahrt bekommt eine neue Bedeutung. Ich kann mich auf einen Tag vorbereiten, der neben dem geplanten Programm eine Vielfalt von Telefonaten mit sich bringen wird. Als "Mediencrash" bezeichnete Herr Denzler, eingeladener PR-Experte an der SGP-Klausurtagung anfangs März (Thema "Kommunikation", vgl. den Bericht in dieser paediatrica), eine derartige Situation. Darauf vorbereitet zu sein und eine richtige Reaktionsstrategie bereit zu halten, wird in Zukunft in unser Standardrepertoire gehören müssen. Dabei genügt es nicht, wenn wir nur auf Attacken zu reagieren wissen, unser Umgang mit den Medien muss ganz allgemein professioneller werden. Dabei ist es durchaus erlaubt, dass wir eine weit aktivere Rolle einnehmen und zu erkennen geben, dass wir bei den vielfältigen Themen, welche Kinder und Jugendliche betreffen, wichtige Diskussionsbeiträge einbringen können. Ueli Heiniger, sicher vielen als Moderator des "Zyschtigsclub" am Schweizer Fernsehen bekannt, und ebenfalls Teilnehmer an unserer Retraite, hat uns deutlich aufgezeigt, dass das "Image" der PädiaterInnen in der breiten Bevölkerung und in den Medien sehr positiv ist, und dass wir diese Position vielmehr ausnützen sollten. Als Grundlage für einen stärkeren Auftritt gegen aussen muss eine verbesserte, und vor allem raschere Informationspolitik innerhalb der SGP etabliert werden. Die VertreterInnen der SGP-Vorstände waren sich einig, dass eine Optimierung nur über die elektronischen Kanäle erreicht werden kann. Wir werden die mit unserer homepage begonnenen, durch die Einführung von "ssp-sgp@egroups.com" weitergeführten elektronischen Angebote weiter ausbauen. Wir gehen davon aus, dass das mit TarMed vorgesehene Abrechnungssystem den PCs in allen pädiatrischen Praxen zum weiteren Vormarsch verhelfen wird. Was liegt also näher, als Sie über dieselben Kanäle zu informieren? Das ist nicht mehr Zukunftsmusik, sondern Realität unserer Zeit. Die Bus- und Zugfahrten sind seit jenem Februarmorgen wieder ruhiger geworden. Zwar hat keine der Tageszeitungen das Korrektur-Communiqué des BAG, wie es auch im BAG-Bulletin 9/01 publiziert wurde, abgedruckt. Beruhigt habe ich von verschiedensten Seiten gehört, dass verunsicherte Eltern nicht scharenweise die pädiatrischen Praxen mit Fragen zur Haltung der PädiaterInnen den MMR-Impfungen gegenüber eingerannt haben. Zurück bleibt ein schaler Geschmack und die Erkenntnis, dass wir in der Öffentlichkeitsarbeit noch einen langen Weg zu gehen haben.
Präsident SGP |
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