Behandlung der Harnwegsinfektionen beim Kind:
Zusammenfassung der Empfehlungen
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Empfehlung Nr. 1: Klinischer Verdacht auf eine Harnwegsinfektion
Eine Harnwegsinfektion muss bei jedem Säugling und Kind
mit unklarem Fieber in Betracht gezogen werden.
Empfehlung Nr. 2: Unterscheidung zwischen Zystitis und Pyelonephritis
Für eine adäquate Behandlung eines Patienten ist es entscheidend,
zwischen einer Zystitis und einer Pyelonephritis zu unterscheiden; nur Pyelonephritiden
führen zu Nierenparenchymnarben und Langzeit-folgen.
Empfehlung Nr. 3 : Methoden der Urinsammlung
Ein Säckchen-Urin vermag, solange die Kultur negativ ist,
eine Harnwegsinfektion auszuschliessen. Allerdings führt diese Methode
der Urinsammlung, insbesondere bei Kindern im ersten Lebensjahr, sehr häufig
zu falsch positiven Urinbefunden. In dieser Altersgruppe stellen die Blasenpunktion
oder der Blasenkatheterismus den "Gold-Standard" der Urinsammlung
dar. Bei grösseren Kindern stellen die Urin-sammlung mit dem Säckchen oder,
wenn das Alter dies erlaubt, die Gewinnung eines Mittelstrahlurins die Methoden
der Wahl dar.
Empfehlung Nr. 4 : Urinkultur
Für die Diagnose einer Harnwegsinfektion wird eine Urinkultur
benötigt. Die Verwendung von Streifentests (Stix) oder die Urinuntersuchung
im Mikroskop sind nicht sensitiv genug, um damit die Diagnose einer Harnwegsinfektion,
insbesondere im ersten Lebensjahr, stellen zu können.
Empfehlung Nr. 5 : Definition einer positiven Kultur
Die klassische Limite beträgt ≥ 105 Keime
(CFU)/ml Urin. Allerdings kann bei jungen Kindern mit häufiger Blasenentleerung
bereits eine Urinkultur mit 104 Keimen (CFU)/ml Ausdruck einer Harnwegsinfektion
sein. Diese Besonderheit muss natürlich unter Berücksichtigung anderer klinischer
und infektiöser Parameter bei der Beurteilung berücksichtigt werden.
Empfehlung Nr. 6 : Antibiotische Therapie
- Bei klinischem Verdacht einer Pyelonephritis bei Säuglingen in den ersten
drei Lebensmonaten wird initial als Therapie empfohlen:
- Amoxicillin (100 mg/kg/d i.v. in 4 Dosen) in Kombination mit einem
Aminoglykosid, danach Weiterführen der Therapie gemäss Antibiogramm.
- Bei klinischem Verdacht einer Pyelonephritis bei älteren
Kindern (> 3 Monate) werden folgende Therapien empfohlen :
Erste Wahl:
- Cephalosporin der dritten Generation, z.B. Ceftriaxon
50 mg/kg/d
i.v. in 1 Dosis. Im Falle der Verwendung eines Cephalosporins hat die
Schweizer Studie (siehe Anhang) gezeigt, dass eine i.v.-Applikation
während drei Tagen ausreichend ist und anschliessend die Therapie mit
einem oralen Cephalosporin der dritten Generation [1]
für eine totale Behandlungsdauer von 10-14 Tagen weitergeführt werden
kann.
[1] z.B : Cefixim 8 mg/kg/d
in zwei Dosen, Ceftibuten 9 mg/kg/d in einer Dosis, Cefpodoxim 8
mg/kg/d in zwei Dosen
Zweite Wahl:
- Amoxicillin + Aminoglykosid i.v. initial, und Weiterführen der Therapie
gemäss Antibiogramm. Die optimale Dauer der i.v.-Therapie wurde für
solche Antibiotika-Kombinationen nicht untersucht.
- Bei klinischem Verdacht einer Zystitis (Kind afebril),
wird als initiale Therapie empfohlen :
- Cotrimoxazol [2]
- Céphalosporin der dritten Generation [3]
- Amoxicillin + Clavulansäure [4]
- Ampicillin [5]
[2] Sensibilité de l'E coli in vitro en
2000: 68%
[3] Sensibilité de l'E coli in vitro en
2000: 99%
[4] Sensibilité de l'E coli in vitro en
2000: 77%
[5] Sensibilité de l'E coli in vitro en
2000: 56%
Empfehlung Nr. 7 : Bildgebende Abklärung während der akuten Phase der Infektion
Im Rahmen einer ersten Harnwegsinfektion wird ein
Ultraschall der Nieren und Harnwege zum Ausschluss resp. Nachweis einer (obstruktiven)
Malformation durchgeführt.
Die DMSA-Szintigraphie zählt nicht zu den Routineuntersuchungen
in der akuten Phase einer Pyelonephritis.
Empfehlung Nr. 8 : Bildgebende Untersuchungen im Anschluss an die Urininfektion
Zwei bis sechs Wochen nach der akuten Phase einer Harnwegsinfektion
wird eine Miktions-Cysto-Urethrographie (MCUG) zum Ausschlus resp. Nachweis
eines vesiko-ureteralen Refluxes sowie anderer vesikaler Pathologien, wie z.B.
einer Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie oder beim Knaben von posterioren Urethralklappen,
durchgeführt.
Eine Kontroll-DMSA-Szintigraphie kann 6 Monate nach einer
Pyelonephritis durchgeführt werden und ermöglicht die Identifikation von Nierenparenchymnarben.
Empfehlung Nr. 9 : Indikation einer antibiotischen Dauerprophylaxe
Eine antibiotische Dauerprophylaxe
erfolgt im Falle eines vesiko-ureteralen Refluxes; ausserdem
bei rezidivierenden Pyelonephritiden, anderen urologischen Missbildungen oder
Miktionsstörungen während des Tages (diurna). Die empfohlenen Antibiotika sind:
- Bei Kindern in den beiden ersten Lebensmonaten:
Amoxicillin: 10 mg/kg in 1-2
Dosen
- Bei > 2 Monate alten Kindern :
Cotrimoxazol: 1 - 3 mg/kg Trimethoprim-Anteil in 1- 2 Dosen
Trimethoprim: 1 - 3 mg/kg in 1 - 2 Dosen
Nitrofurantoin: 1 - 2 mg/kg nach dem 3. Lebensmonat in 1 - 2 Dosen
Es gibt keine standardisierte Empfehlung
für die Dauer der antibiotischen Prophylaxe. Einige Zentren stoppen die Prophylaxe
bei Mädchen mit 4 - 6 Jahren und bei Knaben mit 2 - 5 Jahren, wenn es zu keinen
Pyelonephritis-Rezidiven kommt. Andere Zentren verschreiben die Prophylaxe bis
zum nachgewiesenen Verschwinden des Refluxes. Bei Mädchen kann eine Prophylaxe
unabhängig vom Alter und unabhängig vom Vorhandensein eines vesiko-ureteralen
Refluxes indiziert sein, wenn immer wieder Harnwegsinfektionen auftreten.
Empfehlung Nr. 10 : Urin-Kulturen während des Follow-up
Beim Vorliegen eines vesiko-ureteralen Refluxes werden Urinkulturen bei
allen klinischen Zeichen einer Harnwegsinfektion empfohlen. In einigen Zentren
werden systematisch monatliche Urinkkontrollen in den ersten drei Monaten nach
einer Harnwegsinfektion und danach in dreimonatigen Intervallen durchgeführt.
Empfehlung Nr. 11 : Abklärung von Miktionsproblemen während des Tages
Spezielle Aufmerksamkeit muss Miktionsproblemen
während des Tages (diurna), die nach einer Infektion persistieren, geschenkt
werden.
Empfehlung Nr. 12 : Wann muss ein vesiko-ureteraler Reflux operiert werden
Die Operation eines vesiko-ureteralen Refluxes wird
empfohlen, wenn die Durchführung einer antibiotischen Dauerprophylaxe ungenügend
oder zweifelhaft ist (ungenügende Compliance), oder wenn trotz Prophylaxe weitere
Harnwegsinfektionen auftreten.
Letzte Korrektur : 20.4.2004
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