Nutzen einer Informations- und Beratungsstelle über Impffragen
Erste Bilanz für Infovac-Ped


Einleitung

Vor etwas mehr als einem Jahr entstand die Idee für Infovac-Ped, einer Stelle zur Information, Beratung und Fortbildung betreffend Impfungen im Kindes- und Jugendalter. Auf Vorschlag der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie wurde durch das "Centre de Vaccinologie" der Universität Genf ein Pilotprojekt erstellt und ausgearbeitet. Durch die rasche Entwicklung im Bereich der Impfungen sowie durch spezielle Fragestellungen betreffend Anpassung des üblichen Impfschemas ("Aufholimpfungen", Auslandreisen etc.), besondere Vorsichtsmassnahmen (Nebenwirkungen?) und Kontraindikationen besteht ein zunehmendes Informationsbedürfnis. Infovac-Ped soll den Kinderärzten ermöglichen, diesem besser gerecht zu werden.

Unter der Schirmherrschaft der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie und des Bundesamtes für Gesundheit stellt Infovac-Ped seit dem ersten April des letzten Jahres eine kostenlose Beratungsstelle (bevorzugt per e-mail unter der Adresse infovac@medecine.unige.ch oder per Fax) zur Verfügung. Die Auskünfte erfolgen, in akademischer Freiheit und in eigenem Namen, durch die Mitglieder (Pädiater) der Schweizerischen Kommission für Impffragen oder deren direkte Mitarbeiter. Weiterhin werden regelmässig Bulletins über die Registrierung und Empfehlung neuer Impfstoffe sowie die am häufigsten gestellten Fragen herausgegeben.

Nach Ablauf einiger Monate der Pilotphase soll eine erste Bilanz gezogen werden, um die Nützlichkeit und somit die Zukunft des Projektes zu prüfen.


Zielpublikum

Um eine Überlastung während der Pilotphase zu vermeiden, wurde die Schaffung von Infovac-Ped initial nur beschränkt publik gemacht: In der Paediatrica (inklusive web site der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie), im Journal des Forum für Praxispädiatrie sowie als Beilage in der Dokumentation anlässlich der Jahresversammlung der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (Morges, Juni 2000). Ohne Rückgang der Häufigkeit erfolgten durchschnittlich 35 Einschreibungen monatlich, insgesamt 246 bis zum 31. Oktober 2000. Die Mehrzahl davon sind Pädiater mit Praxistätigkeit (200), zusätzlich einige Allgemeinpraktiker (20) sowie Ärzte des öffentlichen Gesundheitswesens (Kantonsärzte, Schulärzte etc.). Die geographische Verteilung der Einschreibungen ist in Abbildung 1 dargestellt. Diese scheint derzeit vielmehr die Kenntnis der Existenz (grosse Zunahme der Beteiligung in den Kantonen Genf und Waadt im Anschluss an den Kongress in Morges) als Unterschiede im Interesse an der Dienstleistung zu widerspiegeln. Unabhängig der grossen Anzahl Einschreibungen aus der Westschweiz bevorzugt die Mehrheit (55%) der registrierten Ärzte die deutsche Sprache zur Korrespondenz. Wenngleich die Einschreibungen und Korrespondenz zumeist per elektronische Post erfolgt, verfügen 46 von 246 Teilnehmern (18%) über keinen Zugang zu diesem Kommunikationsmittel. Mit wachsender Verbreitung der Kenntnis um die Existenz von Infovac-Ped, ist mit einer deutlichen Zunahme des Anteiles an Korrespondenz per Fax zu rechnen.


Abbildung 1


Aktivitäten

Zwischen April und Oktober 2000 wurden sieben Informationsbulletins herausgegeben, beinhaltend Mitteilungen des Bundesamtes für Gesundheit und von Herstellern betreffend die Registrierung neuer (Konjugat-Impfstoff gegen Pneumokokken, tetra- und pentavalente Impfstoffe) und Rückzug von anderen Impfstoffen. Weitere Informationen betrafen die Anwendung der Mantoux-Probe vor BCG-Impfung, eine Röteln-Epidemie in Holland, die Erkrankung mit Meningokokken der Serogruppe C bei Pilgern nach der Rückkehr aus Mekka, den optimalen Zeitpunkt der Impfungen im zweiten Lebensjahr sowie die bevorzugte Applikationsart von Impfungen (intramuskulär versus subkutan). Die Grundlagen der Hepatitis B Impfung in zwei Einzeldosen bei Adoleszenten (Gen H-B-Vax® adult) wurden durch Experten dargelegt sowie deren Rationale, die nasale Grippeimpfung bei Kinder nicht zu empfehlen, trotz deren Zulassung in der Schweiz für Kinder ab dem vollendeten fünften Lebensjahr. Weiterhin wurden Stellungnahmen zu Pressemitteilungen betreffend "Entschädigung von Opfern der Hepatitis B Impfung in Frankreich" und den Rückzug eines Polio-Impfstoffes in England, bei welchem während der Herstellung ein Kontakt mit Serum bovinen Ursprunges nicht ausgeschlossen werden konnte, erstellt.

Zusätzlich wurden monatlich durchschnittlich 50 (total 346) Fragen durch die Experten beantwortet. Die Antworten erfolgten zumeist innerhalb 24 Stunden, in jedem Fall jedoch spätestens 48 Stunden nach Eingang der Fragen. Die Anzahl gestellter Fragen pro eingeschriebenen Arzt ist in Abbildung 2 zusammengestellt: 106 (41%) stellten bislang keine Frage (erhielten jedoch die Informationsbulletins), 26% liessen sich eine Frage beantworten, 13% äusserten zwei und 7% drei Fragen.

Die Fragen lassen sich einerseits nach Impfstoffen und andererseits nach Kategorien des Inhaltes einteilen (Tabelle 1). Die Anfragen betrafen sämtliche üblichen Impfstoffe. Bemerkenswert ist, dass betreffend BCG- und Grippeimpfung (beide reserviert für einen geringen Anteil aller Kinder) gleich viele Fragen wie bezüglich MMR-Impfung gestellt wurden. Die verschiedenen Hepatitis-Impfstoffe gaben gleich häufig Anlass zu Fragen, wie die kombinierten Impfstoffe (DTPa-IPV-Hib) für das Säuglingsalter. Am häufigsten erfolgten Auskünfte betreffend Impfindikation (28%), dies jedoch nicht speziell im Zusammenhang mit Auslandreisen (nur 7%). Weiterhin wurden Informationen über minimale Anzahl an Impfungen, Dosierungsintervalle und Impfkalender (18%), nicht jedoch ausschliesslich im Zusammenhang mit sogenannten Aufholimpfungen (12%), eingeholt. Nebenwirkungen waren in 12 und Kontraindikationen in 8 Prozent Grund der Anfrage. Letztlich wurden verschiedene Auskünfte betreffend Bedenken von Eltern sowie Aussagen in der Presse eingeholt.


Abbildung 2

Tabelle 1


Positive Bilanz

Eine systematische Untersuchung über die Bedeutung von Infovac-Ped wurde bislang nicht durchgeführt. Die grosse Anzahl Fragen während der Pilotphase und die vielen spontanen Zusendungen mit Dank und Ansporn lassen jedoch indirekt darauf schliessen. Das einfache System mit einer einzigen Anschrift für sämtliche Anfragen, betreffend ein komplexes Gebiet mit vielen involvierten Stellen (Produzenten, Gesundheitsbehörden, etc.), scheint besonders geschätzt. Auch der regelmässige Versand (elektronisch) von Informationsbulletins, wodurch sich die Informationssuche für den Einzelnen reduziert, stiess bislang auf positives Echo.

Seitens der Experten kann ebenfalls eine positive Bilanz gezogen werden. Der durchschnittliche Zeitaufwand zur Beantwortung der Fragen (ca. 15 Minuten) wurde evaluiert und ebenso die Bedeutung einer regelmässigen gegenseitigen Absprache (teilweise auch vor Beantwortung komplexer Fragen), um eine Einheitlichkeit der Antworten zu erreichen. Die Beantwortung der Fragen dient auch der Vergrösserung des eigenen Wissens der Experten, denn bisweilen müssen neue Informationen und Referenzen gesucht sowie allgemeingültige Meinungen hinterfragt werden.

Infovac-Ped soll in erster Linie zu einer akademisch unabhängigen und glaubwürdigen Stelle für Information und Fortbildung betreffend Impfungen im Kindes- und Jugendalter werden. Um dies zu erreichen werden sämtliche Informationsquellen überprüft, die Informationsbulletins durch die Schweizerische Kommission für Impffragen validiert und das Bestreben nach medizinisch-wissenschaftlichen Stellungnahmen in den Mittelpunkt der Bestrebungen gestellt.

Nach den ersten Monaten der Pilotphase darf eindeutig eine positive Bilanz gezogen werden. Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie und das Bundesamt für Gesundheit haben entsprechend die weitere Unterstützung zugesichert. Deren praktische Durchführung (Entlöhnung der Experten, administrative Unterstützung, Versand der Informationsschriften an alle Mitglieder der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie, web site mit geschütztem Zugang, etc.) wird derzeit evaluiert. Weiterhin sind Kontakte mit anderen Fachgesellschaften (Kollegium für Hausarztmedizin, Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin, Tropimed, etc.) vorgesehen, um das Angebot der Dienstleistungen von Infovac-Ped gegebenenfalls allen interessierten Ärzten zur Verfügung zu stellen.

Es ist nicht zu spät um sich einzuschreiben!


Claire-Anne Siegrist, Genf


Übersetzung : R. v. Vigier, Bern

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Dernière mise à jour du site: 25.06.2008