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Die Sozialpädiatrie auf dem Wege der Utopie
Der Schweizer Unternehmerverband und die Schweizer Wirtschaft besinnen sich auf eine familienfreundliche Politik : mehr Kinderkrippen täten not (2). Wir KinderärtzInnen sind dagegen immer noch beim Überlegen. Überlegen ist wichtig. Hoch mit den Überlegungen, die seit 1962 weitergehen. Vielleicht braucht es noch mehr Überlegungen. Unser langes Nachdenken hat aber doch etwas gebracht : die Utopie der Sozialpädiatrie. Die postmoderne Gesellschaft scheint die Sozialpädiatrie noch ganz zu entmutigen : vor kurzem erschien die Antwort der Wissenschaft auf die Frage "Was macht die Menschen glücklich?" und diese lautete : "Liebe, Geld und ja keine Kinder" (3). Das postmoderne Kind wird also zum totalen Risiko und die KinderäztIn zur ohnmächtigen ZuschauerIn. Aber bitte, kein Verzicht : die Sozialpädiatrie soll als Utopie weiterleben und bald Früchte tragen. Beginnen soll man mit einer guten Laune und mehr Zeit vor einem Risiko-Kind , dann kommen neue Überlegungen nach gezielten Fortbildungen (hoffentlich bald auch guten Weiterbildungen!), dann wird man viele gute Adressen im Sack haben (interdisziplinäre Betreuung) und schliesslich ein effizientes persönliches Kochbuch für Kinder , welche nicht schlafen, nicht folgen, Schulprobleme haben oder aggressiv sind. Aber das alles soll immer nur eine kraftvolle Utopie bleiben, sonst herrscht bald die totale Frustration (vor allem am Abend vor dem Fernseher bei der Tagesschau). Utopie ist kein Traum (der zu viele Emotionen enthält) und auch kein Wahnsinn (der gefährlich ist). Utopie ist ein positives Gefühl, welches uns die Kraft gibt, mit kleinen Schritten unserem Ziel näher zu kommen. Welchem Ziel? Es gibt nur ein Ziel: die bessere Lebensqualität (und nicht nur die Gesundheit im engeren Sinne) der Kinder, die die Eltern uns anvertrauen. Der nächste Satz gehört Lennart Köhler aus Göteborg (4) : - If we insist on equating child public health with paediatrics, we will always remain on the periphery of medicine, when we could instead be at the centre of the child health. - Das Zentrum der globalen Gesundheit des Kindes liegt in seiner Familie und in seiner sozialen Umgebung, wie auch täglich in den Zeitungen zu lesen ist . Deshalb habe ich auch in der Tagespresse einige Referenzen gesucht. Die Utopie der Sozialpädiatrie ist eine grosse kreative Kraft, die uns helfen kann, kulturelle Therapien zu erfinden und vor allem menschliche Beziehungen mit unseren leider meist unangenehmen "armen" ( im weiterem Sinne des Wortes ) Patienten zu pflegen. Die Utopie hilft uns schliesslich, unsere Identität als KinderärtzIn nicht in der Humangenetik zu suchen, sondern im schönsten Gebiet unseres Berufes, das heisst in der Sozialpädiatrie.
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