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Die Zöliakie und ihr neuer diagnostischer Marker, der Anti-Tissuetransglutaminase (TTG) Antikörper


Gluten ist der Proteinanteil des Weizens, der Gerste und des Roggens, der dem Mehl die Eigenschaft des Klebens verleiht und es zum Backen von Brot geeignet macht. Der alkohollösliche Anteil des Glutens enthält die sogenannten Prolamine, welche wegen ihres hohen Prolin- und Glutamingehaltes für die Dünndarmschleimhaut eines Zoeliakiepatienten toxisch sind.

Der Antiendomysium IgA -Antikörper ist der spezifischste diagnostische Marker der Zoeliakie. 1997 wurde die Tissuetransglutaminase (TTG) als eines der Antigene dieses  Autoantikörpers erkannt (1). Die TTG ist ein ubiquitäres intrazelluläres Enzym, welches kovalente Bindungen zwischen Proteinen katalysiert. Als Katalysator ist die TTG spezifisch für glutamylabgebende Proteine, und damit für Gliadine. Im Falle eines Zellschadens gelangt die TTG in den Extrazellulärraum, wo es sowohl eine irreversible Bindung zwischen einzelnen Gliadinen katalysieren als auch selbst eine Bindung mit Gliadinen eingehen kann (1). Die so entstehenden Proteinverbindungen sind Neoantigene. Sie führen einerseits zur Bildung der Antigliadin- oder Anti-TTG-Antikörpern der IgA und IgG-Klasse, und andererseits zur Aktivierung von lokalen gliadinspezifischen T-Lymphozyten und damit zur entzündlichen Reaktion und zur Destruktion der Dünndarmschleimhaut (2).

Dem Anti-TTG-Antikörper wird auch eine pathogenetische Wirkung zugesprochen. Dieser Antikörper kann nämlich die Wirkung des Transforming Growth Factor b hemmen, was zu einer Hemmung der Differenzierung von Kryptenepithelzellen der Dünndarmmukosa führt (3). Ohne die Hilfe des TGFb kann sich kein Darmzottenepithel bilden.

Da die TTG-Gliadin Komplexe als das wichtigste Antigen des Antiendomysium-Antikörpers erkannt wurden, ist von den Anti-TTG- Antikörpern eine ähnliche Sensitivität und Spezifität zu erwarten wie von den Antiendomysium Antikörpern. Tatsächlich besteht eine gute Korrelation zwischen den beiden Testen (4), allerdings mit geringfügig niedrigerer Sensitivität (92%- 100%), Spezifität (94% bis 98%) und Positive Predictive Value (94% bis 98%) für die Anti-TTG –Antikörper der Klasse IgA im Vergleich zum Antiendomysium IgA-Antikörper.  Dabei sind Reinheit und Herkunft des für den Nachweis von Anti-TTG- IgA-Antikörpern verwendeten Antigens für Testqualität und Testresultat von entscheidender Bedeutung (5,6).

Die Bestimmung der Anti-TTG-IgA geschieht mittels ELISA. Dieser Test ist einfach durchführbar und die Resultatinterpretation ist nicht wie beim Antiendomysium-Antikörper vom Untersucher abhängig. Der Test eignet sich deshalb sowohl als Screeningtest für die Zöliakie als auch für die Verlaufskontrolle bei Zöliakiepatienten unter gliadinfreier Diät. Im Moment empfiehlt es sich jedoch noch, den Verdacht auf eine Zöliakie mittels Bestimmung von Antiendomysium-Antikörpern zu erhärten. Für die Bestimmung der Anti-TTG-IgA braucht es, genau wie für die anderen  Zoeliakie-Antikörper Serum oder Plasma. Grössere Laboratorien in der Schweiz führen diese Bestimmung durch (Institut Viollier schickt es ans IKMI St. Gallen, wird den Test selbst auch einführen;  Universitätsspital Zürich (1ml EDTA-Blut für die ganze Serologie); IKMI St. Gallen (2ml Vollblut, für die ganze Serologie). Es braucht dazu nichthämolysiertes Blut. Dieses kann kapillär oder venös gewonnen werden. Die Normwerte werden von jedem Labor selbst definiert und als absolute Zahl angegeben. Es handelt sich dabei um die Messung einer  optischen Dichte.


Zusammenfassung:

Als Screening für die Zöliakie empfiehlt es sich, Antigliadin-IgG und –IgA sowie Anti-TTG-IgA zu bestimmen. Dabei sollten immer auch die Gesamt-IgA bestimmt werden, da der IgA-Mangel bei Zöliakiepatienten gehäuft vorkommt (3%). Bei Verdacht auf Zöliakie, Bestätigung durch Antiendomysium-IgA. Die Histologie der Dünndarmschleimhaut wird weiterhin als Diagnosekriterium verlangt. Die Bestimmung des Anti-TTG-IgA eignet sich zur Verlaufskontrolle bei Zöliakiepatienten unter Diät.


Denise Herzog

St. Gallen

 

Referenzen :

  1. Dietrich W, Ehnis T, Bauer M, Donner P, Volta U, Riecken EO, Schuppan D. Identification of tissue transglutaminase as the autoantigen of celiac diasease. Nat Med 1997;3:797-801
  2. Molberg O, MacAdam SN, Korner R, Quarsten H, Christainsen C, Madsen L, Fugger L, Scott H, Noren O, Roepstorff P, Lundin KEA, Sjostrom H, Sollid L. Tissue transglutamianse selectivity modifies gliadin peptides that are recognized by gut-dereived T cells in celiac disease. Nat Med 1998;4:713-717.
  3. Halttunen T, Mäki M. Serum IgA from patients with celiac disease inhibits human t84 intestinal crypt epithelial cell differentiation. Gastroenterology 1999;116:566-572.
  4. Sulkanen S, Halttunen T, Laurila K, Kolho KL, Korponay-Szabo IR, Sarnesto A, Savilahti E, Collin P, Mäki M. Tissue-transglutaminase autoantibody enzyme-linked immunosorbent assay in detecting celiac disease. Gastroenterology 1998;115:1322-1328.
  5. Hansson T, Dahlbom I, Hall J, Holtz A, Elfman L, Dannaeus A, Klareskog L. Antibody reactivity against human and guinea pig tissue transglutaminase in children with celiac disease, J Pediatr Gastroenterol Nutr 2000;30:379-84.
  6. Stern A et al. Ring test results and perspectives. 5th EMRC/ESPGHAN Workshop, Trieste, Italy, Nov 1998.

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Dernière mise à jour du site: 08.05.2008