Frage an den Spezialisten: Ist die
Diagnose einer konnatalen Zytomegalie im Nachhinein in der Schweiz möglich?
Zur ätiologischen Abklärung von Schwerhörigkeit gehört die Evaluation
einer eventuellen konnatalen Zytomegalie. Jenseits des Alters von einigen
Monaten sind Serologie und Virusnachweis im Urin bezüglich Zeitpunkt der
Infektion nicht mehr konklusiv. Eine Studie von P.J. Hugo Johansson et al2
zeigt nun, dass die Diagnose einer konnatalen Zytomegalie im Alter von 12 – 18
Jahren im Nachhinein gestellt werden kann, indem die DNA des Zytomegalie-Virus
durch PCR im vom neonatalen Screening her aufbewahrten Filterpapier nachgewiesen
werden kann. Dieser Nachweis muss auch in den benachbart gelagerten
Filterpapieren durchgeführt werden, da durch die Lagerung ein DNA-Transfer
stattfinden kann.
Ist es möglich, solche Untersuchungen in der Schweiz durchzuführen? Wie
müsste man vorgehen?
R. Tabin, Sierre (Übersetzung: U. Lips, Zurich)
Antwort :
Der Nachweis von CMV- DNA aus Filterpapier der Guthrie-Karten mit Hilfe der
Polymerase Kettenreaktion (PCR) wurde schon in mehreren Publikationen
beschrieben (Shibata et al.19941;Johansson
et al. 19972; Fischler et al. 19993). Diese Methode ist im Moment sicher noch nicht geeignet
um Routineuntersuchungen bei Neugeborenen durchzuführen. Um retrospektive
Studien zu machen, zum Beispiel bezüglich kongenital erworbener
Schwerhörigkeit, scheint mir diese Methode aber sehr vielversprechend zu sein.
Es gibt allerdings einen Punkt der zu beachten: ist Die Guthrie-Karten werden je
nach Laboratorium bei verschiedenen Bedingungen aufbewahrt. Wir zum Beispiel
autoklavieren die Guthrie-Karten und anschliessend werden diese bei
Raumtemperatur gelagert. Andere Laboratorien bewahren die Guthrie-Karten bei –30°C
auf. Diese individuellen Aufbewahrungsmethoden haben sicher einen Einfluss auf
die Nachweisgrenze von CMV-DNA. Des weiteren sehe ich auch einen Zusammenhang
zwischen der Art der Aufbewahrung und der von Johansson (Johansson et al. 19972) angesprochenen Gefahr des DNA Transfers von
nebeneinander gelagerten Guthrie-Karten.
Ch. Niederhauser, Bern4
[1] M. Shibata, H. Takano, T. Hironaka, K. Hirai
: Detection of human cytomegalovirus DNA in dried newborn blood filter paper. J.
Virol. Methods.1994;46: 279-285.
[2] P.J.H. Johansson, M.Jönsson, K.Ahlfors,
S.A. Ivarsson, L. Svanberg and C. Guthenberd : Retrospective diagnostics of
congenital cytomagalovirus infection performed by polymerase chain reaction in
blood stored on filter paper. Scand Infect Dis 1997 :465-468.
[3] B. Fischler, P. Rodensjö, A. Nemeth,
M.Forsgren, I. Lewensohn-Fuchs : Cytomegalovirus DNA detection on Guthrie cards
in patients with neonatal cholestasis. Arch Dis Child Fetal Neonatal Ed 1999; 80
:F130-F134.
[4] Adresse :
Dr phil.nat.FAMH Ch. Niederhauser
Leiter Labordiagnotik
BSD SRK Bern AG
Wankdorfstrasse 10
3022 Bern
Tel : 031 330 03 40
e-mail : Christoph.Niederhauser@zlb.ch
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