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Helicobacter pylori im Kindesalter:
Wie testen – wen testen - wann testen?
Einführung
H.pylori gehört zu den weltweit verbreitetsten Infektionen und wird wie die
meisten intestinalen Erreger im Kindesalter erworben1.
Während in Entwicklungsländern bei über 80% der Population eine
H.pylori-Besiedlung vorliegt, ist die Prävalenz in Europa und Nordamerika
abnehmend und liegt zur Zeit bei 30-50%2. Die
genaue Übertragungsart ist nicht bekannt, verschiedene Studien weisen auf das
Vorliegen einer faeko-oralen bzw. oro-oralen Transmission3
hin.
H.pylori und Krankheit
Verschiedene H.pylori-assoziierte Erkrankungen wie die chronische Gastritis,
das Ulkusleiden oder das Magenkarzinom sind gut dokumentiert. Im Kindesalter
sind das Magen– und Duodenalulkus klar mit dem Vorhandensein einer
H.pylori-Infektion assoziiert, und die Rezidivhäufigkeit lässt sich durch eine
adäquate Eradikation reduzieren4,5. Mögliche
Langzeitfolgen werden auf spezifische Bakterien- und Wirtseigenschaften
zurückgeführt. So scheint die Expression des cytotoxin-assoziierten Serum-Gens
A (cagA) die Intensität der chronischen Gastritis zu verstärken und die
Entstehung des peptischen Ulkus zu begünstigen6.
Sowohl beim Erwachsenen wie auch im Kindesalter stehen mehrere diagnostische
Möglichkeiten zum Nachweis einer H.pylori-Infektion zur Verfügung7. Während das diagnostische und therapeutische Vorgehen
beim Vorliegen eines H.pylori-assoziierten Ulkus klar sind8,
sind viele Fragen im Zusammenhang mit chronisch rezidivierenden Bauchschmerzen
im Kindesalter und der H.pylori-Besiedlung offen. Obwohl die
Erradikationsbehandlung in Einzelfällen zur Verbesserung von chronisch
rezidivierenden Bauchschmerzen führte9 und eine
Erradikation im Kindesalter möglicherweise eine wirksame Prävention von Ulkus
- und Magenkarzinom im Erwachsenenalter sein könnte, liegen nicht genügend
Daten vor, um ein generelles H.pylori-Screening bei chronisch rezidivierenden
Bauchschmerzen bzw. asymptomatischen Kindern zu empfehlen10.
Als Richtlinien zur Diagnostik und Therapie H.pylori-assoziierter
Erkrankungen im Kindesalter können die Empfehlungen der
ESPGHAN-Konsensus-Konferenz11 dienen (Tabelle 1). In diesen Richtlinien wird eine grosse
Zurückhaltung bei der Suche und Behandlung unspezifischer, möglicherweise
H.pylori-assoziierter Abdominalsymptome empfohlen.
Allerdings ist zu ergänzen, dass in einigen Ländern bei Kindern mit
chronisch-rezidiviernden Bauchschmerzen ein „test-and-treat“-Vorgehen
gewählt wird, d.h. eine primäre H.pylori-Diagnostik und Eradikationsbehandlung
(Omeprazol, Clarithromycin, Amoxicillin), durchgeführt wird, und nur bei
fehlendem Ansprechen eine endoskopische Abklärung folgt.
Tabelle 1: *ESPGHAN-Konsensus11
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H.pylori im Kindesalter:
- H.pylori verursacht eine chronische Gastritis im Kindesalter.
- H.pyori ist assoziiert mit Magen- und Duodenalulzera.
- Eradikation von H.pylori führt zur Ausheilung einer Gastritis.
- Eradikation führt zur Langzeitheilung des Duodenalenulkus.
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Diagnostik und Therapie:
- Im Kindesalter besteht keine spezifische Klinik, die für das Vorliegen
einer H.pylori-Infektion typisch ist bzw. eine Screening-Untersuchung bei
Kindern mit dyspeptischen Beschwerden rechtfertigt.
- Die Suche nach bzw. der Nachweis einer H.pylori-Infektion sollte nur dann
erfolgen, wenn die Symptome eine Eradikationstherapie rechtfertigen.
- Die Gastroduodenoskopie ist die empfohlene Untersuchung bei Kindern mit
dyspeptischen Beschwerden.
- Serologische Nachweisverfahren sind im Kindesalter ungeeignet.
- Der 13C-urea-Atemtest ist eine verlässliche diagnostische
Methode.
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*ESPGHAN: European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology
and Nutrition
Diagnostik:
Verschiedene Möglichkeiten der nicht-invasiven und invasiven Diagnostik zum
Nachweis einer H.pylori-Infektion stehen zur Verfügung.
Nicht-invasive Untersuchungsmöglichkeiten:
- 13C-Harnstoff-Atemtest: 13C-markierter
Harnstoff wird oral eingenommen und von Urease produzierenden H.pylori in C02
und Ammoniak hydrolisiert. Vor Einnahme und 30 Minuten nach Einnahme
des stabilen Isotops (13C) wird das gespaltene 13CO2
in der Ausatmungsluft gesammelt und mittels Infrarotspektrophotometrie bzw.
Atommassenspektrometrie gemessen. Diese Nachweismethode, insbesondere die
technisch weniger anspruchsvolle Infrarotspektrophotometrie, wurde im
Kindesalter gut validiert12,13,14.
- Nachweis von H.pylori im Stuhl (Stuhl-Antigen-Test): Diese
Untersuchung basiert auf dem Nachweis eines H.pylori-spezifischen Antigens im
menschlichen Stuhl15. Es handelt sich um einen
ELISA-Test (Premier Platinum HpSA Enzyme Immunoassay Meridian Diagnostics Inc,
Cincinnati, Ohio), welcher einen qualitativen Antigen-Nachweis ermöglicht.
Dieser Test ist bezüglich Sensitivität wie auch Spezitivität dem 13C-Harnstoff-Test
nur wenig unterlegen16 und ist im Gegensatz zum 13C-Harnstoff-Atemtest
ohne die Kooperation des Kindes durchführbar. Der Test kann zur primären
Diagnostik und zur Eradikationskontrolle durchgeführt werden17,18,19,
allerdings liegen keine Daten über die Zuverlässigkeit der Stuhluntersuchung
zur Eradikationskontrolle im Kindesalter vor.
Bei der praktischen Durchführung ist zu beachten, dass nur frische Stuhlproben
geeignet sind. Diese dürfen bis zur Analyse nicht länger als 72 Stunden
aufbewahrt und sollten in einem luftdichten Transportgefäss bei 2-8° C ins
Labor geschickt werden. Ist dies nicht möglich, sind die Proben sofort nach
Erhalt einzufrieren und im tiefgefrorenen Zustand ins Labor zu schicken.
- Serologischer H.pylori-Nachweis im Serum oder Schnellteste : Diese
Teste werden im Kindesalter nicht empfohlen, da weder genügend Daten über den
serologischen Verlauf einer H.pylori-Infektion im Kindesalter vorliegen noch ein
cutoff-Wert bekannt ist, welcher Informationen über den aktuellen
Infektionsstand liefert. Die Serologie ist daher auch zur Eradikationskontrolle
nicht geeignet.
Invasive Tests:
- Endoskopie/Biopsie zum H.pylori-Nachweis: Der endoskopische bzw.
histopathologische Nachweis einer H.pylori-Besiedlung ist die Referenzmethode im
Kindesalter. Mit diesen Methoden lassen sich auch eine H.pylori-assoziierte
Gastritis oder andere Pathologien wie das Duodenalulkus nachweisen.
- Urease-Test: Dieser Schnelltest basiert auf der Urease-Produktion des
H.pylori. Die Gewebsprobe aus dem Magen wird auf ein Harnstoff-haltiges Milieu
gesetzt. Die vorhandene Ureaseaktivität und damit verbundene Ammoniakbildung
lässt sich durch einen Farbumschlag nachweisen.
- PCR-Nachweis: DNA-Extraktion aus der Antrum-Biopsie. Anwendung bei
wissenschaftlichen Fragestellungen (Hybridisierung, Quantifizierung).
- Kultur: Ein kultureller Nachweis gelingt nur aus der Biopsie und
dient zur Bestimmung der Resistenzlage.
Zusammenfassung
Eine Vielzahl, auch im Kindesalter gut validierter, nicht-invasiver
H.pylori-Nachweismethoden steht zur Verfügung. Aufgrund derzeitiger
Erkenntnisse bestehen keine Gründe zum generellen H.pylori-Screening bei
Kindern oder Jugendlichen mit chronisch rezidivierenden Bauchschmerzen. Die
Eradikationskontrolle gilt als einzige gut dokumentierte Indikation zur
Durchführung eines H.pylori-Testes.
Die Wahrscheinlichkeit einer H.pylori-Infektion liegt bei Kindern aus
Entwicklungsländern deutlich höher als bei Kindern aus industrialisierten
Regionen.
Ein sog. „test-and-treat“-Verfahren, welches nach primäre
H.pylori-Nachweis eine Eradikation beeinhaltet, kann mangels klinischer Daten
nicht als Routine bei der Abklärung und Behandlung chronisch rezidivierender
Bauchschmerzen im Kindesalter empfohlen werden. Bestehen Bauchschmerzen, welche
auf das Vorliegen einer organischen Ursache deuten, wird die Durchführung einer
Endoskopie empfohlen. Bei Nachweis einer H.pylori-assoziierten Gastritis kann
eine Eradikationsbehandlung durchgeführt werden, dies jedoch mit dem Hinweis,
dass die Symptomatik bestehen bleiben könnte.
Weitere Studien und Langzeituntersuchungen sind notwendig, um die
Zusammenhänge zwischen einer H.pylori-Besiedlung, der Ursache chronisch
rezidivierender Bauchschmerzen und der Entwicklung des Magenkarzinoms im
Erwachsenenalter zu verstehen.
Dr. J. Spalinger
Luzern
E-mail: Johannes.Spalinger@ksl.ch
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