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Der erste Teil dieses Artikels ist in der Paediatrica erschienen (Vol.11 Nr.4 2000) Konjugierter Impfstoff gegen Pneumokokken :Erwartete Auswirkungen einer generellen Impfung der Kinder auf die Epidemiologie der Pneumokokken-Infektionen in der SchweizBernard Vaudaux1,
Claire-Anne Siegrist2 1 Avenue de la Gare 7, 1003 Lausanne 2 Centre O.M.S. de Vaccinologie et d’Immunologie Néonatale, Centre Médical Universitaire, 1 rue Michel-Servet, 1211 Genève 4 EinführungDie baldige Einführung des konjugierten, heptavalenten Pneumokokken-Impfstoffes Prevenar® auf dem Schweizer Markt wirft die Frage nach seiner allgemeinen Verwendung auf. Eine generelle Impfempfehlung für Kleinkinder, die bisher nicht formuliert wurde, ist abhängig von einer Reihe von Grundlagen (1), insbesondere von den erwarteten epidemiologischen Auswirkungen einer solchen Impfempfehlung für die Schweiz. Die Messung dieser epidemiologischen Auswirkungen geschieht in vier aufeinanderfolgenden Etappen : 1) Epidemiologische Studie der Pneumokokken-Infektionen in der Schweiz, 2) Vergleich der durch den Impfstoff abgedeckten Serotypen mit den isolierten Serotypen bei Kindern in der Schweiz, 3) Erfassung der Schutzwirkung des Impfstoffes gegen Pneumokokkeninfektionen und deren klinische Bilder, 4) Berechnung der epidemiologischen Auswirkungen aus der Gesamtheit der erwähnten Daten.
1. Epidemiologie der pädiatrischen Pneumokokken-Infektionen in der Schweiza) Invasive InfektionenDie in der Tabelle 1 gezeigten Inzidenzen stammen aus der retrospektiven Arbeit von Venetz & al(2), welche die hospitalisationsbedürftigen, invasiven Pneumokokken-Infektionen zwischen 1985 und 1994 einschliesst. Der Vergleich dieser Ergebnisse mit den internationalen Daten, insbesondere mit Finnland(3) , das eine vergleichbare Pneumokokkenmeningitis-Inzidenz aufweist, lässt eine starke Unterschätzung der Pneumonien und der Sepsisfälle bzw. der Gesamtheit der invasiven Infektionen in dieser Studie vermuten. Diese Unterschätzung ist durch die Tatsache erklärt, dass bei uns der Grossteil der entsprechenden Krankheitsbilder ambulant behandelt wurde und so nicht in diese Spital-Studie aufgenommen wurde. Diese Unterschätzung wurde mit den aktuellen Zahlen des BAG (4), zusammengefasst in der Tabelle 2, (vollständig ?) korrigiert. Diese prospektive Studie basiert auf den Meldungen der mikrobiologischen Laboratorien zwischen Januar 1998 und September 1999. Diese Zahlen, welche die Gesamtheit der invasiven Infektionen einschliessen, nähern sich merklich den finnischen Daten(3), die Inzidenzen von 45,5 für Kinder unter 2 Jahren und von 8,9 für Kinder unter 16 Jahren angeben.
Tabelle 2: Jährliche Inzidenz der invasiven Pneumokokken-Infektionen, 1998-1999 (angegeben als Fälle/100'000 Kinder der entsprechenden Altersgruppe)
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Altersgruppen
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< 2 Jahre
157'000 Kinder @ |
< 17 Jahre |
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| Gesamtheit der invasiven Infektionen |
54
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102
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| Meningitis |
9
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17
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| Pneumonie |
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2'300
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| Otitis media |
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44'000
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@ Bundesamt für Statistik; Stand am 31.12.98
Die vom Bundesamt für Gesundheit publizierten Daten (4) zeigen, dass die Pneumokokken, welche für die invasiven Infektionen in der Schweiz verantwortlich sind, durch den 7-valenten Impfstoff zu 73% (unter 2 Jahren), 70% (unter 5 Jahren) bzw. 64% (unter 17 Jahren) abgedeckt werden. Diese Zahlen berücksichtigen die Kreuzreaktionen, welche serologisch bewiesen sind (Serotypen 6B/6A) (8) oder epidemiologisch vermutet werden (Serotypen 9V/9N und 18C/18F).
Die Abdeckung der nicht-invasiven Pneumokokken in der Schweiz durch den Pn7V-Impfstoff ist nicht bekannt.
Die Schutzwirkung des 7-valenten Impfstoffes wurde im vorausgehenden Artikel (1) detailliert besprochen. Die Schutzwirkungsraten, die wir für die Berechnung der epidemiologischen Auswirkungen einer generellen Pneumokokken-Impfung brauchen, stammen aus einer amerikanischen Studie (9) und sind in der Tabelle 4 zusammengefasst.
Die Wahl dieser Schutzwirkungsraten bedarf eines Kommentars. Entgegen den Schutzwirkungsraten gegen die Gesamtheit der invasiven Infektionen und gegen die Meningitiden, die genau den Schutz vor Infektionen beschreiben, die auf Impfserotypen zurückzuführen sind, beziehen sich die für Otitiden und Pneumonien beschriebenen Raten auf die Gesamtheit der Pneumokokken-Otitiden und –Pneumonien, unabhängig vom Serotyp. Diese zwei letztgenannten Zahlen sind dementsprechend deutlich niedriger als die gemessenen Werte gegen Impfserotypen, die im letzten Artikel erwähnt wurden (1). Wir sind gezwungen so vorzugehen, denn wir haben keine Kenntnisse über die Prozentsätze der einzelnen Serotypen, die in der Schweiz für Otitiden und Pneumonien verantwortlich sind.
Tabelle 4: Schutzwirkung gegen Pneumokokken und ihre klinischen Krankheitsbilder.
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Schutzwirkung
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| Gesamtheit der invasiven Infektionen (exkl. Pneumonien) |
97 %
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| Meningitis |
97 %
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| Pneumonie |
11 %
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| Otitis media |
34 %
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Nach Black S, et al (Ref. 9)
Mit der Bestimmung der jährlich erwarteten Anzahl Pneumokokken-Infektionen, dem prozentualen Anteil der Impfserotypen an allen verantwortlichen Serotypen und der erwarteten Impfschutzrate ist es möglich, die epidemiologischen Auswirkungen des 7-valenten Impfstoffes abzuschätzen. Konkret lässt sich die Anzahl der Pneumokokken-Fälle berechnen, die durch eine generelle Impfung vermeidbar wäre und entsprechend auch die Anzahl der trotz Impfung verbleibenden Fälle. Die verfügbaren Daten sind in der Tabelle 5 (Kinder unter 2 Jahre) und in der Tabelle 6 (Kinder unter 17 Jahre) zusammengefasst.
Tabelle 5: Berechnung der epidemiologischen Auswirkungen der generellen Pneumokokken-Impfung im Säuglingsalter auf die Kinder unter 2 Jahre.
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Fälle pro Jahr in der Schweiz
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Abdeckung der Serotypen mit dem 7-valenten
Impfstoff
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Schutzwirkung des 7-valenten Impfstoffes
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Vermeidbare Fälle pro Jahr |
Bleibende Fälle pro Jahr
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| Gesamtheit der invasiven Infektionen |
54
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73 %
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97 %
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38
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16
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| Meningitis |
9
|
73 %
|
97 %
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6
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3
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Tabelle 6: Berechnung der
epidemiologischen Auswirkungen der generellen Pneumokokken-Impfung auf die
Gesamtheit der pädiatrischen Pneumokokken-Infektionen (< 17 Jahre).
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Fälle pro Jahr in der Schweiz
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Abdeckung der Serotypen mit dem 7-valenten
Impfstoff
|
Schutzwirkung des 7-valenten Impfstoffes
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Vermeidbare Fälle pro Jahr |
Bleibende Fälle pro Jahr
|
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| Gesamtheit der invasiven Infektionen |
102
|
64 %
|
97 % |
63
|
39
|
| Meningitis |
17
|
64 %
|
97 %
|
11
|
6
|
| Pneumonie |
2'300 cas
|
@
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11 % #
|
253
|
2'047
|
| Otitis media |
44'000 cas
|
@
|
34 % #
|
14'900
|
29'100
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@ Verteilung der
Serotypen unbekannt
# Schutzwirkung gegen alle Pneumokokken, unabhängig vom
Serotyp
Die Wirkung einer generellen Impfung der Kinder mit dem 7-valenten Impfstoff wäre für die Vorbeugung der invasiven Pneumokokken-Infektionen (Meningitis, Sepsis) speziell bei Kindern unter 2 Jahren, aber allgemein bei Kindern unter 17 Jahren sehr wichtig.
Obwohl die aktuellen Studien eine gewisse Wirksamkeit in der Prävention der bakteriologisch gesicherten Pneumokokken-Otitiden und –Pneumonien zeigen, wäre die Auswirkung einer generellen Impfung für die Prävention dieser Krankheitsbilder wahrscheinlich deutlich geringer, dies nicht zuletzt wegen der Vielfalt der ursächlichen Erreger. Man muss betonen, dass der Pneumokokken-Anteil an der Genese dieser Krankheiten in der Schweiz nur sehr ungenau abgeschätzt werden kann und deshalb vielleicht auch unterschätzt wird.
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