Poliomyelitis

Schweizerisches Referenzlabor für Poliomyelitis


Das BAG hat auf Anfang dieses Jahres das Labor für Virusdiagnostik am Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Basel zum Schweizerischen Referenzlabor für Poliomyelitis bestimmt. Vorgängig hatte die WHO das Labor als Nationales Poliovirus-Labor akkreditiert. Die Aufgaben des Labors stehen im Zusammenhang mit der Ueberwachung der Poliovirus-Zirkulation in der Bevölkerung der Schweiz. Diese Ueberwachung wird von der WHO gefordert, bevor die Schweiz offiziell als poliofrei deklariert werden kann.

Die Ueberwachung muss sicherstellen, dass in der Schweiz kein Polio-Wildtypvirus zirkuliert, resp. ein Auftreten eines solchen Virus, z.B. als Folge einer Einschleppung, erkannt wird. Die WHO akzeptiert dabei verschiedene Vorgehensweisen. Eine BAG-Kommission (Schweizerisches Komitee zur Bestätigung der Eradikation der Poliomyelitis) hat, nach Evaluation der technischen Möglichkeiten für eine solche Ueberwachung, die virologische Erfassung aller Fälle von akuter schlaffer Lähmung (acute flaccid paralysis, AFP) als die geeignetste und auch vom logistischen und finanziellen Aufwand her günstigste Variante gewählt.


Erfassung der AFP-Fälle

Bei allen AFP-Fällen bis zum 16. Altersjahr sollen zwei virologische Stuhluntersuchungen mit einem Abstand von 24 bis 48 Stunden durchgeführt werden. Die vollständige Erfassung aller AFP-Fälle, auch solcher mit aus neurologischer Sicht kleiner Poliowahrscheinlichkeit, soll sicherstellen, dass alle potentiellen Poliomyelitisfälle erfasst werden. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass die vollständige Erfassung der AFP-Fälle statistisch überprüft werden kann: man rechnet mit einem AFP-Fall pro Jahr pro 100'000 Jugendliche unter 15 Jahren, was heisst, dass für die Schweiz ca. 12 Fälle pro Jahr erwartet - und untersucht - werden müssen.


Vorgehen für die Stuhluntersuchung

Die Stuhluntersuchungen der AFP-Fälle sollen im Referenzlabor für Poliomyelitis durchgeführt werden. Sie werden durch das BAG finanziert, sind also für Patient/in und Einsender/in kostenlos. Das Labor führt die Isolierung und Typisierung der Polioviren durch und sendet alle Isolate an das europäische Referenzlabor, das Robert Koch Institut in Berlin weiter, wo sie gesammelt werden.

Als flankierende Massnahme werden die virologischen Labors gebeten, ab sofort sämtliche Poliovirus- oder poliovirusverdächtigen Isolate an das Referenzlabor zu senden, auch wenn es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit lediglich um Impfvirus, z.B. nach kürzlicher OPV-Impfung, handelt.


Material und Einsendung

Zur virologischen Untersuchung werden zwei Proben (nussgrosses Stück Stuhl) im Abstand von 24 - 48 Stunden entnommen und ohne Zusatz eingesandt. Kühlung ist nicht nötig. Formulare und Transportgefässe können beim Referenzlabor bezogen werden. Die Einsendung kann auch ohne spezielles Formular, aber unter Angabe von Patient, klinischer Diagnose (wichtig: AFP ja - nein) und Angabe der Impfanamnese, möglichst mit den Impfdaten, vorgenommen werden.


Mitgeteilt von:

Prof. K. Bienz


Adresse und Rückfragen

Schweizerisches Referenzlabor für Poliomyelitis
Institut für Med. Mikrobiologie der Universität Basel

Petersplatz 10
4003 Basel

Tel. Labor 061 267 3279
Fax 061 267 3298

Leitung: Prof. K. Bienz, Direktwahl 061 267 3290

e-mail : Kurt.Bienz@unibas.ch


Dernière mise à jour du site: 25.06.2008