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Epidemiologie und InfektionskrankheitenInvasive Pneumokokkeninfektionen in der Schweiz
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Material |
N |
% |
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Nur Blutkultur |
827 |
89,4 |
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Nur Liquor |
31 |
3,4 |
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Liquor- und Blutkultur |
16 |
1,7 |
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Pleuraflüssigkeit |
15 |
1,6 |
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Aszites/Peritonealflüssigkeit |
9 |
1,0 |
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Abszess |
8 |
0,9 |
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Gelenkflüssigkeit |
7 |
0,7 |
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Anderes Material |
12 |
1,3 |
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Total |
925 |
100 |
Die Alterskurve zeigte eine zweigipflige Verteilung mit einem Gipfel gegen das Ende des ersten Lebensjahres und einem weiteren Gipfel bei 73 Jahren. Das mediane Alter betrug 63 Jahre. Die pädiatrische Altersgruppe von 0 bis 16 Jahren umfasste 138 Patienten (15%), davon 63 im Alter unter 2 Jahren.
520 (56%) waren männlichen und 401 weiblichen Geschlechts, in 4 Fällen fehlten die Angaben. Abbildung 1 zeigt die Verteilung nach Altersklassen und Geschlecht.
In 554 Fällen wurden die Infektionen ausserhalb des Spitals erworben und bei 28 Patienten wahrscheinlich im Spital, bei den übrigen 343 Fällen fehlte eine Angabe. Wegen der grossen Zahl unbeantworteter Fragen nach dem Wohnort des Patienten und der Nichtteilnahme gewisser wichtiger Labors konnte die geographische Verteilung nicht analysiert werden. Die Kurve der monatlichen Häufigkeiten zeigte eindeutig eine Zunahme der Fälle in der kalten Jahreszeit (Abbildung 2).
Alle in den gegenwärtigen Impfstoffen vertretenen Kapseltypen kamen auch bei den Isolaten vor. Von den 925 untersuchten Stämmen entsprachen 855 (92,4%) den in den 23-valenten Impfstoffen enthaltenen Serotypen, 33 (3,6%) gehörten zu nicht darin enthaltenen Serotypen und 37 (4%) konnten nicht serotypisiert werden. Die am häufigsten vorkommenden Serotypen waren 14 (13%), 4 (11%), 1 (10%) und 9 (8%). Der Typ 14 überwog sowohl im Blut als auch im Liquor, während die Typen 2, 5, 8, 10, 11, 20, 22 und 33 in den Liquorproben fehlten. Die Verteilung der Serotypen nach dem Alter zeigte ein deutliches Überwiegen der Serotypen 14, 1, 19 und 6 in der Gruppe der 0- bis 16-Jährigen (Tabelle 2, Abbildung 3).
865 Stämme (93,5%) waren Penicillin-empfindlich, 50 (5,4%) intermediär und 10 (1,1%) waren resistent. Gesamthaft war also die Penicillin-Empfindlichkeit bei 6,5% der 925 getesteten Pneumokokkenstämme vermindert. Die 10 vollkommen resistenten Stämme betrafen ausschliesslich Erwachsene über 30 Jahren und gehörten zu den folgenden Serotypen: Typ 9 (4 Stämme), 14 (2), 23 (2), 22 (1), und ein nicht in Impfungen enthaltener Serotyp (1). Eine verminderte Penicillin-Empfindlichkeit (resistent oder intermediär) liess sich besonders für die Typen 9 (21%), 14 (17%) und 19 (16%) nachweisen. In der Gruppe der 0- bis 1-Jährigen war der Anteil sensibler Stämme am niedrigsten, indem 19% der Stämme intermediär waren. Tabelle 2 zeigt die Hauptmerkmale der Pneumokokken pro Altersgruppe.
Tabelle 2: Merkmale der Pneumokokken in verschiedenen
Altersgruppen
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0 – 1 Jahr |
2 – 4 Jahre |
5 - 16 Jahre |
17 - 64 Jahre |
³ 65 Jahre |
Total |
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Pneumokokken insgesamt
aus Liquor isoliert |
63 (6,8%) 49 9 |
30 (3,2%) 26 1 |
45 (4,9%) 34 7 |
348 (37,7%) 314 18 |
438 (47,4%) 404 12 |
925* 827 47 |
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3 häufigste Serotypen |
14, 19, 7 |
14, 1, 4 |
1, 14, 18 |
4, 14, 1 |
4, 14, 23 |
14, 4, 1 |
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Serogruppen der 23-valenten Impfstoffe |
95,2% |
100% |
95,5% |
89,3% |
93,6% |
92,4% |
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Serogruppen des 7-valenten Impfstoffs |
73,0% |
73,3% |
46,6% |
50% |
59,1% |
56,4% |
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Empfindlich auf Penicillin G |
81,0% |
96,7% |
97,8% |
94,5% |
93,8% |
93,5% |
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**Inzidenz: Fälle/100'000 Einwohner/Jahr |
34 |
8 |
3 |
5 |
31 |
9 |
* Ein Patient ohne Geburtsdatum wurde ausgeschlossen.
** Minimalwert, berechnet aufgrund der vom 1.10.98 bis 30.9.99 eingesandten
Stämme
Die Erhebung mittels Fragebogen bei mikrobiologischen Labors hat ermöglicht, die Inzidenz invasiver Pneumokokkeninfektionen im Jahr 1998 abzuschätzen. Es handelt sich um eine Schätzung, da Doppelmeldungen (Pneumokokken in Blut und Liquor, mehrfach erfasste Fälle) nicht ausgeschlossen werden konnten, so dass einige Patienten wahrscheinlich mehrfach gezählt wurden. Im übrigen fehlen wahrscheinlich Fälle, denn ausser den drei nicht antwortenden Labors wurden vielleicht noch weitere Labors bei unserer Umfrage nicht berücksichtigt, weil die Identifikation aller bakteriologischer Labors schwierig war. Die tatsächliche Inzidenz dürfte zwischen dem Wert in der prospektiven, nicht erschöpfenden Studie (9 Fälle/100'000 Einwohner und Jahr) und demjenigen der retrospektiven Studie (16 Fälle/100'000 Einwohner und Jahr) liegen. Genauere Daten werden ab dem laufenden Jahr erwartet, da nunmehr die Pneumokokken der kontinuierlichen landesweiten Überwachung im Meldesystem unterliegen.
Eine retrospektive Untersuchung der in 37 schweizerischen Kinderspitälern über 10 Jahre (1985-94) diagnostizierten invasiven Pneumokokkeninfektionen hatte eine geschätzte jährliche Inzidenz dieser Infektionen von 2,7 Fällen pro 100'000 Einwohner in der Altersgruppe der 0- bis 16-jährigen Kinder und von 11/100'000 bei den unter 2-Jährigen ergeben [5]. Diese Zahlen liegen weit unter den Ergebnissen der vorliegenden Studie, die für den Zeitraum 1.10.98 bis 30.9.99 eine Inzidenz von mindestens 7,2/100'000 in der Gruppe der 0- bis 16-Jährigen und von mindestens 34/100'000 in der Altersgruppe unter 2 Jahren ergab (Tabelle 2). Der Unterschied könnte entweder durch eine tatsächliche Zunahme der klinischen Fälle zu erklären sein oder durch eine Tendenz zur vermehrten Anforderung bakteriologischer Untersuchungen oder durch problematische Spitalstatistiken. In manchen Ländern nahmen die Meldungen tatsächlich zu, so in Schweden [6] oder in England und Wales mit einem Anstieg der Labormeldungen von Pneumokokken-Bakteriämien um 27% zwischen 1993 und 1997 [http://www.phls.co.uk/facts/bactert2.htm]. In der pädiatrischen Schweizer Untersuchung [5] überrascht die geringe Zahl der Bakteriämien im Verhältnis zu den Meningitiden: 228-mal erfolgte die Labordiagnose aufgrund von Blutkulturen und 154-mal in Liquorkulturen, entsprechend einem Verhältnis von Blut- zu Liquorkultur von 1,5:1 gegenüber 6,3:1 in der vorliegenden Studie. Wenn die auf Spitalstatistiken beruhende zitierte Studie nicht alle Bakteriämie-Fälle identifizierte (z.B. Kodierung unter anderen Diagnosen), wäre eine Unterschätzung der Inzidenz erklärt.
Die für die Schweiz bisher repräsentativste Studie [7] des Instituts für Mikrobiologie der Universität Zürich (351 invasive Pneumokokkenstämme aus 10 Labors, 1992-1994) ergab ähnliche Ergebnisse wie die vorliegende Studie: 91% der Pneumokokken waren durch die 23-valenten Impfstoffe abgedeckt, die Penicillin-Empfindlichkeit lag in der Grössenordnung von 93% (6% der Stämme waren intermediär und 1% resistent). Für die 90-er Jahre ist die Situation also ziemlich stabil, zumindest was die invasiven Keime betrifft.
In Bezug auf die Penicillin-Empfindlichkeit stellen wir eine immer noch günstige Situation fest, wesentlich besser als in anderen europäischen Ländern. In einer ähnlichen Studie in Spanien [8], wo das Problem resistenter Pneumokokken seit 1979 bekannt ist, betrug der Anteil wenig oder nicht empfindlicher invasiver Stämme im Zeitraum 1990-1996 39,4%. Bestimmte Serotypen erwiesen sich als besonders gefährlich: Typ 14 (95% der Stämme intermediär oder resistent), Typ 23 (85%), Typ 6 (82%) und Typ 9 (80%). In Frankreich waren von 2'060 Pneumokokken-Stämmen, die 1997 von den regionalen Beobachtungszentren aus Blutkulturen isoliert wurden, 10,3% bei Kindern und 9,6% bei Erwachsenen vollständig resistent [9]. In der vorliegenden Studie wurde nur die wachstumshemmende Wirkung von Penicillin G mittels einem orientierenden Oxacillin-Test und einem bestätigenden E-Test untersucht. Es ist vorgesehen, die Untersuchung zu verfeinern und in Verdünnungsreihen die minimalen Hemmkonzentrationen mehrerer Antibiotika bei diesen Isolaten zu bestimmen.
Die Bestimmung der Serotypen zeigte, dass 92% der bei uns vorkommenden invasiven Stämme zu den Serotypen gehören, die durch die 23-valenten Polysaccharid-Impfstoffe abgedeckt sind. Diese Impfstoffe sind jedoch bei Kleinkindern wegen geringer Immunogenität nicht indiziert. Für sie werden konjugierte Impfstoffe diskutiert. Leider enthalten diese neuen Impfstoffe eine beschränkte Zahl von Antigenen (4, 6, 9, 14, 18, 19 und 23), die höchstens 73% der bei Kindern unter 2 Jahren isolierten invasiven Pneumokokken abdecken.
Empfehlungen für die Verwendung der 23-valenten Impfstoffe wurden in der Schweizerischen Ärztezeitung publiziert [10]. Die Indikationen des neuen Impfstoffs für Kinder werden zur Zeit von der Schweizerischen Kommission für Impffragen beurteilt.
Das BAG dankt allen an der Studie beteiligten Labors und dem Institut für Mikrobiologie am CHUV, welches die Untersuchungen durchführte (Prof. J. Bille, Dr. E. Bannerman).
Abteilung Epidemiologie und Infektionskrankheiten
Sektion Bakterielle und parasitäre Krankheiten
Die neue, im März 1999 in Kraft gesetzte Meldeverordnung schreibt vor, dass die Labors dem BAG alle mittels Kultur bestätigten Fälle invasiver Pneumokokkeninfektionen mitteilen müssen. Eine Infektion gilt als invasiv, wenn der Keim aus Blut, Liquor oder von einer normalerweise sterilen Entnahmestelle (Pleura-, Gelenk-, Peritonealflüssigkeit usw.) isoliert wurde. Nicht hierzu zählen daher Auswurf, Bronchialsekret einschliesslich bronchoalveolärer Lavage, Eiter von Otitis, Sinuspunktate und oberflächliche Abstriche.
Die folgenden Informationen müssen auf dem Meldeformular eingetragen werden, wofür das offizielle Formular [http://www.admin.ch/bag/infreporting/Forms/D/index.htm] oder ein laboreigenes Formular verwendet werden kann:
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