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Betreuung der Neugeborenen von Müttern, die mit
Streptokokken der Gruppe B kolonisiert sind
Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie
1. Ziel dieser Empfehlungen
Diese Empfehlungen sollen den in die Betreuung von Neugeborenen
involvierten Pädiater in der Situation unterstützen, dass bei oder kurz
nach einer Geburt ein mit Gruppe B Streptokokken (GBS) positives
Abstrichresultat der Gebärenden vorliegt. Es soll ein sinnvolles Vorgehen
aufgezeigt werden, in Abhängigkeit davon, ob Risikofaktoren vorliegen und
ob eine Antibiotikaprophylaxe durchgeführt wurde.
Die Empfehlungen implizieren in keiner Weise ein Urteil darüber, in
welchen Situationen die Durchführung von Abstrichen für GBS sinnvoll sind
oder inwieweit ein generelles GBS-Screening in der Schweiz kosteneffektiv
wäre.
Auch eine Empfehlung darüber, in welchen Situationen eine intrapartale
Antibiotikaprophylaxe nützlich erscheint, würde den Rahmen dieses Textes
sprengen. Es sei lediglich darauf verwiesen, dass die Empfehlungen der
amerikanischen Centers for Disease Control1 bei
GBS-Kolonisation und zusätzlichen Risikofaktoren (Geburt < 37 SSW,
Blasensprung > 18 Std ap., Fieber sub partu) eine Prophylaxe für
indiziert, beim Fehlen von Risikofaktoren für vorschlagenswert halten.
2. Risiko der GBS-Sepsis
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Grundrisiko bei GBS-kolonisierter Mutter: |
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Termingeborenes ohne Risikofaktoren und ohne
antibiotische Prophylaxe2 |
6 / 1000 |
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Erhöhung des Risikos: |
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bei Risikofaktoren
Geburt < 37 SSW, Blasensprung > 18 Std ap, Fieber sub
partu3 |
x 12.5 |
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bei Geburtsgewicht < 2000g4 |
x 25 |
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Reduktion des Risikos: |
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antibiotische Prophylaxe > 4 Std. a.p. 2 |
x 0.03 |
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3. Prinzipien der vorgeschlagenen Empfehlungen
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Übernahme der beiden Grundprinzipien der CDC-Empfehlungen1: |
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Infektlabor nur bei Neugeborenen von GBS-kolonisierten
Müttern mit erhöhtem Risiko,
nicht als Screening bei allen (geringer Vorhersagewert bei
niedriger Prävalenz) |
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Antibiotische Behandlung nur bei Verdacht auf Sepsis
(klinische Symptome oder auffälliges Labor),
nicht bei völlig unauffälligem Kind mit erhöhtem Risiko |
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Anpassung des Vorgehens im Detail an schweizerische Verhältnisse |
4. Vorgehen in Gebärsaal und Wochenbettstation
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alle Neugeborenen mit infektverdächtigen Symptomen |
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alle Frühgeborenen < 35 SSW |
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andere Neugeborene mit Risikofaktoren (Geburt < 37 SSW,
Blasensprung > 18 Std. a.p., Fieber sub partu, GBS Sepsis bei
vorhergehendem Geschwister) und fehlender oder verspäteter (< 4
Std. a.p.) antibiotischer Prophylaxe |
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| ® brauchen
eine intensivierte Äbklärung, Überwachung und gegebenenfalls
antibiotische Behandlung |
| ® d.h. in
der Regel Verlegung auf eine Neonatologieabteilung |
Eine perorale oder
intramuskuläre antibiotische Behandlung auf der Wochenbettstation
soll bei möglicher GBS-Infektion grundsätzlich nicht durchgeführt
werden. |
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die übrigen NG von GBS-kolonisierten Müttern |
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| ® |
brauchen eine engermaschige Überwachung auf der
Wochenbettstation für die ersten
48 Stunden (d.h. keine ambulante Geburt!) |
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5. Wirksame Antibiotikaprophylaxe sub partu
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Beginn der Applikation mindestens 4 Std. vor Geburt (d.h. für
Penicillin und Aminopenicilline mind. 2 Dosen) |
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intravenöse Verabreichung |
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gegen GBS wirksames Medikament in ausreichender Dosierung |
CDC-Empfehlungen:
- Penicillin G 5 Mio E initial, dann 2,5 Mio E 4 stdl.
- Amoxicillin 2g initial, dann 1g 4 stdl.
- Clindamycin 900 mg 8 stdl.
- Erythromycin 500 mg 6 stdl
6. Infektverdächtige Symptome
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Tachypnoe |
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kühle Peripherie |
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auffälliges Kolorit (blass, gräulich) |
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Stöhnen, Einziehungen, Nasenflügeln |
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Temperaturinstabilität |
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Apathie, Hypotonie; ev. Irritabilität |
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Apnoen |
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Erbrechen, Magenrest, geblähtes Abdomen |
7. Engmaschige Überwachung auf der Wochenbettstation
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Klinische Überprüfung von:
- Atemfrequenz
- Pulsfrequenz
- Rektaltemperatur
- Periphere Temperatur palpatorisch (Füsse!)
- Kolorit
- Dyspnoezeichen
- Aktivität, Tonus
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nach folgendem Zeitraster:
- 30 Min. und 1-2 Std. nach Geburt im Gebärsaal
- anfänglich 4-, dann 6- bis 12-stündlich während der ersten 2
Tage auf der Wochenbettstation
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8. Vorgehen auf der Neonatologieabteilung
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Infektlabor ist schwach diskriminatorisch und wird lokal verschieden
verwendet |
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alle Kinder mit infektverdächtigen Symptomen und / oder
infektverdächtigem Labor sowie alle Geschwister von mit GBS
erkrankten Mehrlingskindern: |
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| ® |
Blutkultur
ev. Trachealsekret, Magensaft
Lumbalpunktion nach klinischer Indikation |
| ® |
antibiotische Behandlung mit Aminopenicillin und Aminoglykosid |
| ® |
Stop der antibiotischen Therapie nach 48-72 Std. bei negativen
Blut- (und Liquor-) kulturen
ev. Stop nach 24 Std. bei fehlenden Symptomen und normalem
Infektlabor
ev. längerdauernde Therapie (5-7 Tage) bei entsprechendem
klinischem oder Labor-Verlauf
bei positiven Blutkulturen Fortsetzung der Therapie für
mindestens 10 Tage,
bei entsprechender Resistenzprüfung ev. mit Penicillin allein. |
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Literatur
- Prevention
of perinatal group B streptococcal disease: a public health perspective.
MMWR 1996; 45 RR-7:1-24
- Rouse DJ,
Goldenberg RL, Cliver SP et al. Strategies for the
prevention of neonatal group B streptococcal sepsis: a decision
analysis. Obstet Gynecol 1994; 83: 483-494
- Boyer
KM, Gadzala CA, Burd LI et al. Selective intrapartum chemoprophylaxis
of neonatal group B streptococcal early onset disease: I. epidemiologic
rationale. J Infect Dis 1983; 148: 802-809
- Pyati
SP, Pildes RS, Jacobs NM et al. Penicillin in infants weighing two
kilograms or less with early onset group B streptococcal disease.
N Engl J Med 1983; 308: 1383-1389
C. Kind, St. Gallen
Diskutiert und genehmigt vom Vorstand und der Mitgliederversammlung der
Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie
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