Editorial Paediatrica (Vol.11 Nr. 4-2000)

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wichtige Ereignisse haben die letzten zwei Monate vor den Sommerferien geprägt. Quasi als politischen Aufhänger für unseren Kongress hatte Frau BR Dreifuss im Ständerat erstmals öffentlich Stellung zum Taxpunktwert (TPW) für TarMed bezogen. Obwohl für die KVG-Belange die Aushandlung dieses wichtigen Werts Sache der Kantone ist, hat doch die Äusserung von Frau Dreifuss, der Ausgangswert werde sich in der Gegend von 80 Rp. bewegen, mehr als symbolische Bedeutung.

Man erinnere sich: basierend auf betriebswirtschaftlichen Überlegungen wurden die nachfolgenden Berechnungen der Tarifstruktur immer auf einer Basis von 1 TPW = 1 Fr. angestellt. Es ist einfach auszurechnen, welche Konsequenz nun eine Reduktion dieses Betrags haben würde. Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt vorliegenden Datenlage wurde dieses Geschäft deshalb an der Jahresversammlung der SGP präsentiert und gleichzeitig eine Resolution (pdf, 10ko) einstimmig verabschiedet. Den Brief unserer Fachgesellschaft an Frau BR Dreifuss (pdf, 14ko) , inkl. Resolutionstext (pdf, 10ko) , sowie die Antwort (pdf, 132 ko) unserer Gesundheitsministerin finden Sie in dieser Ausgabe der Paediatrica im genauen Wortlaut.
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Auch andere gesundheitspolitische Themen (Aufhebung des Kontrahierungszwangs oder Beschränkung von Praxiszulassungen während der nächsten drei Jahre haben in den Medien bereits grosses Echo gefunden!) werden uns in den nächsten Wochen teils unter dunklen Wolken noch weiter beschäftigen. Umso sonniger präsentierte sich der Himmel während unseres traditionellen Kongresses in Morges. Unter der Leitung von Alain Regamey hatte das lokale Organisationskomitee, unterstützt durch das von Claire-Anne Siegrist präsidierte „comité scientifique“, ein attraktives Programm zusammengestellt. Herzlichen Dank an dieser Stelle für drei wunderschöne Tage!

Erfreulich viele Kolleginnen und Kollegen haben den Weg an den Genfersee gefunden, um an einer guten Mischung interessanter Hauptvorträge, wissenschaftlicher Referate und Poster, aber auch geselliger Anlässe teilzunehmen. Die aufgeräumte Stimmung während der Tage in Morges, aber auch die abgegebenen Meinungen im Rahmen der Evaluation, die für diese Nummer der Paediatrica zusammengefasst wurden, haben mir gezeigt, dass die SGP mit ihren zwei neuen Sektionen durchaus die Rolle einer kompetenten pädiatrischen Fachgesellschaft wahrnehmen kann. Dass die drei offiziellen MItgliederversammlungen, die zum Teil gleiche Themen für dieselben Teilnehmenden behandelten, alle ins Programm des Kongresses aufgenommen wurden, wurde allgemein als zu belastend empfunden. Sicher lassen sich Wege finden, um dieses in erster Linie administrative Problem zu lösen, sind doch die Sektionen statutarisch nicht gehalten, ihre Versammlungen während des Kongresses abzuhalten.

Gleich in der Woche nach der Sonne des Lac Léman tauchten wieder Gewitterwolken auf. Die Ärztekammer (AeK) vom 21./22. Juni hatte unter anderem über die Schaffung pädiatrischer Facharzttitel zu beschliessen. Trotz geschlossener Unterstützung durch die Sektionen, das Forum für Praxispädiatrie, die Universitätskinderkliniken, und trotz positivem Antrag der KWFB und der Präsidentenkonferenz folgte die AeK schliesslich der Argumentation der WBK und entschied sich lediglich für Schwerpunkte.

Es besteht kein Zweifel darüber, dass mit diesem Entscheid ein Exempel statuiert werden sollte. Nachdem bisher das Ziel, die Titelproliferation innerhalb der FMH einzuschränken, nicht erreicht worden war, bot sich nun eine gute Gelegenheit, auf dem Buckel einer kleinen Gruppe von SpezialistInnen wenigstens einmal die Bremse zu ziehen. Dabei wirkt es mehr als zynisch, wenn zugestanden werden musste, dass die Argumente zur Schaffung von Schwerpunkten eigentlich auch bei den Internisten gegolten hätten... Die SGP muss diesen Entscheid, der von einem sehr emotional agierenden Gremium gefasst wurde und für den es keine Rekursmöglichkeit gibt, wohl oder übel akzeptieren, wird sich aber nicht endgültig damit zufrieden geben. Bereits nach den Sommerferien werden wir zusammen mit der Sektion Klinik und VertreterInnen der pädiatrischen Spezialitäten die weitere Strategie diskutieren.

Es sieht ganz danach aus, als dass es im zweiten Jahr der „neuen SGP“ nicht an brisanten Themen mangeln wird. Ich bin froh zu wissen, dass wir strukturell bestens gewappnet sind, um die verschiedenen Aufgaben professionell und erfolgreich anzugehen, obwohl bei jeder politischen Aktivität auch mit Rückschlägen gerechnet werden muss.

Ueli Bühlmann, Präsident SGP


Dernière mise à jour du site: 25.06.2008