Bericht über die Ärztekammer vom 21./22.6.2000

Auch wenn sich die Ärztekammer (AeK) über zwei mit extrem langen Traktandenlisten vollgestopfte Tage ausgedehnt hat, so wird hier nur über relevante Kernthemen berichtet. Es soll den Paediatrica-LeserInnen erspart bleiben, beim Lesen dieses Textes die Zähigkeit der oft mehr emotional denn sachlich geführten Verhandlungen nachzuempfinden! Jedenfalls dankt der SGP-Präsident dem Past-President und dem Vizepräsidenten für das unterstützende Ausharren!

  • Einleitend gilt es zu bemerken, dass die AeK erstmals in ihrer neuen Zusammensetzung tagte. Die 200 Sitze sind dabei wie folgt verteilt:

    • 100 Sitze für die kantonalen Gesellschaften

    • 60 Sitze für die Fachgesellschaften (Verteilung proportional zur Anzahl Mitglieder)

    • 40 Sitze VSAO

Für die meisten Fachgesellschaften bedeutet diese eine Einervertretung, die SGP ist Dank ihrer Grösse mit 2 stimmberechtigten Personen vertreten. Nicht unbedeutend war bereits an dieser ersten Sitzung die neue starke Vertretung des VSAO, der häufig durch recht fundmentalistische Argumentationen und Anträge aufgefallen ist.

  •  Die Wahlen für die verschiedenen FMH-Organe wurden nach der Eintretensdebatte parallel neben den übrigen Traktanden durchgezogen. Dazu das Wichtigste in Kürze: der FMH-Zentralvorstand wurde in seiner Grösse gleich belassen, Hans-Heinrich Brunner wurde als Präsident glanzvoll wiedergewählt, der VSAO hat in einer Stichwahl eine zweite Vertreterin in den Zentralvorstand gebracht. Ein für die SGP nicht unwesentlicher Wechsel fand an der Spitze der KWFB statt: René Salzberg trat zurück und wurde durch Max Giger, bisher Präsident der WBK, ersetzt.

  • Die AeK verabschiedete eine neue Weiterbildungsordnung . Damit verbunden ist auch die Titelfrage, der im Rahmen des Freizügigkeitsabkommens im Personenverkehr mit den EU-Staaten eine besondere Bedeutung zukommt. Ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens dieses Abkommens wird es keine „FMH-Titel“ mehr geben, dafür „eidgenössisch anerkannte“ Facharzttitel. Die 3 Buchstaben „FMH“ werden zwar verschwinden, sonst wird sich für die PädiaterInnen nichts ändern.

  • Noch wichtiger als dieser grundsätzliche Punkt war für die SGP jedoch das Traktandum „Facharzttitel für pädiatrische Spezialitäten“ (wir haben darüber in verschiedenen früheren Paediatrica-Nummern berichtet). Die Ausgangslage war brisant: während KWFB und Präsidentenkonferenz unseren Antrag auf Schaffung von speziellen Facharzttiteln unterstützten, hatte die WBK im Vorfeld zweimal dagegen votiert und sich für Schwerpunkte ausgesprochen. Diese Haltung wurde auch der AeK ausgedehnt präsentiert, und trotz der eindringlichen Voten von Schubiger, Bühlmann und Weissert (und trotz unserem intensiven Lobbying im Vorfeld!) folgte die AeK der WBK und stimmte haushoch für die Variante Schwerpunkte. Dass in der Folge auch den Intensivmedizinern ein eigener Facharzttitel aberkannt wurde, spricht für die wenig sachliche Entscheidungsfindung der AeK an diesem Tag!

  • Der zweite Tag war hauptsächlich der Thematik TarMed gewidmet. Trotz starkem Gegenwind aus politischen Kreisen hält die FMH an ihrem im Februar verabschiedeten Kurs fest. Einmal mehr wurde betont, dass im Rahmen der „Kostenneutralität“ auch ein Schutz vor einem ungebremsten Absinken der Einkommen vorgesehen ist, und nicht einfach eine „Kostenbremse“ gegen oben. Es sieht danach aus, dass die Umsetzung auf eidgenössischer Ebene („blauer Tarif“) vernünftig vorankommt, trotz restriktiver Anweisungen von Frau BR Dreifuss („TPW nicht mehr als 80 Rp.“). Mehr Schwierigkeiten wird die Umsetzung auf KVG-Ebene bringen, da hier die Verhandlungen bekanntlich auf kantonaler Ebene geführt werden müssen. Der weitere Fahrplan sieht die endgültige Verabschiedung des TarMed-Tarifs durch eine Präsidentenkonferenz am 27.10.00 und eine AeK am 9.12.00 vor, mit einer Umsetzung auf KVG-Ebene per 1.7.01. (Selbst wenn Frau BR Dreifuss die Einführung per 1.1.2001 fordern würde, wäre die Ärzteschaft darauf gut vorbereitet.) Die Urabstimmung wird im Anschluss an die AeK vom Dezember organisiert.

  • Alles in allem zwei schwierige Tage mit einem herben Rückschlag für die SGP.


U. Bühlmann, Zürich/ P. Klauser, Genf

 

Dernière mise à jour du site: 25.06.2008