Empfehlungen für den Gebrauch des Decapeptyl Retard (Ferring)

SCHWEIZERISCHE GESELLSCHAFT FÜR PÄDIATRISCHE ENDOKRINOLOGIE-DIABETOLOGIE

Nach genauem Studium der Unterlagen, die von der Firma FERRING AG zur Verfügung gestellt wurden, sowie des Gutachtens, das von PD Dr. Bernard PELET, Unité d’Immunologie pédiatrique, CHUV-Lausanne abgefasst wurde, kommt die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie bezüglich DECAPEPTYL Retard zu folgendem Entschluss. Die neue Verabreichungsform des DECAPEPTYL Retard kann schwerwiegende allergische Reaktionen, bis hin zum anaphylaktischen Schock, unabhängig der Injektionsanzahl, führen. Des weiteren gilt es zu beachten, dass diese Darreichungsform des neuen Präparates für die Indikation Pubertas präcox nicht IKS registriert ist.

In der Folge rät die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie zur grössten Vorsicht wenn diese neue Verabreichungsform des DECAPEPTYL Retard gebraucht werden sollte. Wird dieses Medikament injiziert, sind folgende Vorsichtsmassnahmen zu befolgen:

  1. Es ist vorgängig eine genaue, detaillierte Allergieanamnese zu erheben. Vielleicht sind schon allergische Reaktionen nach Infusion von Plasmaexpandern bekannt. Ebenso ist nach vorgängigen Schockereignissen zu fragen.

  2. Die Eltern der Kinder sind mit einem EpiPen (Junior wenn das Körpergewicht < 30 kg) auszurüsten, sowie über deren Gebrauch zu instruieren. Ebenso ist ein Antihistaminikum (z.B. Tavegyl) in Reserve sowie ein Glucocorticoïd (z.B. Ultracorten H) zu verschreiben. Diese Medikamente sind in injizierbarer Form von den Eltern mitzutragen.

  3. Die allergischen Reaktionen können bis 6 Std. nach der Injektion auftreten. Somit ist es notwendig, dass die Injektionen morgens in der Praxis durchgeführt werden.

  4. Die Patienten sind bis 60 Minuten nach Injektion in der Praxis zu beobachten.

  5. Tritt eine anaphylaktische Reaktion nach der Injektion auf, ist wie folgt vorzugehen: a) Injektion von Adrenalin subcutan (10 µg/kg; max. 300 µg, wiederholbar alle 5 Minuten, soweit notwendig). Wurde die Decapeptyl-Injektion in den Arm oder den Oberschenkel gemacht, so ist ein Stauschlauch herzwärts der Injektionsstelle zu setzen.
    Folgende Medikamente sind möglicherweise einzusetzen:

    • Prednisolon (z.B. Ultracorten, 3 mg/kg)

    • Ein Antihistaminikum (z.B. Tavegyl i.v., 0,015 mg/kg/Dosis, 2 Dosen/Tag)

    • je nach Bedarf ist eine Bronchodilatation notwendig

    • eine Überwachung für mind. 12 Std. ist unumgänglich

    • die Behandlung mit Decapeptyl Retard ist abzubrechen

  6. Andere LHRH Agonisten (Depotform) können eingesetzt werden. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass auch bei diesen Medikamenten anaphylaktische Reaktionen beschrieben worden sind.

 

SCHWEIZERISCHE GESELLSCHAFT FÜR PÄDIATRISCHE ENDOKRINOLOGIE-DIABETOLOGIE

Prof. G. Theintz,  Sekretär

Prof. P. Mullis, Präsident

Bern, 11. Oktober 199

Dernière mise à jour du site: 08.05.2008