|
|
|
|
Prof. Ettore Rossi zum GedenkenMed. Universitäts-Kinderklinik Bern / Am 15. Dezember 1998 ist Prof. Ettore Rossi, ehemaliger Direktor der Medizinischen Universitäts-Kinderklinik, im Alter von 83 Jahren in Bern verstorben. Prof. Rossi hat über viele Jahrzehnte die Geschicke der Kinderheilkunde in der Schweiz mitbestimmt und über 40 Jahre die Geschichte der Universitäts-Kinderklinik Bern geschrieben. Er ist der Promotor des weltberühmt gewordenen Zentrums für Pädiatrie in Bern. Als gebürtiger Tessiner begann Ettore Rossi nach der Maturität und dem Medizinstudium seine pädiatrische Ausbildung in Mailand. Im Jahre 1942 nahm er unter seinem Lehrer, Prof. Guido Fanconi, in Zürich seine klinische Tätigkeit als Assistenzarzt auf, und machte sich bereits dann als Oberarzt einen Namen. Während dieser Zeit traf er auch seine Lebensgefärtin Valeria, die ihn durch sein ganzes Leben begleitet und in all seinen Bemühungen umsichtig und liebevoll unterstützt hat. Aus dieser Zürcherzeit stammen denn auch die langjährigen Kontakte, die Prof. Rossi mit in- und ausländischen Freunden wie Prof. Hans Zellweger, Prof. Conrad Gasser und Prof. Andrea Prader pflegte. Die wissenschaftlichen Interessen in dieser "Zürcherzeit" galten der Gewinnung von Erkenntnissen bei Kindern mit Dehydratation, bakerieller Meningitis und der Tuberkulose. In den frühen 50-er Jahren konnte er mit einem Stipendium mehrere Kinderkliniken der Vereinigten Staaten besuchen, wo in ihm das Interesse für die angeborenen Herzfehler, und damit für die Kinderkardiologie, geweckt worden ist. Die PersönlichkeitIn seinem Schaffen war Ettore Rossi beeinflusst durch die vielen Kontakte, welche er mit Klinikern und Wissenschaftern, aber besonders auch Künstlern wie Jean Arp, der Tocher von Chagall, Max Bill, Hans Richter und Jean Tinguely pflegte. Prof. Rossi war eine aussergewöhnliche Persönlichkeit, eine Persönlichkeit, die durch die familiären Wurzeln einer Bildhauerfamilie, durch die kulturellen Traditionen und die berufliche Entwicklung stark beeinflusst war. Er hatte reges Interesse nicht nur für die bildende Kunst, sondern auch für Theater und Musik. Noch bis in sein hohes Alter besuchte er regelmässig die "Scala in Milano". Es war ihm zeitlebens ein Anliegen das "Kind in der Kunst" einerseits, aber auch die "Kunst im Kind" andererseits zu sehen. Darin lassen sich auch die unaufhörlichen Bemühungen erkennen, mit welchen Prof. Rossi für eine bessere Stellung des Kindes in unserer Gesellschaft gekämpft hat. Prof. Rossi war für Aerzte wie Pflegende ein Vorbild. Indem er uns die Verantwortung für das Wohl des kranken Kindes sichtbar machte, lebte er es uns vor. Er kannte die Namen der Mitarbeiter aller Stufen in seinem Spital und viele ehemalige Pflegende bewunderten ihn bezüglich der Klarheit der Sprache, wie es ihm gelang, selbst komplizierteste Zusammenhänge einfach darzulegen. Die Berner Kinderklinik - Universitäres Zentrum für Kinderheilkunde1956 wurde Ettore Rossi von der Berner Regierung zum Ordinarius für Pädiatrie, und damit zum Nachfolger von Prof. Eduard Glanzmann berufen. Prof. Rossi hat bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1986 mit grosser Energie und der für ihn so typischen Vitalität die Geschicke des Jenner-Kinderspitals geleitet und das Spital zur weit über die Landesgrenze hinaus bekannten Berner Kinderklinik gemacht. Dank seinem kompromisslosen Einsatz für das kranke Kind besitzt Bern heute ein pädiatrisches Zentrum, welches den vielschichtigen Bedürfnissen in Diagnostik und Behandlung in der Kinderheilkunde gerecht wird. In seine Amtszeit fiel die Planung, der Bau und der Bezug der neuen Kinderklinik des Inselspitals. Sein grosses persönliches Engagement hat die Eröffnung "seiner" neuen Kinderklinik im Jahre 1978 möglich gemacht, in welcher neben einer in allen Fachbereichen kompetenten medizinischen Versorgung auch die Studierenden sich im Rahmen klarer Ausbildungskonzepte optimal dem Studium der Kinderheilkunde widmen konnten. Zudem integrierte er in diese neue Klinik einen Forschungstrakt, welcher heute ein integraler Bestandteil des Departement für klinische Forschung ist. Nach seinem Konzept wurde es damals möglich, dass Wissenschafter in enger Zusammenarbeit mit klinisch tätigen Pädiatern Forschung betreiben konnten. Das Visionäre von Professor Rossi lag darin, dass er schon vor dreissig Jahren der Zeit vorausschauend Projekte in Angriff nahm, welche sich später als die" Zukunft der Medizin" herausstellten. Was heute bezüglich Planung, Konzepte, Zusammenarbeit usw. in Seminaren und Spezialausbildungen von Spitalmanagern vermittelt wird, setzte er mit dem ihm eigenen Temperament durch. Als wissenschaftliche Schwerpunkte widmete er selber sich der Kinderkardiologie, Störungen des Kohlehydratstoffwechsels, zystische Fibrose und Zöeliakie. Um in diesen Gebieten auch international in Diskussion zu bleiben, nahm er nicht nur an all den jährlichen Fachtagungen teil, sondern organisierte mit seinen Mitarbeitern selbst Symposien und internationale Kongresse Ettore Rossi als Arzt und akademischer LehrerNeben Professor Fanconi in Zürich gehört Professor Rossi zu den "Vätern der Pädiatrie in der Schweiz (Bild 2). Die ganze Entwicklung der Pädiatrie in den vergangenen 40 Jahren hat er mitgeprägt. Er war Promotor einer sich stehts sich erneuernden Pädiatrie, indem er seine Mitarbeiter fortwährend anhielt, alle Aspekte der Pädiatrie und damit die ganzheitliche Betreuung des kranken Kindes im Zentrum jeder ärztlichen Tätigkeit zu sehen. Bis am Ende seiner Amtszeit hat er seine Vorlesungen bis ins kleinste Detail vorbereitet, um die Lehrinhalte den Studenten brilliant vortragen zu können (Bild 3). Die mit seinen Mitarbeitern erarbeiteten Abklärungs- und Behandlungskonzepte sind als die "Schule Rossi" für viele Zentren zur Lehrmeinung geworden. Unzählige niedergelassene Kinderärzte, viele Chefärzte von Kinderspitälern und einige Ordinarien in Pädiatrie im In- und Ausland verdanken Ettore Rossi ihre Ausbildung in Pädiatrie. Professor Rossi ist für viele seiner ehemaligen Schüler eine Vaterfigur. Es war sein "feu sacré", welches viele seiner Schüler mitreissen konnte, und welches zu grossem Schaffen in der klinischen Arbeit, aber auch in Lehre und Forschung animierte. Prof. Rossi gab jedem eine Chance, durch Qualität seiner Arbeit sich als guter Kliniker und/oder Wissenschafter beweisen zu können. In diesem Sinne war er für uns ein "pater familias", der umsichtig die persönlichen Belange jedes Einzelnen zu fördern und die dazu notwendigen Voraussetzungen zu schaffen wusste. Schliesslich sorgte er mit seiner unermüdlichen Schaffenskraft dafür, dass die Entwicklung der Kinderheilkunde im Rahmen der ganzen Medizin und die Aktivitäten in Klinik und Praxis, aber auch in Fakultät und Universität in seinen Schülern fortzuleben vermag. So erhielt er als erster Dozent der Universität Bern von den Studierenden der Medizin die Auszeichnung des „Teacher of the Year", eine Ehrung für ausserordentliche Fähigkeiten, angehenden Ärztinnen und Ärzten in gut verständlicher Form und auf didaktisch geschickte Weise Wissen zu vermitteln. Nachwuchsförderung war sein grösstes Anliegen, wobei er das Anforderungsprofil aber hoch ansetzte. Vorbild im Handlen, Strenge und Unnachgiebigkeit im Fordern von Dinge, die getan werden mussten, nicht nachtragend für Fehler die unterliefen und Respekt gegenüber Aerzteschaft und Pflegenden waren die Prädiakte welche die Vaterfigur von Professor Rossi prägten. Während seiner langen Karriere hat Prof. Rossi mehr als 400 wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und mehr als 500 wissenschaftliche Konferenzen persönlich geleitet. Seine wissenschaftiche Tätigkeit ist in zahlreichen Ehrungen honoriert worden. Die Liste der Ehenmitgliedschaften, der akademischen Auszeichnungen und Ehrendoktortitels ist zu lang, als dass sie hier alle aufgeführt werden könnten. Er war Gründer verschiedenster pädiatrischer Fachgesellschaften und Arbeitsgruppen. Das Lehrbuch "Pädiatrie", welches er mit seinen Mitarbeitern beim Thieme-Verlag herausgegeben hat, und welches in verschiedenste Sprachen übersetzt wurde, ist zum Standardwerk für Studenten, Internisten und Pädiater geworden. Zum Schluss soll auch das anklingen, was den Humor und das freudige Wesen von Professor Rossi ausmachte. Er strahlte eine enorme Lebensfreude aus. Er übertrug seine Begeisterung auf alle Menschen, die ihm begegneten. Wenn er für seine Mitarbeiter ein strenger Lehrer war, verstand er es doch, diese Strenge mit viel Menschlichkeit und Einfühlungsvermögen einzusetzen. Dies zeigte sich denn auch in der grossen Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wurde. Unvergesslich wird für alle, besonders aber für seine Schüler, der Enthusiasmus bleiben, mit welchem er die Geschichte der Kinderklinik Bern über mehr als 40 Jahren mitgeschreiben hat. Wir sind ihm dafür sehr dankbar, und diese Dankbarkeit hilft uns, den Schmerz zu überwinden, den sein Tod uns bereitet. Im Namen aller Mitarbeiter: |
|