Fallbeschreibung:

Ein termingeborener Knabe (Gestationsalter 40 2/7 SSW, GG 3650 g) adaptiert nach einer schwierigen Vakuumextraktion mit Apgar Scores von 61/65/710. Die Nabelschnur-pHart/ven waren 7.02 und 7.29. Sie werden nach 30 Minuten gerufen, um das Kind zu beurteilen.
Das Neugeborene ist blass mit kühler Peripherie, tachypnoisch (Atemfrequenz 92/Minute) und hat eine transkutane Sauerstoffsättigung von 99% unter Zimmerluft. Die Herzfrequenz beträgt 186/Minute und der Blutdruck beträgt 48/28 mmHg (mean 34 mmHg). Eine kapilläre Blutgasanalyse ergibt ein pH von 7.00, pCO2 von 5.9 kPa (44 mmHg) und ein Basendefizit von -19.3 mmol/l. Der Hämoglobinwert wird mit 142 g/l angegeben.

Frage 1:

Welchem pathophysiologischen Zustand entspricht dieses Bild höchstwahrscheinlich?


Ihre Antwort :

       

Frage 2:

Am Kopf des Kindes tastet man eine grosse, fluktuierende Schwellung, welche über die Schädelnähte hinausgeht. Wie lautet die Diagnose?


Ihre Antwort :

       

Frage 3:

Nennen Sie mindestens drei weitere peripartal auftretende Störungen, die zu diesem Zustandsbild führen können.


Ihre Antwort :

       

Frage 4:

Welches Vorgehen ist im vorliegenden Fall indiziert?


Ihre Antwort :

       

Kommentar:

Subgaleale Blutungen sind bei Neugeborenen seltene, aber potentiell letale Ereignisse.
Die Häufigkeit mittelgradiger oder schwerer subgalealer Blutungen beträgt ca. 1.5/10'000 Geburten. Sie werden durch Rupturen derjenigen Venen verursacht, die die Duralsinus mit den Skalpvenen verbinden. Das Blut sammelt sich zwischen der Skalp-Aponeurose und dem Periost an. Der Verteilungsraum erstreckt sich von den Orbitalrändern bis zur Nackenfalte und seitlich bis zu den Temporalfascien.1 Bei Termingeborenen kann dieser Raum bis zu 260 ml Blut fassen, was praktisch ihrem gesamten Blutvolumen entspricht. Somit kann eine subgaleale Blutung zur schweren Hypovolämie führen. In einer Studie sind ¼ der Kinder, die deswegen in einer neonatalen Intensivstation aufgenommen wurden, gestorben.2
Subgaleale Hämatome treten meist nach Vaccum-Extraktion oder nach Forceps-Geburten auf, können sich aber auch spontan entwickeln. Die Prognose wird durch frühe Diagnose, sorgfältige Überwachung und rasche Behandlung des hypovolämischen Schocks verbessert. Die folgende Tabelle zeigt die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale von Geburtsgeschwulst, Kephalhämatom und subgalealer Blutung [1].

 

 


Merkmal Caput succedaneum Kephalhämatom Subgaleale Blutung
Lokalisation Leitstelle der Geburt;überragt die Schädelnähte Meist über den Parietalknochen, überschreitet Schädelnähte nicht Unterhalb der Skalp-Aponeurose, Ausdehnug über den ganzen Skalp
Typischer Befund Unscharf begrenzt; eindellbares Oedem,das sich entsprechend der Schwerkraft verschiebt Streng begrenzt; zunächst hart, dann nach ca. 48h fluktuierend Hart bis fluktuierend,"schwabbelig" evtl. Krepitation
Ablauf Maximum bei Geburt; Rückbildung innert 48-72 h pp Zunahme in den ersten 12-24 h pp; Rückbildung innert 2-3 Wochen Rasche Progredienz nach der Geburt; Rückbildung innert 2-3 Wochen
Blutvolumen minim Selten massiv Kann massiv sein, insbesondere bei gleichzeitiger Gerinnungsstörung



Tabelle: Unterscheidungsmerkmale extrakranieller Flüssigkeitsansammlungen (nach Davis DL [1])




G. Schubiger, Th. Berger, Luzern
Adresse des Autors : Dr Th. Berger, NeoIPS, Kinderspital Luzern, 6000 Luzern 16 thomas.berger@ksl.ch

 


Literatur

  1. Davis DJ. Neonatal subgaleal hemorrhage: diagnosis and management. CMAJ 2001;164:1452
  2. Chadwick LM, Pemberton PJ, Kurinczuk JJ. Neonatal subgaleal haematoma: associated risk factors, complications and outcome. J Paediatr Child Health 1996;32:228-32

Top

http://www.neonet.ch

Dernière mise à jour du site: 25.06.2008