Quiz 9

Fallbeschreibung:

Bei einem 6jährigen beschwerdefreien Mädchen aus Mazedonien, das seit 2 Jahren in der Schweiz lebt, wird bei der Reihenuntersuchung in der Schule ein Systolikum festgestellt. Das Kind erscheint nun zur weiteren Abklärung in Ihrer Praxis. Der Blutdruck des Mädchens beträgt 110/65 mmHg.

Frage 1:

Welches ist die häufigste Ursache eines systolischen Herzgeräusches bei sonst gesunden Kindern im Schulalter?


Ihre Antwort :

       

Frage 2:

Nennen Sie drei Herzfehler, die im Kleinkindesalter keine Beschwerden und nur diskrete Befunde verursachen und deshalb manchmal nicht diagnostiziert werden.


Ihre Antwort :

       

Frage 3:

Welche Auskultationskriterien sprechen für das Vorliegen einer echten Kardiopathie (nennen Sie drei) ?

Ihre Antwort :

       

 


Kommentar des Spezialisten

Antwort 1:

Ein Herzgeräusch ist in einer pädiatrischen Population jeder Altersgruppe ein häufiger Befund. Eigentlich in allen Alterstufen ist dabei das funktionelle Geräusch die weitaus häufigste Ursache. Die Abklärung solcher Herzgeräusche ist denn auch in einer kinderkardiologischen Ambulanz ein Hauptbestandteil des Arbeitsvolumens, und nachdem viele Eltern heutzutage eine rein klinische Abklärung auch durch einen Spezialisten kaum mehr akzeptieren, ergeben sich aus den durchzuführenden Echokardiographien auch beachtliche oekonomische Folgen.

Häufig werden solche funktionelle Geräusche erstmals bei Konsultationen im Rahmen febriler Infekte beobachtet. Die Persistenz eines solchen Geräusches über den Zeitraum der Infektion hinaus führt dann in unserer Erfahrung häufig zur Zuweisung zur Abklärung. Häufig eigentlich unnötigerweise, denn gerade bei älteren Kindern (ab Schulalter) kann man sich in der Beobachtung eines solchen Geräusches in der Praxis durchaus einige Zeit lassen, vorausgesetzt das Geräusch erfüllt die Kriterien wie unter Frage 3 erklärt. In dieser Altersgruppe sind es wirklich nur noch ganz wenige kardiale Pathologien die noch neu zu entdecken sind, und eine zeitliche Dringlichkeit besteht kaum je.


Antwort 2:

Im Gegensatz zur Neugeborenenperiode oder der frühen Säuglingszeit, wo die klinische Erfassung relevanter kardialer Anomalien (die nachgewiesenermassen mit einer grossen Fehlerquote behaftet ist, vgl. Literatur) eine wichtige und schwierige Verantwortung des untersuchenden Pädiaters darstellt, ist das Spektrum an Diagnosen, die im Schulalter noch neu erfasst werden deutlich eingeschränkt.

Eine klassische Diagnose die in dieser Altersgruppe (und oft genug auch noch im Erwachsenenalter!) immer wieder neu gestellt wird ist der Vorhofseptumdefekt (Secundum wie auch Sinus venosus Typ, seltener Primum-typ). Die Kinder sind typischerweise in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt, das Systolikum (relative Pulmonalstenose) ist häufig genug nicht eindrücklich. Der aufmerksame Untersucher denkt an den ASD bei Geräuschausstrahlung in den Rücken oder wenn er einen fix gespaltenen 2. Herzton erfassen kann. Die Erfassung in der ersten Lebensdekade wäre wichtig, weil die Korrektur in diesem Alter danach bei praktisch allen Patienten eine Restitutio ad integrum garantiert.

Ein Ductus arteriosus bleibt oft klinisch unbemerkt wenn das Shuntvolumen hämodynamisch nicht sehr relevant ist. Ein typisches systolo - diastolisches Maschinengeräusch bleibt dem Untersucher kaum verborgen, allerdings muss dafür auch an der entsprechenden Stelle infraclaviculär auskultiert werden. Ein Ductus kann auch nur ein isoliertes Systolikum verursachen, allerdings gehören solche kleine Ductus vielfach in die Grauzone wo auch die Behandlungsindikation und das effektive Endarteritisrisiko umstritten sind.

Eine häufige Missbildung sind Anomalien der Aortenklappe, insbesondere die bicuspide Klappe. Vielfach sind diese Klappen funktionell nur leicht beeinträchtigt, und entsprechend sind dann auch die daraus resultierenden Herzgeräusche bescheiden. Praktisch immer manifestieren sich solche Klappen aber durch einen frühsystolischen Click. Wir haben in den letzten Jahren 2 Kinder erlebt, bei denen die bicuspide Aortenklappe im Rahmen einer Aortenklappen-endocarditis neu diagnostiziert wurde. Insofern hat also auch die Erfassung einer funktionell guten bicuspiden Klappe für das einzelne Kind durchaus Bedeutung.


Antwort 3:

Die klassischen Kriterien nach welchen ein Systolikum als funktionell betrachtet werden kann sind hinlänglich bekannt: Lagevariabilität, Intensität < 3/6, fehlende Ausstrahlung in Rücken oder Carotiden gehören dazu. Eine diastolische Komponente ist immer pathologisch. Viel wichtiger scheint mir aber dass man in der Beurteilung eines Geräusches nicht nur auf das Geräusch selber abstützt, sondern auch insbesondere den Palpationsbefund (verstäktes Präkordium, schwirren), den Pulsstatus und allenfalls auch eine Blutdruckmessung in die Gesamtbeurteilung miteinbezieht. Eine Studie die wir selbst durchgeführt haben (vgl Literatur), zeigte, dass durch die Berücksichtigung des gesamten klinischen kardialen Status eine zeitliche Verzögerung in der Diagnosestellung eines Vitiums in fast allen Fällen vermeidbar gewesen wäre. Dies trifft insbesondere für die Gruppe der Neonaten und kleinen Säuglinge zu, wo verspätete Diagnosestellung am meisten Konsequenzen (und durchaus auch letale, vgl. Literatur) haben können.


J.-P. Pfammatter, Bern


Literatur

  • Pfammatter JP, Stocker FP. Delayed recognition of hemodynamically relevant congenital heart disease.
    Eur J Pediatr 2001; 160: 231 - 4
  • Kuhl KS et al. Failure to diagnose congenital heart defects in infancy. Pediatrics 1999; 103: 743 - 7
  • Du Z et al. Clinical and echocardiographic evaluation of neonates with heart murmurs. Acta Paediatr 1997; 86: 752 - 6
  • Meberg A et al. Early clinical screening of neonates for congenital heart disease : the cases we miss. Cardiol Young 1999; 9: 169 - 74

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Dernière mise à jour du site: 25.06.2008