Fallbeschreibung:

Um 10 Uhr morgens sehen Sie in Ihrer Praxis ein 4 Monate altes, gesundes Mädchen zu einer Vorsorgekontrolle. Die Patientenanamnese ist bland. Klinisch stellen sie - bis auf eine leichte Rhinitis - keine pathologischen Befunde fest. Sie verabreichen die Impfung gemäss Plan. Um 19 Uhr wird das Mädchen von der Mutter tot im Bett aufgefunden. Die nach dem Tod durchgeführten Abklärungen sowie die Autopsie ergeben keine pathologischen Befunde.


Frage 1:

Wie beurteilen Sie die Beziehung zwischen SIDS (= plötzlicher Säuglingstod) und der durchgeführten Impfung?


Ihre Antwort :

       

Frage 2:

Welches Risiko besteht bei weiteren Geschwistern?


Ihre Antwort :

       

Frage 3:

Erwähnen Sie mindestens drei Massnahmen, die sich in der Prävention des plötzlichen Säuglingstodes bewährt haben.

Ihre Antwort :

       

Frage 4:

Es wird teilweise empfohlen, bei Kindern mit hohem SIDS-Risiko eine präventive Therapie mit Theophyllinpräparaten durchzuführen. Beruht diese Strategie auf der Evidenz von kontrollierten Studien?

Ihre Antwort :

       

 


Kommentar des Spezialisten


Zu Frage 1:

Es wird in der Literatur kein Zusammenhang zwischen Impfung und SIDS gefunden. Im Gegenteil – das SIDS-Risiko ist bei geimpften Kindern kleiner als bei nicht geimpften. Eine frühe Pertussisimpfung verhindert in gewissen Fällen ein SIDS, das möglicherweise auf eine asymptomatische Pertussiserkrankung zurückzuführen war. Weiter induziert eine DTP-Impfung die Bildung von kreuzreaktiven Antikörpern gegen pyrogene Staphylokokkentoxine. Es wurde auch gezeigt, dass die erste DTP-Impfung die Weckschwelle der geimpften Kinder nicht verändert.

Also empfiehlt sich die Grundimmunisierung bei Säuglingen auch aus Gründen der SIDS-Protektion!


Zu Frage 2:

Das Risiko an SIDS zu sterben ist bei Nachfolgegeschwistern nur geringfügig erhöht. Die Zahlen in der Literatur schwanken jedoch stark. Abklärungen und evtl. Homemonitoring sollen jedoch bei jedem Nachfolgekind diskutiert werden. Nebst den medizinischen Gründen gibt es wichtige psychologische Gründe, diese Familien gut zu beraten.


Zu Frage 3:

  1. Rückenlage als alleinige Schlafposition ist ab dem ersten Lebenstag zu empfehlen. Das SIDS-Risiko in Seitenlage liegt zwischen demjenigen von Bauchlage und Rückenlage. Die Seitenlage ist zudem möglicherweise ungünstig für eine normale Hüftentwicklung.
  2. Rauchen in der Schwangerschaft und nach der Geburt erhöhen das SIDS-Risiko um das 6-7fache.
  3. Erhöhte Körpertemperatur führt möglicherweise zu vermehrten Apnöen und erhöht das SIDS-Risiko.
  4. Stillen ist aus ernährungsphysiologischen und immunologischen Gründen die beste Ernährung des Säuglings. Seit die Punkte 1-3 vermehrt befolgt werden findet sich jedoch kaum mehr ein Unterschied bezüglich SIDS-Risiko zwischen gestillten und nicht gestillten Kindern.
  5. Gravierende Erkrankungen, die möglicherweise zu einem SIDS führen können, werden anlässlich einer Arztkonsultation möglichst früh erfasst und einer Therapie zugeführt.

Zu Frage 4:

Die Verabreichung von Theophyllinpräparaten wurde vor allem in den 80er und anfangs der 90er Jahre empfohlen, da ein pathologisches OCR damit normalisiert werden konnte. Es wurde jedoch nie nachgewiesen, dass Theophyllin auch wirklich SIDS verhindern kann. Theophyllinpräparate sollen nur gezielt – nach gründlicher Abklärung des Kindes in einem pädiatrischen Zentrum – verabreicht werden. Wie weit die Verstärkung eines GOR durch Theophyllin in Bezug auf SIDS eine Bedeutung hat ist umstritten.


M.Sutter, Worb


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Dernière mise à jour du site: 25.06.2008