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| Jahr | Mädchen | Knaben | Total SIDS | Lebend-Geburten | SIDS-Inzidenz (l) | Säuglings- sterblichkeit l (n) |
| 1986 | 63 | 76 320 | 0.83 | 6.8 | ||
| 1987 | 66 | 76 505 | 0.86 | 6.8 | ||
| 1988 | 74 | 80 345 | 0.92 | 6.8 (550) | ||
| 1989 | 45 | 55 | 100 | 81 180 | 1.23 | 7.3 (596) |
| 1990 | 41 | 58 | 99 | 83 939 | 1.18 | 6.8 (574) |
| 1991 | 40 | 48 | 88 | 86 200 | 1.02 | 6.2 (537) |
| 1992 | 35 | 49 | 84 | 86 910 | 0.97 | 6.4 (557) |
| 1993 | 31 | 51 | 82 | 83 762 | 0.98 | 5.6 (465) |
| 1994 | 18 | 42 | 60 | 82 980 | 0.72 | 5.1 (424) |
| 1995 | 19 | 35 | 54 | 82 203 | 0.66 | 5.0 (414) |
| 1996 | 10 | 27 | 37 | 83 007 | 0.45 | 4.7 (390) |
| 1997 | 13 | 27 | 40 | 80 584 | 0.50 | 4.8 (387) |
| 1998 | 10 | 18 | 28 | 78 949 | 0.35 | 4.8 (375) |
| 1999 | 14 | 21 | 35 | 78 408 | 0.45 | 4.7 (361) |
| 2000 | 13 | 11 | 24 | 78 458 | 0.31 | 4.9 (386) |
| 2001 | 6 | 12 | 18 | 73 509 | 0.24 | 5.0 (365) |
| 2002 | 72 372 | 4.5 (326) |
Alter und Parität der Mutter
Das Risiko für einen SIDS erhöht sich einerseits bei sehr jungen Müttern (unter 20 Jahren: 7–11-faches Risiko: je jünger, desto höher) und anderseits bei höherer Parität (3. und 4. Gebärende: 5–10-faches Risiko). Bei den sehr jungen Müttern gibt es allerdings gehäuft auch Begleitrisiken, die vermehrt vorkommen – wie ungenügende Schwangerschaftskontrollen, Drogen- und Nikotin- Abusus, schlechte Schulbildung usw.
Ethnische Zugehörigkeit
Gewisse Rassen haben ein deutlich geringeres Risiko (Asiaten), andere ein deutlich erhöhtes, wie die schwarze Bevölkerung in Nordamerika. Diese Korrelation bleibt auch nach Korrektur von Begleitumständen (sozioökonomischer Status, Rauchen usw.).
Rauchen in der Schwangerschaft/ Rauchen in der Umgebung des Säuglings
Mütterliches Rauchen in der Schwangerschaft ist mit einem deutlich erhöhten Risiko (5-faches) für SIDS verbunden. Bei einem Konsum von mehr als 1 Paket pro Tag steigt das Risiko, ebenso, wenn nach der Geburt Mutter und Vater in der Umgebung des Kindes Rauchen (8-faches). Schläft das Baby bei der Mutter (Raucherin) im Bett, so steigt das Risiko auf das 10–17-Fache: je jünger das Kind, desto höher. Jede Zigarette weniger pro Tag in der Schwangerschaft verringert das Risiko. Das Rauchen ist seit der Abkehr von der Bauchlage der SIDS-Risikofaktor Nummer 1 geworden. Eine internationale Studie von 21 Zentren zeigte, dass im Durchschnitt bei Geburt 22% der Mütter rauchten (0–43%): in den deutschen und österreichische Zentren zu 13–16%, in Kopenhagen 43%. Hier liegt ein grosses Potenzial (auch für die Schweiz), das Risiko für den SIDS durch Vermeiden des Rauchens drastisch weiter senken (um 20–40%!) zu können.
Drogenkonsum in der Schwangerschaft
Drogenkonsum erhöht das Risiko um ein 10-100-faches. Wegen den multivariablen Begleitfaktoren sind genaue Daten schwierig zu erheben. Kokaingebrauch alleine erhöht das Risiko um das 2–5-Fache. Säuglinge von jungen drogenabhängigen Müttern in schlechten sozialen Verhältnissen haben ein SIDS-Risiko von 10%!
Gestationsalter und Geburtsgewicht
Je nach Studie steigt das Risiko bei niedrigem Geburtsgewicht: So findet man Angaben von einem niedrigen (2–3-fachen Risiko für Kinder von 1500–2000 g und einem 4–5-fachen Risiko bei <1500 g) bis zu hohem Risiko (9-fachen) für Kinder von 1500–2000 g. Eine grosse amerikanische Studie hat für Kinder < 37 Wochen GA eine OR von 1,83 gezeigt. Mit dem niedrigen Gestationsalter/ Geburtsgewicht sind aber multipelste Variablen verknüpft (wie Rauchen, schlechte Schwangerschaftskontrollen, niedriger sozialer Status), sodass das Nettorisiko schwierig zu definieren ist. Ein eindeutiges erhöhtes Risiko haben Kinder unter 1500 g GG, untergewichtige Kinder (< P3 und < P10) und Kinder, die eine schlechte Gewichtszunahme zeigen. Etliche Zentren zeigen in Case-Control-Studien, dass die Frühgeburtlichkeit als solche unter Berücksichtigung von verschiedensten Variablen nicht mehr ein Risiko ist (Deutschland, Case-Control- Studie CH). Unter den SIDS-Kindern finden sich deutlich vermehrt Frühgeborene (international und CH: 15–19%) bei einer Rate von circa 8% (5–10%) Frühgeborenen in der Population. In der Prävention sollten Frühgeborene nicht anders als Termingeborene behandelt werden. Ganz explizit sollten ehemalige Frühgeborene aber nicht im Bett der Mutter schlafen, nicht auf den Bauch zum Schlafen gelegt und nicht (weiter) Rauchern ausgesetzt werden, da sie diesbezüglich speziell vulnerabel sind.
Komplikationen in Schwangerschaft und unter Geburt
Schlechte oder keine Schwangerschaftskontrollen und Rauchen in der Schwangerschaft erhöhen das SIDS-Risiko ganz eindeutig. Faktoren wie vorzeitige Plazentalösung, Plazenta praevia, vorzeitiger Blasensprung und Untergewicht für Gestationsalter erhöhen das SIDS-Risiko. Verminderte Plazentardurchblutung und mütterliche Anämie scheinen ebenfalls das Risiko zu erhöhen, ein niedriger Apgarwert (5 min < 5) wird von kaum einem Autor als Risiko angesehen.
Rückenlage als Schlafposition
Durch das Vermeiden der Bauch- (und Seiten-) lage als Schlafposition ist es zu einer eindrücklichen Reduktion der SIDS-Fälle gekommen. Die Bauchlage erhöht das Risiko um das 3–10-Fache. Sie ist mit einigen Eigenheiten verknüpft, die den Säugling kompromittieren können – die aber die Todesursache nicht erklären: Rückatmung von CO2, Sauerstoffverarmung (Ersticken), Hitzestauung (verminderte Konvektion), schlechtere Clearance von bakteriellen Toxinen nach Virusinfekten, höhere Besiedelung durch nasale Keime, Retroposition der Maxilla (Obstruktion), Okklusion von vertebralen Arterien durch die Kopfrotation, verminderte Aufwachschwelle und höhere Schlaftiefe. Schlaftiefe. Ein klassisches Ersticken wegen der Bauchlage (Gesichtslage) scheint für den gesunden Säugling aber keine Diskussion zu sein, ebenso gibt es keinen Grund, Angst zu haben, dass der Säugling in Rückenlage an seinem Erbrochenen ersticken könnte (keine Fälle in der Literatur dazu). Die Seitenlage ist mit erhöhtem Risiko verbunden, da Kinder in dieser instabilen Position mehrheitlich auf den Bauch rollen. Gefährlich ist auch die erste Nacht in Bauchlage, wenn der Säugling sonst gewohnt ist, auf dem Rücken zu schlafen. Wegen dem Risiko der Entwicklung eines lagebedingten Plagiocephalus und zur Förderung der Motorik sollte der junge Säugling im Wachzustand zum «Spielen» auf den Boden und den Bauch gelegt werden («Dummy Time»).
Überwärmung
Fieber, Infekte, starkes Zudecken/Bekleiden, Bauchlage, Tücher und Kuscheltiere im Kopfbereich, Bettteile, Überheizen, gesteigerte metabolische Rate (Untergewicht, Knaben, Formulamilch) sind Faktoren, die die Temperatur erhöhen können. Atmungsregulation und Schlafstadien sind temperaturabhängig. Überwärmung kann bei prädisponierten Säuglingen als Stressfaktor wirken und Befunde bei SIDS-Opfern (Schweiss, unter der Decke/stark zugedeckt, erhöhte Rektaltemperatur) deuten darauf hin, dass sie eine wesentliche Rolle für das fatale Ereignis spielen kann. Möglicherweise spielt der thermische Stress aber nur bei Kindern in Bauchlage eine Rolle!
Geregelter Tagesablauf
Jede Art von Stress kann ein Triggerfaktor bei prädisponierten Kindern sein. Sterbedaten zeigen zum Beispiel eine Häufung von SIDSFällen am Wochenende (anderer Tagesablauf?) oder dass viele der Kinder zum Zeitpunkt des Todes nicht in der normalen Umgebung waren.
Stillen
Dem Stillen wird ein protektiver Effekt zugeschrieben (11 von 18 Studien). Wird nur das univariable Risiko betrachtet, so haben die Flaschenkinder ein 2–3-faches Risiko für den SIDS. Werden weitere Variablen verglichen (sozioökonomischer Status, Rauchen, kulturelle Faktoren usw.), so verschwindet dieser Effekt. Bei den 400 Zürcher SIDS-Fällen waren > 60% der Kinder gestillt, was einer erhöhten Stillfrequenz (für das Alter von 2–4 Monaten) bei den Verstorbenen entspricht. Jeder Risikofaktor soll in der Prävention Eingang finden: Das Stillen ist also unbedingt zu empfehlen.
Aufsicht und Körperkontakt/ Gesundheitskontrollen
Durch gutes Beobachten des Kindes und regelmässige Kontrollen können minimale Veränderungen besser und schneller wahrgenommen werden – insbesondere gilt dies für Krankheitszeichen und Gedeihprobleme. Da letztere eine wesentliche Rolle spielen, können durch gute Vorsorge sicher etliche Kinder vor einem plötzlichen und unerwarteten Tod (auch Nicht-SIDS!) geschützt werden. Von den unerwartet Verstorbenen (mit klinischer SIDS-Diagnose) sind 25% an einer klar definierten Krankheit verstorben (Autopsie). Der junge Säugling soll aber nicht im elterlichen Bett schlafen, sondern im eigenen Bett (im selben Zimmer).
Daniel Ghelfi, Zürich
Korrespondenz:
Dr. med. Daniela Ghelfi
Universitäts-Kinderklinik Zürich
Steinwiesstr. 75
8032 Zürich
Email:
daniela.ghelfi@kispi.unizh.ch
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