Fallvorstellung:

Sie wohnen im gleichen Block wie Frau Müller, eine sympathische 78-jährige Frau mit einer symptomatischen (bereits 2 Schenkelhalsfrakturen) Osteoporose. Es sei den Ärzten nicht gelungen, eine spezielle Ursache für ihre Osteoporose zu finden. Frau Müller befürchtet, dass jüngere Mitglieder der Familie und speziell die Enkel ebenfalls eine Osteoporose entwickeln könnten. Sie weiss, dass Sie ein erfahrener Kinderarzt sind und bespricht das Problem immer wieder mit Ihnen im Lift.

Frage 1:

Erklären Sie in einer Skizze (keine quantitative Angabe nötig) den Verlauf der Knochendichte bei einem Menschen von Geburt bis zum Tode.


Ihre Antwort :

       

Frage 2:

Béatrice ist die gesunde, nun 9-jährige Enkelin von Frau Müller. Nennen Sie bitte 2 sinnvolle Empfehlungen, die im jetztigen Zeitpunkt das Risiko einer postmenopausalen Osteoporose bei Béatrice günstig beeinflussen könnten.


Ihre Antwort :

       

Frage 3:

Verschiedene Medikamentengruppen reduzieren die Knochendichte. Erwähnen Sie deren 3.


Ihre Antwort :

       

Kommentar:

Das Gesamtkalzium im Skelet beträgt bei Geburt 25 g und jeweils 900 g bei erwachsenen Frauen und 1200 g bei erwachsenen Männern. Als "Peak bone mass" (PBM) bezeichnet man den maximal im Leben erreichten Knochenmineralgehalt. Mindestens 90% der PBM ist mit dem 18. Altersjahr erreicht und 25% der PBM wird während der zwei Jahre, die vor und nach dem Gipfel der puberalen Wachstumsgeschwindigkeit liegen, erworben. Die PBM wird um das 20.-23. Altersjahr herum erreicht. Bei beiden Geschlechtern erfolgt ungefähr nach dem 50. Altersjahr eine Abnahme der Knochenmasse um 0.5-1% /Jahr. Bei Frauen kommt es zusätzlich nach der Menopause zur postmenopausalen Abnahme der Knochenmasse mit höherer Knochenverlustrate. Die PBM ist ein wesentlicher bestimmmender Faktor für das spätere Osteoporoserisiko.
Daher ist es besonders in der Pädiatrie wichtig präventive Strategien zur Optimierung der PBM und somit zur Reduktion des Osteoporose- und Frakturrisikos auszuarbeiten. Drei Maßnahmen haben erwiesenermaßen zu einer Verbesserung des Knochenmineralgehalts bei Kindern und Jugendlichen geführt: hohe Kalziumzufuhr in der Ernährung (mind. 1500 mg/Tag), sportliche Aktivität im Sinne von knochenbelastendem Sport (z.B. Volleyball, Badminton, Gymnastik, aber nicht Schwimmen) und Vitamin D Supplementation während des ersten Lebensjahrs. Wie in einem kürzlich erschienenen Artikel berichtet wird, ist der positive Effekt von Kalziumsupplementation auch noch Jahre nach der Studienintervention unter normaler Kalziumzufuhr nachweisbar. Allerdings gibt es keine Studien, die zeigen würden,dass diese Interventionen auch zu einer Reduktion des Osteoporose asssozierten Frakturrisikos führen würden.
Zu den Risikogruppen, bei denen an eine Osteoporose im Kindesalter gedacht werden muß, gehören Kinder mit langdauernder medikamentöser Behandlung. Eine lange Liste von Medikamenten ist bekannt, die zu einer Reduktion der Knochenmasse führen können. Besonders erwähnenswert sind Antiepileptika und Glukokortikoide. Besonders bei behinderten Kindern, die bettlägerig oder Rollstuhl abhängig sind und eine Antiepileptikatherapie haben, sollte eine Bestimmung der Knochenmasse mittels DXA durchgeführt werden. Dasselbe gilt für Kinder, die während mehr als eines halben Jahres systemisch Glukokortikoide erhalten. Prospektive Studien werden aktuell durchgeführt mit der Frage nach der adäquaten Behandlung der Glukokortikoid induzierten Osteoporose im Kindesalter. Resultate liegen allerdings noch keine vor.



Marco Janner, Bern

Korrespondenzadresse :
Dr. M. Janner, Frohbergweg 3,
Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie FMH
3012 Bern
marco.janner@bluewin.ch

 



Referenzen

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Bonjour JP, Theintz G, Law F, Slosman D, Rizzoli R. [Peak bone mass: facts and uncertainties]. Arch Pédiatr 1995;2:460-468
Bonjour JP, Theintz G, Law F, Slosman D, Rizzoli R. Peak bone mass. Osteoporos Int 1994;4 Suppl 1:7-13
Cromer B, Harel Z. Adolescents: at increased risk for osteoporosis? Clin Pediatr (Phila) 2000;39:565-574
Mazanec DJ, Grisanti JM. Drug-induced osteoporosis. Cleve Clin J Med 1989;56:297-303
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Weitere Ref:
Zamora S.A. et al, J Clin Endocrinol Metab 1999;84:4541-4544.
Lehtonenen-Veromaa M. et al, J Clin Ednocrinol Metab,2000;85:3726-3732.



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Dernière mise à jour du site: 08.05.2008