Quiz 12

Fallbeschreibung:

Sie untersuchen Olivia, ein gesundes 4-Jahre altes Mädchen.

Frage 1:

Olivia ist nun trocken und reinigt sich nach der Defäkation selber. Danach sind die Unterhosen häufig mit Stuhl verschmiert. Was empfehlen Sie der darüber besorgten Mutter: ist dieses Verhalten noch physiologisch?


Ihre Antwort :

       

Frage 2:

Wie muss ein 4-Jahre altes, grobmotorisch unauffälliges Kind die Treppe hoch- und runtergehen?


Ihre Antwort :

       

Frage 3:

Wie muss ein 4-Jahre altes feinmotorisch unauffälliges Kind mit Schere und Papier umgehen?


Ihre Antwort :

       

 


Kommentar des Spezialisten


Antwort 1

Bis zum Alter von 4 Jahren sollte ein Kind die Stuhlkontrolle erlernt haben. Danach spricht man von Enkoprese. Diese Altersgrenze ist arbiträr, sie stimmt jedoch mit den Beobachtungen der Praxis recht gut überein. Dass ein Kind nach diesem Zeitpunkt die Analhygiene derart missachtet, dass es dauernd Bremsspuren in der Unterwäsche hat, ist eine eher seltene Beobachtung. In diesem Fall ist eine erneute Instruktion der Analhygiene durch die Mutter sinnvoll. Bei Rezidiven ist aber an eine weitergehende Störung psychosozialer Art zu denken. Man erinnere sich an die von Sigmund Freund geäusserten Hypothesen im Zusammenhang mit der Stuhlentleerung.

Sicher ist eine schleichende Obstipation mit Überlaufstuhl anamnestisch und klinisch auszuschliessen. Geht das Kind regelmässig auf die Toilette? Wie ist die Stuhlkonsistenz? Hat es Schmerzen bei der Defäkation? Ist das Sigma palpatorisch voller Stuhl? Ist die Ampulle bei der Rektaluntersuchung voller Stuhl? In diesem Fall ist eine weitergehende Behandlung angezeigt. Neben Drastika (Abführmittel) und Stuhlerweichern, die über mehrere Wochen gegeben werden müssen, ist eine begleitende Verhaltensmodifikation für einen Therapieerfolg von entscheidender Bedeutung. Initial sind psychoanalytisch-psychotherapeutische Interventionen nicht indiziert.

Anwort 2

Bereits im Alter von 18 Monaten sollte das Kind, an der Hand gehalten die Treppe raufsteigen können. Mit zwei Jahren (mit Halten am Geländer) sicher treppauf, möglicherweise auch schon treppab. Allerdings stellen Treppen für Eltern und Kinder oft eine sehr bedrohliche Angelegenheit dar. Viele Eltern fürchten sich vor schlimmen Stürzten auf der Treppe. Die Folge davon ist, dass Eltern in der Regel das freie Treppensteigen des Kindes nicht fördern, sondern eher bremsen. Es erfolgen Kommentare wie: Pass auf, Achtung nicht alleine, halte dich gut fest usw. Auch nicht-verbal können Eltern Angst und Anspannung vermitteln (springen auf, halten das Kind usw.), was wiederum die motorische Exploration des Kindes nicht fördert. Einige Kinder entwickeln dann eine stupende Technik sich am Geländer haltend die Treppe zu steigen, das viel gefährlichere Absteigen aber mit Rutschen auf dem Bauch zu umgehen.

Im Alter von vier Jahren hat das Kind jedoch genug Sicherheit gewonnen, Treppen mit alternierenden Bewegungen (ein Fuss pro Tritt) zu bewältigen. Oft sind jedoch noch spezielle Muster beobachtbar, zum Beispiel immer das eine Bein voran, was normal ist.

Antwort 3

Gemäss Untersuchungen von Barbara Zollinger öffnet und schliesst das Kind ab dem Alter von 18 Monaten (80% Regel) die Schere. Mit 30 Monaten kann es zweihändige Schnitte mit der Schere machen und ab 36 Monaten einhändig. Also schon mit drei Jahren sollte das Kind mit der Schere schneiden können. Bei der Vorsorgeuntersuchung im Alter von 4 Jahren kann dies gut untersucht werden (Kreis ausschneiden) und gibt Hinweise auf die feinmotorischen Fähigkeiten, die Augen-Hand-Koordination, aber auch auf die Fähigkeit Aufgaben selbständig zu lösen. Die Interaktion zwischen Mutter und Kind (hilft dauernd, korrigiert dauernd, ist supportiv usw.) lässt sich dabei ebenfalls gut beobachten. Auch das Interesse und die Geduld mit der ein Kind solche Aufgaben löst, ist ein Hinweis auf die intellektuelle Reife des Kindes.


Thomas Baumann, Solothurn


Literatur

  • Colson ER, Dworkin PH. Toddler development. Pediatr Rev 1997;18:255-259
  • Michel RS. Toilet training. Pediatr Rev 1999;20:240-245
  • Sturner RA, Howard BJ. Preschool development. 1: Communicative and motor aspects. Pediatr Rev 1997;18:291-301
  • Sturner RA, Howard BJ. Preschool development. Part 2: Psychosocial/behavioral development. Pediatr Rev 1997;18:327-336
  • Vaughan VC 3rd. Assessment of growth and development during infancy and early childhood. Pediatr Rev 1992;13:88-97
  • Zollinger, B. Die Entdeckung der Sprache, Haupt Bern, Stuttgart, Wien 1997
  • Sheridan, M. From birth to five Years, Nfer-Nelson, Windsor 1987
  • Pollak, M. Textbook of devlomental paediatrics, Churchill Livingstone, Edingburg 1993
  • Illingworth R.S.The Normal Child, Churchill Livingstone,Edinburgh, London 1983

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Dernière mise à jour du site: 25.06.2008